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Parchimer Zeitung

17. November 2017 | 20:42 Uhr

Parchim : Jugendliche werden hier gebraucht

vom
Aus der Redaktion der Parchimer Zeitung

Jobcenter zieht Bilanz: Zahl der Arbeitslosen weiter zurückgegangen, 6308 Stellenangebote mehr als im Vorjahr

von
erstellt am 10.Mär.2017 | 05:00 Uhr

„Der Arbeitsmarkt entwickelt sich zum Bewerbermarkt“, benennt Hagen Liedtke, Geschäftsführer des Jobcenters Ludwigslust-Parchim, einen der Trends in der rundum positiven Jahresbilanz. Gemeint ist damit, dass die Position der Bewerber stärker geworden ist, weil mehr Jobs zur Auswahl stehen. Liedtke: „Im Landkreis Ludwigslust-Parchim bestand auch 2016 eine ungebrochen starke Nachfrage nach Arbeitskräften. So wurden durch den gemeinsamen Arbeitgeberservice der Agentur für Arbeit und des Jobcenters 6308 Stellenangebote neu aufgenommen.“ Das sind 613 Stellen oder 10,8 Prozent mehr als noch 2015.

Guntram Sydow, Chef der Agentur für Arbeit Schwerin, betont: „Jeder Jugendliche wird gebraucht – in der Region gebraucht.“ Die Zeiten, in denen es primär Ausbildungsplätze im Westen gab, sind vorbei. Allerdings appelliert Sydow an die Arbeitgeber, „auch mal den zweit- oder drittbesten Bewerber zu nehmen“ und auf die Unterstützumg der Arbeitsagentur zu bauen.

Die Jahresbilanz des Jobcenters bezeichnet der stellvertretende Landrat und Vorsitzende der Trägerversammlung des Jobcenters Wolfgang Schmülling euphorisch als „Erfolgsgeschichte, die immer neue Fortsetzungen findet.“ Im Jahr 2016 lag die Arbeitslosenquote erstmals seit der Landkreisfusion unter sieben Prozent (6,7). Die Durchschnittszahl der Arbeitslosen sank seit 2012 von 10 664 auf 7679, damit weist Ludwigslust-Parchim die landesweit niedrigste Quote aus.

Gute Erfolge gab es beim Abbau der Jugendarbeitslosigkeit. Seit 2006 ist im Bereich ein Rückgang um 73 Prozent (1855 Jugendliche) zu verzeichnen. Im Schnitt waren im vergangenen Jahr 686 Jobsucher unter 25 Jahren jung.

Als „anhaltend und ermutigend“ bezeichnet Jobcenter-Chef Hagen Liedtke, dass sich die Zahl der Menschen, die Leistungen zur Sicherung des Lebensunterhalts nach SGB II (Hartz IV) beziehen, um 5,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr und sogar um 43,7 Prozent gegenüber 2006 verringert habe. Diese Leistungen bekamen im Jahresschnitt 17 172 Menschen, 13 335 weniger als noch 2006.

Dazu gehören 464 Flüchtlinge, deren Anteil also rund drei Prozent beträgt. Dass die Zahl nicht größer ausfällt, liegt an der Sogwirkung der Landeshauptstadt. Viele Flüchtlinge ziehen zu Bekannten dort. Lob für die Arbeit des Jobcenters Ludwigslust-Parchim in diesem Bereich gab es von Arbeitsagentur-Chef Guntram Sydow: „Dem Jobcenter ist die Aufnahme und Betreuung der schutzsuchenden Flüchtlinge in sehr gut vorbereiteter weise gelungen, ohne dass deswegen das Regelgeschäft beeinträchtigt worden wäre.“

Zurückgegangen ist auch die Zahl derjenigen, die trotz Arbeit Leistungen beziehen. Dennoch sind 3183 Menschen neben ihrem Job auf Leistungen vom Jobcenter angewiesen. Interessanterweise ist trotz Booms die Vermittlung in den ersten Arbeitsmarkt rückläufig. In absoluten Zahlen gelang das 2231 Mal, 2013 noch 2727 Mal. Das liege schlichtweg daran, so Hagen Liedtke, dass das Potenzial der zu Vermittelnden kleiner werde. Das Ziel sei jedoch, jeden vierten Kunden wenigstens einmal in den ersten Arbeitsmarkt zu vermitteln.

Eine damit verbundene Zahl zeigt die Herausforderungen: Die Zahl derjenigen, die in Maßnahmen der aktiven Arbeitspolitik einsteigen, ist von 3517 (2015) auf 3987 gestiegen. Deshalb, so Liedtke, werde das Jobcenter nicht nachlassen, immer wieder neue Anläufe zu unternehmen, „damit niemand auf der Strecke bleibt.“

Das gilt längst nicht nur für Jugendliche, bei denen fehlende Mobilität ein zunehmendes Problem wird. Guntram Sydow: „Qualifizierung und Förderung kennen keine Altersgrenzen.“

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