Stress : Jeder Fünfte braucht dringend Hilfe

Die Belastung im Beruf nimmt zu. Stress kann krank machen.
Die Belastung im Beruf nimmt zu. Stress kann krank machen.

Viele Menschen leiden unter psychischen Störungen. Jutta Scharf aus Parchim gibt Tipps zur Bewältigung.

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03. Juni 2015, 14:27 Uhr

„Dauerstress macht krank“. Das sagt Jutta Scharf, Psychotherapeutin in Parchim. Am heutigen Mittwoch um 17 Uhr hält sie im Solitär in der Kreisverwaltung in Parchim einen Vortrag zu Stress und Stressbewältigung. Das Zuhören ist für Interessenten kostenlos.

Die Bewältigung von Stress sei eine Stärke, um in der heutigen Leistungsgesellschaft zu bestehen, sagt Jutta Scharf. Jeder kann theoretisch in die Situation kommen, dass er durch Stress krank wird. Heute habe bereits jeder Fünfte eine behandlungsbedürftige psychologische Störung. Dazu gehören auch Alkoholkranke und Menschen mit Angststörungen.

Stress entsteht oft, wenn Menschen chronisch überbelastet sind. Wobei das, was als Stress wahrgenommen wird, für jeden anders ist. Was der eine ohne Probleme bewältigt, kann dem anderen zum Verhängnis werden.

Erwiesen ist, dass es durch Stress ernsthafte Erkrankungen geben kann. Die Folgen können sich in Angst, Depressionen, Sucht und körperlichen Beschwerden ausdrücken. Sehr häufig kommen Rückenbeschwerden vor. Ursache ist eine Reaktion aus der Menschheitsentwicklung. Auf Gefahr reagieren wir mit Flucht oder Abwehr. Dadurch ist die Muskulatur unter Stress angespannt. Das führt auf Dauer zu Fehlstellungen der Wirbelsäule.

Stress könne sowohl durch Überforderung als auch durch Unterforderung ausgelöst werden, erklärt die Parchimer Psychotherapeutin. Wichtig sei, dass man Frühwarnzeichen erkennt. Dazu gehören z.B. Lustlosigkeit, plan- und ziellose Arbeitsweise, ein „chaotisches Hinterherrennen“. Auch körperliche Zeichen geben Signal: vom Haarausfall bis zu Herzstichen, aber auch bis zum akuten Herzinfarkt.

Gegensteuern können Stressgeplagte, indem sie erkennen: Was mache ich falsch? Gefährdet sind oft Menschen, die alles perfekt machen wollen, die nicht Nein sagen können. „Leute, die meinen, dass sie unfehlbar sein müssen, dass sie 100 bis 120 Prozent geben müssen“, so Jutta Scharf.

Bei den Betroffenen sei es wichtig, die eigene Sicht auf die Belastung neu zu bewerten. „Auch wenn ich eine Aufgabe ablehne, ist es ok“, nennt die Expertin eine wichtig Erkenntnis für Betroffene. Es helfe beispielsweise auch, Pausen besser zu planen. „Ich muss auch Zeit für mich zu planen.“ Faulenzen sei eine ganz wichtige Sache, um herunterfahren. Bewusst müsse man Auszeiten in der täglichen Arbeit planen. Das könne ein Schwatz mit Kollegen sein oder eine Runde ums Haus zu gehen. „Wahrnehmungslenkung“ ist eine andere Methode: Mal weg vom Schreibtisch sehen – ein Bild betrachten oder bewusst einen Augenblick aus dem Fenster schauen.

Die Krankenkassen bieten allgemeine Stressbewältigungskurse an, wo Entspannungstechnologien gelehrt werden, sagt Jutta Scharf. Sie will mit dem heutigen Vortrag zur Stressbewältigung sensibilisieren, „bevor das Kind in den Brunnen fällt“.

Die Veranstaltung um 17 Uhr im Solitär findet im Rahmen der Wochen der Gemeindepsychiatrie im Landkreis Ludwigslust-Parchim statt.

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