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Raupen schaden Eichen : Jagd auf die Fraßgesellschaften

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Raupen einzelner Schmetterlingsarten schädigen Eichenbaumbestände: Kahlfraß und Absterben der Bäume häufen sich

Die Bekämpfung der Frühjahrsfraßgesellschaft aus der Luft hat gestern auf dem Plauer Werder begonnen und wird in den nächsten Tagen über rund 610 Hektar Wald vorgenommen. Betroffen sind die Forstämter Sandhof im Landkreis Ludwigslust-Parchim, Poggendorf im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte und Schuenhagen im Landkreis Vorpommern-Rügen. „Wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht, jetzt mit einem Pflanzenschutzmittel die Fraßgesellschaften an den Eichen zu bekämpfen“, verdeutlicht Heiko Schulz von der Landeswaldschutzmeldestelle MV bei der Landesforst MV. Die Bekämpfung der Schädlinge aus der Luft sei die „Ultima Ratio“, wie Frank Zerbe, Amtsleiter des Forstamtes Sandhof, einwirft. Sein Forstamtsbereich ist ebenfalls stark von der sogenannten Frühjahrsfraßgesellschaft betroffen. Dabei handelt es sich um Raupen, z. B. des Kleinen und Großen Frostspanners oder der Eulenschmetterlinge.

Die letzten Vorbereitungen werden getroffen, der Hubschrauber mit dem Pflanzenschutzmittel betankt – verwendet werden Dipel ES und Dimilin 80 WG. „Es sind Pflanzenschutzmittel, die die Eichen vor dem Absterben schützen sollen. Es sind keine Gifte“, verdeutlicht Dr. Joachim Vietinghoff, Leiter der Abteilung Pflanzenschutzdienst im Landesamt für Landwirtschaft, Lebensmittelsicherheit und Fischerei MV (LALLF). „Die beiden Mittel wirken sehr selektiv: Dimilin verhindert das Häuten der Raupen, sodass sie sich nicht weiterentwickeln können“, erklärt Joachim Vietinghoff weiter. Waldbereiche, in denen die Mittel zum Einsatz kommen, werden abgesperrt, mit Warnschildern versehen. Die Flächen bleiben 48 Stunden nach dem Einsatz gesperrt und in einem Zeitraum von drei Wochen nach dem Ausbringen der Pflanzenschutzmittel ist das Sammeln von Pilzen und Waldfrüchten verboten.

Rund 210 Hektar Wald auf dem Plauer Werder gehört der Familie Blome. Jobst Blome beobachtet seit vielen Jahren, dass es seinen Eichen nicht gut geht. Deshalb habe er jetzt gehandelt – gesetzlich ist er als Privatwaldbesitzer ebenfalls dazu verpflichtet. „Im vergangenen Winter haben wir abgestorbene Eichen fällen müssen“, erzählt er. Diese Entwicklung bestätigt auch die Landesforst, weshalb sie nun zum Hubschraubereinsatz gegriffen hat. „Die Schädlinge haben in den vergangenen Jahren stetig zugenommen und die Eiche stark geschädigt“, erklärt Heiko Schulz. Die Raupen sitzen vor allem in den Kronen der Bäume und richten dort ihren erheblichen Schaden an, indem sie die Blätter abfressen. „Eichen sollten keine Fenster haben, man sollte eigentlich in einem Wald mit Eichen keinen Himmel sehen können“, erläutert auch Sigrid Rach, Sachbearbeiterin Waldschutz im Landwirtschaftsministerium. Doch im Wald von Familie Blome auf dem Plauer Werder – mit hundert Jahre alten Eichen – ist dies vermehrt der Fall. Dieser Wald aber ist für das Land von besonderer Bedeutung, denn die Familie liefere mit ihren Eichen wichtige Saatgutbestände, um weitere Laubbäume zu züchten.

 

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