Martinimarkt : Jahrmarkt extrem: Der Selbstversuch

Blick aus dem Voodoo Jumper: Ein Spaß für groß und klein.  Fotos: Viviane Offenwanger
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Blick aus dem Voodoo Jumper: Ein Spaß für groß und klein. Fotos: Viviane Offenwanger

Volontärin Viviane Offenwanger traut sich und testet die Attraktionen des größten Jahrmarktes Mecklenburgs

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01. November 2014, 14:52 Uhr

Auch wenn der Martinimarkt in Sachen Jahrmärkte eine wahre Institution zu sein scheint, habe ich ihn gestern zum ersten Mal selbst erlebt. Und das, wo ich doch seit bestimmt zehn Jahren nicht mehr Achterbahn gefahren bin und mich auf dem Rummel eher an die Leckereien halte... Aber mit 25 ist man ja noch jung genug, um in ein paar Stunden die extremsten Fahr- und Laufgeschäfte des Jahrmarktes mitzunehmen, oder?


Auf ins Getümmel


Ein bisschen mulmig ist mir schon, als ich das Festgelände betrete, denn ich weiß ja, was mich heute alles erwartet. Egal ob Mega King Tower, Voodoo Jumper oder Break Dancer, ich werde so viel heute mitnehmen, wie ich kann. Da ist ein wenig Schiss vorprogrammiert. Doch der süße Geruch von gebrannten Mandeln und Mutzen, der über dem Gelände hängt, beruhigt mich. Also denke ich mir: Mach das Extremste gleich am Anfang. Ich steuere also auf The King zu, das Flug-Karussell mit Loops und freiem Fall. Ein paar Mutige begleiten mich auf die Plattform, die meisten aber bleiben noch draußen und schauen erstmal, wie schlimm es wird. Es gibt Abschieds-Winker von den Beteiligten, dann erklingt das Horn und es geht los. Vorerst schaukelnder Weise, dann immer höher und höher, bis wir alle auf dem Kopf stehen. Ab dann beginnt sich auch die Plattform mit unseren Sitzen zu drehen und die wilde Fahrt wird immer besser. Mit einer wahnsinnigen Geschwindigkeit rauschen wir über die Zuschauer hinweg und drehen uns so lange, bis niemand mehr weiß, wo vorne und hinten ist. Da nimmt es einem auch keiner übel, wenn man danach den Ausgang vor lauter Orientierungslosigkeit nicht mehr findet.

Auf etwas wackeligen Beinen denke ich mir also, mich kann nichts mehr schocken und setze mich gleich als nächstes in die Schlossspuk Geisterbahn. Ich gebe zu, ich bin eher der Angsthase, Horrorfilme meide ich aus Prinzip. Daher war wahrscheinlich auch die Geisterbahn nicht meine beste Idee... So viel habe ich schon lange nicht mehr geschrien. Und dann saß direkt neben mir noch ein Fremder, den das alles garnicht juckte. Der hatte mich dann alle zehn Sekunden an seinem Arm kleben. Peinlich. Aber zumindest kann man so neue Kontakte knüpfen und einander etwas näher kommen, oder?

Nach diesem Schreck brauche ich erstmal ein wenig Entspannung. Weiter geht es also zu einem der zahlreichen Laufgeschäfte. Ich habe mir eine klassische Schießbude (HEDT) ausgesucht. Mit so einem Luftgewehr in der Hand fühlt man sich ja schon wieder ganz stark. Getroffen habe ich leider nur vier von meinen fünf Schüssen . Dabei sprang ein kleiner Trostpreis raus. Spaß macht es aber trotzdem! Und wer etwas mehr Kleingeld dabei hat und konzentrierter ist - zu meiner Verteidigung, ich war in Gedanken noch im Gruselkabinett - kann tolle Preise gewinnen.


Für jeden etwas dabei


Weiter geht es zum Breakdancer. An den hatte ich nicht all zu gute Erinnerungen, da ich bei meiner letzten Fahrt - vor gut 8 Jahren - mein Handy verloren habe. Aber kann ja mal passieren, also gebe ich dem Break Dancer eine neue Chance. Und das hat sich gelohnt! Immer wenn man dachte, die Höchstgeschwindigkeit ist erreicht, fuhr das Karussell noch schneller und drehte sich noch wilder. Ich hatte so viel Spaß, dass ich gleich eine zweite Runde dran gehängt habe. Dabei rächte sich aber der panierte Blumenkohl, den ich mir von der Schlemmer Mühle gegönnt hatte. Ganz ehrlich, mir wurde dann doch ziemlich übel. Ist aber alles drin geblieben und ich würde sagen, der Breakdancer ist eher was für die Harten.

Sehr aufregend war auch die Fahrt mit dem höchsten transportablen freien Fall Turm der Welt, dem Mega King Tower. Auf dem Weg die 88 Meter hoch bewundert man noch die Aussicht, aber ist man dann oben fällt einem plötzlich ein, das man ja wieder runter muss. Und das in einem schweren Stahl-Käfig. Da beginnt man doch schonmal über sein bisheriges Leben nachzudenken und was man alles noch erreichen wollte. Da zieht sich die Wartezeit dann immer und immer weiter und plötzlich geht es nach unten! Das Gefühl kann man schwer beschreiben, aber ich denke, wenn ich euch sage, dass ich am Ende ganze vier Mal die Fahrt mitgemacht habe, spricht das für sich. Die Chance auf so eine Fahrt bekommt man eben nicht so häufig.

Auch den Voodoo Jumper habe ich mitgenommen. Von außen sah er noch nicht ganz so spektakulär aus, gebe ich zu. Aber wenn man dann drinnen sitzt, ist der Spaß garantiert! Und das ist etwas, das auch die älteren unter uns mitmachen können. Wirklich, trauen Sie sich. Übrigens, wem die Fahrgeschäfte auf dem Martinimarkt zu extrem sind, dem kann ich empfehlen, schon am ersten Tag um 11 Uhr, vorbei zu schauen. Da gehen die Karussell Betreiber noch etwas vorsichtiger mit Ihnen um.


Genug ist genug


Aber jetzt nochmal etwas Leckeres. Genug vom über Kopf fliegen und freien Fall. Es wird romantisch. Ich gönne mir ein paar mit Schokolade überzogene Erdbeeren vom Schlaraffenland und schlendere Richtung Riesenrad. Ein gebührender Abschluss für diesen Tag. Ich habe längst nicht alles geschafft, was ich wollte, aber man soll ja aufhören, wenn es am Schönsten ist. Ich denke man wird mich von nun an öfter auf Jahrmärkten sehen. Und sicher nicht das letzte Mal auf dem Martinimarkt.


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