Meteorologischer Sommerbeginn : Kaltstart für einen Traumsommer?

Meteorologe Werner Schulz hat sich im Garten sein eigenes Sommerparadies geschaffen. Foto: Wolfried Pätzold
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Meteorologe Werner Schulz hat sich im Garten sein eigenes Sommerparadies geschaffen. Foto: Wolfried Pätzold

Wer in den vergangenen Tagen das Wort "Sommer" in den Mund genommen hat, wurde von seinen Mitmenschen ziemlich skeptisch beäugt. Doch für die Wetterprofis hat der meteorologische Sommer definitiv am 1. Juni begonnen.

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04. Juni 2012, 09:50 Uhr

Marnitz | Wer in den vergangenen Tagen das Wort "Sommer" in den Mund genommen hat, wurde von seinen Mitmenschen ziemlich skeptisch beäugt. Doch für die Wetterprofis hat der meteorologische Sommer definitiv am 1. Juni weltweit begonnen. Da spielen die aktuellen Temperaturen keine Rolle, es geht schlicht um die rein rechnerische Vergleichbarkeit der Wetterdaten, die sich mit dem kalendarischen Sommerstart, der in diesem Jahr auf den 21. Juni fällt, schwierig gestalten würden.

Für den Meteorologen Werner Schulz, der sich seit Jahrzehnten mit der statistischen Auswertung von Wetter- und Klimadaten beschäftigt, sind die ziemlich mickrigen Tages- und Nachttemperaturen der letzten Tage kein Grund zur Sorge. "Das kommt Anfang Juni immer wieder einmal vor. Diesmal hat sich die Schafskälte etwas früher als üblich eingestellt", meint der Experte.

In Mitteleuropa ist ein Kälterückfall relativ häufig. Die Wetterstatistiker gehen im Zeitraum vom 10. bis 12. Juni mit einer etwa 80 prozentigen Wahrscheinlichkeit für unterdurchschnittliche Lufttemperaturen aus. Oft regnet es während der Schafskälte mehr als üblich. Diesmal ist das Hoch "Quentin", das sich über dem Nordmeer nahe Island gebildet hat, für die Kälte zum meteorologischen Sommerbeginn verantwortlich. Auf der Ostseite des Hochs fließt Kaltluft aus arktischen Breiten zu uns ein.

Pünktlich zum Kaltstart des Sommers hat Werner Schulz die Daten des meteorologischen Frühlings im Parchimer Land unter die Lupe genommen. "März, April und Mai waren insgesamt zu warm (+2,1 Grad Kelvin) und zu trocken", resümiert der Wetterfrosch der Ruhner Berge. Niederschläge erreichten in Marnitz nur 57 Prozent der langjährigen Durchschnittswerte. Die Folgen blieben diesmal vergleichsweise gering, weil es zuvor auch am Fuße der Ruhner Berge tüchtig geregnet hatte. Erst am letzten Maitag wurden in Marnitz mit 17,5 Millimeter pro Quadratmeter die höchste Tagesniederschlagsmenge des Frühlings 2012 gemessen. Am 22. Mai stieg die Quecksilbersäule auf 30,3 Grad Celsius. Am 6. März war auf dem Messfeld des Deutschen Wetterdienstes in Marnitz der tiefste Temperaturwert des diesjährigen Frühlings mit minus 4,1 Grad Celsius ermittelt worden. Obwohl die Sonne im März und auch Ende Mai zwischen Schweriner und Plauer See reichlich schien, geht die dreimonatige Wetterperiode als insgesamt trübe in die Langzeitstatistik ein.

Folgt nach dem Kaltstart nun womöglich ein Traumsommer? Werner Schulz will sich auch nach mehr als 45 Berufsjahren nach diesen Spekulationen nicht beteiligen. Aber er ist sich sicher, dass ein Blick in die Vergangenheit der Wetterküche durchaus lohnt. "Vergleicht man die Abweichungen der Sommertemperaturen in der Region seit 1950 bis heute wird deutlich, dass nach einigen zu warmen Jahren auch eine langsame Abkühlung wahrscheinlich ist. Wann das eintritt, kann allerdings niemand seriös voraussagen", betont der Experte. "Wetter ist keine Freizeitveranstaltung. Auch wenn wir uns alle Sonnenschein pur für die schönste Zeit des Jahres wünschen, sieht die Realität mitunter anders aus", gibt Werner Schulz zu bedenken. Dabei ist die Interessenlage ohne hin unterschiedlich. Gärtner sowie Land- und Forstwirte bekommen bei Trockenheit akute Probleme, Campingplatzbesitzer und Touristikanbieter wünschen sich für ihre Gäste sommerliche Temperaturen.

Auch wenn Meteorologe Werner Schulz den Bauernregeln keine allzu große Bedeutung beimisst, interessieren sich viele Hobbymeteorologen für die Erfahrungen der Vorfahren immer öfter. Für Voraussagen des Wetters für den Rest des Jahres spielt der Monat Juni da eine besondere Rolle. "Wenn nass und kalt der Juni war, verdirbt er meist das ganze Jahr" soll ebenso zutreffen wie "Viermal Juniregen - bringt zwölffach Segen". Spätestens am 1. September, wenn Werner Schulz alle Daten analysiert hat, steht fest, ob es ein Traumsommer war.

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