zur Navigation springen

Keine Massentierhaltung in Matzlow? : Investor warb für Bio-Hähnchenanlage

vom

Eine Informationsveranstaltung zum Neubau einer Bio-Hähnchenmastanlage zwischen Neu Matzlow und Matzlow sollte Aufklärung bringen und Irritationen widerrufen. Zahlreiche Gäste aus der Region nahmen am Gespräch teil.

svz.de von
erstellt am 01.Mär.2012 | 12:12 Uhr

Damm | "Ich habe keine Informationen: Was genau passiert vor meiner Haustür? Was kommt an Beeinträchtigungen auf mich zu?" Mit diesen beiden Fragen sprach Klaus-Dieter Feige als Vorsitzender des Umweltausschusses des Kreistags Ludwigslust-Parchim den Besuchern des Informationsabends zur Hähnchenmastanlage zwischen Neu Matzlow und Matzlow aus der Seele. "Durch Aufklärung wollen wir Ängste nehmen."

In der proppevollen Dammer Gaststätte "Zur Elde" moderierte Feige eine höchst disziplinierte Veranstaltung, wie sie die Bürger der Gemeinden Damm und Lewitzrand lieber schon im Vorfeld der Planung gesehen hätten. "Das hätte früh eine Annäherung zwischen dem Investor und der Bevölkerung erbracht und Konflikte reduziert." Die in Severin ansässige Firma Biogeflügel MV will bis Jahresende an der Landesstraße L 09 auf einer umzäunten Fläche von zehn Hektar zwei Stallgebäude von jeweils 1600 Quadratmetern für die Mast von insgesamt 19 200 Hähnchen errichten.

"Keine Angst - unsere Tiere sollen Damm und Matzlow nicht einnehmen", beschwichtigte Armin Kremer als Investor. Es sei vielmehr die Produktion von Bio-Hähnchen gemäß der EU-Öko-Verordnung geplant. "Wir setzen auf Klasse und nicht auf Masse." Demgemäß werden innerhalb von 81 Tagen pro Quadratmeter zehn Hähnchen gemästet. Für jedes Tier stehe eine Auslauffläche von jeweils vier Quadratmetern zur Verfügung.

"Die Besatzdichte muss Komfort und Wohlbefinden der Tiere gewährleisten." Bei konventionellen Anlagen mit 30 000 Tieren pro Stall sei das Schlachtgewicht bereits nach 30 bis 40 Tagen erreicht "und es gibt dort keinen Auslauf". Laut Kremer herrscht eine große Nachfrage nach Qualitätsgeflügel. Deshalb werde auch versucht, den Einsatz von Antibiotika zu vermeiden. "Wir sind stolz darauf, sogar Hipp beliefern zu dürfen." Es sei eigens eine Biogeflügel GmbH mit Sitz in Matzlow gegründet worden, weshalb die Gemeinde Lewitzrand mit Steuereinnahmen rechnen dürfe. Planungsingenieur Jörn Berger (Rostock) verwies darauf, dass sich innerhalb eines Radius von 800 Metern keine Wohnbebauung befindet. Für die allgemein befürchtete Geruchsbelästigung hatte er die Daten konventioneller Anlagen zugrunde gelegt und war von einer bodennahen Geruchsquelle ohne jegliche Verdünnung ausgegangen. Im Abstand von 225 Metern liege selbst bei diesem äußerst ungünstigen Szenario eine Geruchsbelästigung mit einer Häufigkeit pro Jahresstunde bei lediglich zwei Prozent "und ist deshalb irrelevant". Mit Ammoniak in einer Konzentration von einem Mikrogramm pro Kubikmeter sei im Abstand von 118 Metern zu rechnen, mit drei Mikrogramm pro Kubikmeter bei 72 Meter. Die Lärmbelastung schätzt Berger nach überschlägiger Berechnung auf einen Wert von maximal 20 Dezibel und sei deshalb zu vernachlässigen. Die Versiegelung der Landschaft werde durch die Anpflanzung von Gehölzen kompensiert.

Laut Investor Armin Kremer fallen bei den vier bis fünf Ausstallungen jeweils acht Tonnen Hühnerkot pro Jahr und Stall an. Der Dung werde zentral in Zieslübbe gesammelt und dann auf Felder ausgebracht, wo Hühnerfutter produziert werde. "Wir streben einen abfalllosen Kreislauf an."

Die Planunterlagen hatten in der Gemeindevertretung Lewitzrand am 23. November vergangenen Jahres für Irritationen gesorgt, waren sie doch mit der Ortsbezeichnung Frauenmark versehen, wo Biogeflügel MV bereits eine identische Mastanlage betreibt. Wegen dieses Formfehlers wurde das gemeindliche Einvernehmen verweigert, aber durch eine positive Stellungnahme seitens des Fachdienstes Bauordnung bei der Kreisverwaltung ersetzt. Da alle notwendigen Unterlagen beigebracht waren, alle Berechnungen Werte weit unterhalb der gesetzlichen Grenzen ergaben und erst ab einer Mastanlage mit 85 000 Tieren eine Umweltverträglichkeitsprüfung vorgeschrieben sei, habe es laut Fachdienstleiter Andreas Wißuwa keinerlei Ermessensspielraum gegeben. "Das Vorhaben war gemäß Paragraf 35 des Baugesetzbuches als privilegierter Bau im Außenbereich zu genehmigen." Deshalb seien auch weder Vertreter öffentlicher Belange von Amts wegen zu beteiligen gewesen, noch habe es eine Pflicht zur Abstimmung mit der Nachbargemeinde Damm gegeben. Gegen die Mastanlage sind laut Wißuwa zwei Widerspruchsverfahren anhängig. Die geänderten Pläne mit eindeutigem Bezug zu Matzlow lagen laut Bürgermeister Wolfgang Hilpert dann Anfang Dezember dem Bauausschuss und am 23. Februar im Rahmen einer Dringlichkeitssitzung dem Hauptausschuss der Gemeindevertretung vor. Michael Rippel als Vertreter des Landwirtschaftsministeriums verwies auf die Koalitionsvereinbarung zwischen SPD und CDU, demgemäß die Massentierhaltung einzudämmen sei. "Eine Anlage dieser Größenordnung ist nicht untragbar."

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen