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Friedrichsruhe : Jürgen Senger erforscht Geschichte

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Aus der Redaktion der Parchimer Zeitung

Dorf Friedrichsruhe wird 150 Jahre alt. Ein Mann, der in den 1990er-Jahren nach Mecklenburg gezogen ist, arbeitet an Ortschronik.

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erstellt am 27.Jan.2017 | 05:00 Uhr

In diesem Jahr wird das Dorf Friedrichsruhe 150 Jahre alt, sagt Bürgermeister Uwe Kröger. Ein Einwohner aus der Gemeinde sammelt schon fleißig Material für die Chronik: Jürgen Senger.

Dass der Mann, der in eine Ortsgeschichte von Mecklenburg eintaucht, nicht von hier ist, hört man am Tonfall seiner Stimme. Jürgen Senger stammt aus Oranienburg bei Berlin. „Seit meiner Kindheit sammele ich Briefmarken“, erzählt er. So befasste er sich mit der Postgeschichte seiner Heimatstadt. Und später sammelte er Mecklenburger Stücke, Briefe und Ansichtskarten.

Nach Friedrichsruhe kam Senger, als er in den 1990er-Jahren seine Frau kennenlernte. Das Haus, in dem sie zur Miete wohnten, kaufte das Paar und investierte viel in das Zuhause.

Über die Geschichte der Gemeinde Friedrichsruhe hatten ABM-Kräfte schon etliches zusammengetragen. Seit fünf Jahren baut Jürgen Senger diese Sammlung aus. Material aus der Geschichte der Gemeinde füllt mittlerweile viele Aktenordner. Der Mann aus Friedrichsruhe recherchiert in Archiven in Parchim und Schwerin wie auch in der Landesbibliothek. Froh ist er, dass er einen Freund in Schwerin hat, der alte Schriften lesen kann. Zumal manche unserer Vorfahren, die früher die Akten verfasst hatten, eine regelrechte Klaue besaßen, sagt er. Für sein Hobby erlernte Senger auch bei Isolde Böhme in Parchim die Sütterlinschrift.

Die Recherchen in der Geschichte sind nicht nur zeitaufwendig, sondern auch teuer. Während im Parchimer Archiv die Gebühren noch vernünftig seien, würden in der Bibliothek und im Landeshauptarchiv in Schwerin saftige Preise für Kopien und Digitalscans verlangt.

Jürgen Senger hat bereits viele Fakten über das heutige Dorf Friedrichsruhe zusammen. Nur einige davon: 1866 begannen die Planungen. Es gab einen Antrag, das in Besitz des Herzogs befindliche Pachtgut zu verkleinern. 1867 entstand die Siedlung mit neuen Parzellen in der Hoffeldmark Friedrichsruh. Das E war damals noch nicht am Ende des Namens. Geschrieben wurde in alten Akten von Neu Friedrichsruh oder Friedrichsruh. Einen Antrag auf Änderung der Schreibweise gab es 1899, damit es zu keiner Verwechslung mit Friedrichsruh bei Hamburg kommt. In der Nazizeit wurde aus Hof und Dorf eine Gemeinde Friedrichsruhe. Wo einst die Mühle stand, weiß Senger zwar nicht, dafür aber, dass Mühlenpächter Westphal der erste Schulze, also Vorsteher, in Dorf Friedrichsruhe war. Bis 1935 gab es eine Sandstraße im Ort, dann wurde sie gepflastert. Anfang der 1950er Jahre kam der elektrische Strom ins Dorf und 1970 die Straßenbeleuchtung. Laut Überlieferungen, die ABM-Kräfte im Gespräch mit Augenzeugen gesammelt hatten, ließ die Russische Armee 1945 die Häuser auf der einen Seite des Dorfes als Unterkunft für Offiziere räumen. Im Wald Richtung Schlieven seien Erdbunker ausgehoben worden, wo die einfachen Soldaten hausten. Rege war das Kultur- und Sportleben in Friedrichsruhe. So gab es beispielsweise einen Radfahrerverein von 1927 und zu DDR-Zeiten eine aktive Faustballmannschaft. Eine Urkunde belegt die Teilnahme von Friedrichsruher Sportlern beim Fackellauf zu den Olympischen Spielen in Berlin im Jahr 1936.

Jürgen Senger macht sich Gedanken, dass Zeitdokumente verloren gehen können, wenn die Besitzer sterben. Verwandte haben oft nicht den Bezug dazu. Nicht alles wegschmeißen, rät der Sammler: Einfach mal zeigen, ob alte Papiere nicht für die Chronik wichtig wären. Insbesondere gelte das auch für Fotos und Postkarten.

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