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Parchimer Zeitung

22. November 2017 | 12:28 Uhr

Kabinett on Tour, Verwaltung hungert

vom

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erstellt am 15.Apr.2013 | 05:45 Uhr

parchim | Sage keiner, Erwin Sellering (SPD) sei ungerecht. Der Ministerpräsident von Mecklenburg-Vorpommern besucht die Landkreise streng nach Größe. Zum zweiten Mal tagt sein Kabinett heute außerhalb der Sichtweite der Schweriner Staatskanzlei - in Parchim. Hatte die Mecklenburgische Seenplatte als größter Landkreis Deutschlands im Dezember 2012 die Ehre, ist jetzt Ludwigslust-Parchim als zweitgrößter der Kreis-Giganten an der Reihe. Nur merken wird es keiner. Das gemeine Volk hofft nämlich vergebens, einen Blick auf den überaus beliebten Landesvater zu erhaschen. Wegen der Werftenverhandlungen hat die Staatskanzlei den einzigen öffentlichen Termin am Nachmittag in Siggelkow abgesagt. Dabei läuft die Kabinetts-Tournee unter dem Motto "Mehr Bürgernähe". So hatte Sellering nämlich die Karawane der acht Minister, ihres Chefs und der Entourage von 15 Mitarbeitern durch die Kreise mit schwarzen Dienstlimousinen in seiner Regierungserklärung 2011 begründet.

Die ersten, die das heute hautnah spüren werden, sind die 360 Mitarbeiter der Kreisverwaltung in Parchim. Sie finden an der Tür des Solitärgebäudes mit Kantine hinter dem Landratsamt, in dem das Kabinett tagt und speist, einen Zettel. "Auf Grund einer geschlossenen Veranstaltung bleibt unsere Kantine am 16.04.2012 geschlossen. Wir bitten um Verständnis!" 360 hungrige Mägen müssen jetzt andernorts gefüllt werden. Der des Ministerpräsidenten wird mit garantiert geprüfter Kost verwöhnt. Vorkostern - eher aus Königshäusern bekannt - wurden Proben kredenzt. Das munkelt der Buschfunk in der Kreisstadt, bestätigen will es niemand offiziell. Der Speiseplan ist indessen erlesen: Vorweg ein Möhren-Ingwer-Süppchen, dann einen Gemüse-Dinkel-Strudel oder auch Zanderfilet auf Wildreis, und zur Abrundung eine Griesflammeriemit Apfelkügelchen. Nach Tagesmenü der Kantine der Kreisverwaltung, die von den Lewitz Werkstätten betrieben wird, klingt das nicht - eher nach Sterne-Koch...

Aber nicht nur die Mitarbeiter der Kreisverwaltung müssen draußen blichen, nein auch Parchims Bürgermeister Bernd Rolly, wie Sellering aufrechter Sozialdemokrat, freut sich, dass die Kreisstadt Parchim Gastgeber für die Landesregierung sein darf. Das sei ja auch eine Art Wertschätzung. Parchims Stadtvater bedauert aber, dass es nicht gelungen ist, ihn - wenn auch für wenige Minuten - ins offizielle Programm aufzunehmen. Rolly enttäuscht: "Wir haben extra in der Staatskanzlei nachgefragt. Es wurde aber abgelehnt." Das Kabinett tagt zunächst von der Öffentlichkeit abgeschirmt ab 10 Uhr. Da geht es dann um schwere Landeskost, wie Bäderregelung und Bürgschaftsmanagement. Eine Stunde später dürfen die Kreistagspräsidentin, der Landrat, seine Beigeordneten und die Vertreter der demokratischen Fraktionen im Kreistag rein. Dann wird Klartext geredet, geht es doch um die wirtschaftliche Entwicklung des Kreises, die Lage der Kommunen und die Energiewende. Landrat Rolf Christiansen (SPD) hat erst kürzlich die finanziellen Rahmenbedingungen für die Landkreise, Städte und die Gemeinden als "besorgniserregend" bezeichnet. Die CDU will das Ausbluten der Kreisstadt auf die Tagesordnung setzen. Das klingt nicht nach leichter Gesprächskost.

Übrigens: Wer denkt, er könne mal eben durch die futuristischen Glaswände des Solitärs, des Kreistagssaals, einen Blick auf den hohen Besuch werfen, wird enttäuscht sein. Das Kabinett tagt nicht nur ohne Öffentlichkeit, es verhandelt auch im Dunkeln, denn Mitarbeiter der Kreisverwaltung werden die Jalousien vorher herunterlassen. Regierungssprecher Andreas Timm wertet den Aufwand der Kabinettstour eher als bescheiden: "Es ist ja kein Staatsbesuch. So aufwändig waren die Vorbereitungen auch wieder nicht." Es habe nur einige Vorbesprechungen zwischen Staatskanzlei und Kreisverwaltung gegeben.

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