Parchim : Kabelschaden ist schuld am Ausfall

Hier wurde das defekte Mittelspannungskabel geortet. Die Firma Schwarz buddelte am Freitag einen Graben an der Kreuzung Ludwigsluster Chaussee/Juri-Gagarin-Ring auf. Links: Kabelmonteur Sascha Micheel von den Stadtwerken.
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Hier wurde das defekte Mittelspannungskabel geortet. Die Firma Schwarz buddelte am Freitag einen Graben an der Kreuzung Ludwigsluster Chaussee/Juri-Gagarin-Ring auf. Links: Kabelmonteur Sascha Micheel von den Stadtwerken.

1800 Haushalte, Betriebe und Einrichtungen vom Stromausfall in Parchim betroffen. Kleiner Fehler im 341 Kilometer langen Stromnetz.

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17. Juni 2016, 21:00 Uhr

Ein defektes unterirdisches Kabel war schuld an einem großflächigen Stromausfall am Donnerstag in Parchim. Rund 1800 Haushalte, Betriebe und Einrichtungen waren betroffen. Am Freitagmorgen begannen die Stadtwerke mit der Reparatur des defekten 20 kV-Kabels an der Kreuzung Ludwigsluster Chaussee/Juri-Gagarin-Ring.

Laut Mario Hiersemann, Bereichsleiter Stromnetz bei den Stadtwerken, könne ein solcher Kabelfehler längere Zeit vorher entstehen und sich auswirken, wenn beispielsweise Feuchtigkeit eindringt. Joachim Stark, Leiter Netzbetrieb, konnte über die Ursache des Fehlers am Freitag noch keine genaue Auskunft geben: „Nach meiner Erfahrung sind am häufigsten Tiefbauarbeiten die Ursache (90 Prozent), gefolgt von unsachgemäßer Kabelverlegung (9,9 Prozent) und Materialfehlern (0,1 Prozent). “

Fakt ist: Der Schaden an einem minimalen Stück im 341 Kilometer langen Stromkabelnetz der Kreisstadt hatte große Auswirkungen. In Parchim fielen 38 von 108 Trafostationen kurzfristig aus. Über zehn Teilringe werden die Kunden in der Stadt versorgt. Betroffen von dem Fehler war der äußere Stadtring, so Stark. Nachdem der Schaden eingegrenzt und der betroffene Kabelstrang ermittelt war, kam der Vorteil einer Ringversorgung zum Tragen, erklärt er. Denn so sei es möglich, die letzte Trafostation vor dem Fehlerkabel „links herum“ und die erste Trafostation nach dem Fehler „rechts herum“ zu versorgen.

Alle Stationen waren rund zweieinhalb Stunden nach der Abschaltung wieder in Betrieb, obwohl der eigentliche Schaden noch nicht behoben war. Der genaue Ort des Defekts wurde mit einem Messwagen ermittelt. Damit lasse sich bei einer Kabellänge von 1,4 Kilometern die Schadstelle auf den Meter genau aufgraben, erläutert Stark. „Unsere Kollegen schneiden dann das schadhafte Stück heraus und ersetzen es durch ein Neues.“ Für das Einmessen und Reparieren benötige man je nach Kabeltyp und Tiefbau bis zu zwölf Stunden, sagt der Mann von den Stadtwerken. Das wäre die Abschaltzeit, die der Stromkunde warten müsste, wenn es nicht so ein komfortables Ring-Netz gäbe.

Vom Ausfall am Donnerstag war auch die Asklepios Klinik Parchim betroffen. Geschäftsführer Alexander M. Gross bestätigte den Ausfall, der aber keine Folgen für den Krankenhausbetrieb hatte: „Notstromaggregate sichern die Stromversorgung unterbrechungsfrei für die wichtigen Bereiche. Fernsehen konnten die Patienten allerdings eine Stunde lang nicht.“

Auf den Fluren der Kreisverwaltung herrschte eine Stunde lang Stille. Kein Telefon klingelte, der Stromausfall legte die Telefonanlage still. Die Polizei in der Wallallee war wie die Sparkasse und weite Teile der Innenstadt nicht betroffen. „Im Falle eines Stromausfalls sind wir erreichbar. Das Telefon funktioniert immer“, sagt Waldemar Skrocki, Leiter des Polizeihauptreviers.

In der Filiale der VR-Bank in der Ludwigsluster Straße konnten Kunden eine Stunde lang kein Geld abheben, die Havarie hatte die Automaten lahm gelegt. Die Tankstelle in der Lübzer Chaussee hatte gestern noch Probleme, offenbar hatte der Stromausfall für Schäden im Computersystem gesorgt. Auch die Ampel Ziegeleiweg/Südring blinkte gestern nur gelb. Ärgerliche Folgen hatte die Panne für viele Unternehmen im Gewerbegebiet Möderitzer Weg. Beim BBM-Baumarkt lief der Verkauf allerdings eingeschränkt weiter, die elektronischen Kassen funktionierten: „Wir haben ein Notstromaggregat“, sagt Marktleiter Heiko Brandt.

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