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Parchimer Zeitung

24. September 2017 | 01:45 Uhr

Porträt : In Parchim angekommen

vom
Aus der Redaktion der Parchimer Zeitung

Der Syrer Firas Moharram, der ein Theaterstück schrieb, über Flucht, Integration und Zukunftswünsche

Wenn Firas Moharram an sein Heimatland Syrien denkt, dann erinnert er sich an ein Land voller Schönheit, Kultur und fröhlicher Menschen, aber vor allem an ein vom Krieg zerstörtes Land, an die vielen Opfer und die Menschen auf der Flucht. „Ich bin nicht nur traurig, dass Städte zerstört sind, sondern, dass so viele Menschen ums Leben gekommen sind, viele Generationen verloren sind“, so Firas Moharram.

1990 wurde er in der Nähe von Damaskus geboren, dort besuchte er Grundschule und Gymnasium und studierte von 2009 bis 2014, bis kurz vor dem Abschluss, an der Universität Damaskus Pädagogik. Französischlehrer wollte er werden und will es immer noch, wie er sagt.

„Damals an der Uni, halfen auch wir Flüchtlingen, die aus den zerstörten Regionen um Damaskus ins Zentrum der syrischen Hauptstadt kamen. Sie lebten in Schulen und in der Universität, und wir versorgten sie mit Lebensmitteln und halfen bei der Wohnungssuche“, erinnert sich der junge Mann.


„Ja zum Leben“ heißt sein Theaterstück


Kurz darauf wurde er selbst zum Flüchtling, verließ sein Land im Januar 2015 in Richtung Türkei. Dort verdingte er sich ein Dreivierteljahr als Tischler, um Geld für die weitere Flucht zu verdienen. Mit seinem Lohn und etwas Geld, das ihm ein Freund geliehen hatte, machte er sich auf den gefährlichen Weg Richtung Deutschland. Von der Türkei ging es mit dem Boot übers Mittelmeer zu einer kleinen griechischen Insel und von dort aus nach Athen. Abwechselnd zu Fuß oder mit dem Bus und hauptsächlich nachts, führte Firas Moharrams Weg über Mazedonien, Serbien, über die Ukraine bis zur ungarische Grenze. Von Ungarn ging es mit dem Zug weiter zur österreichischen Grenze und anschließend nach Wien.

Nach rund zwei Wochen erreichte er endlich Deutschland, landete in Hamburg und wurde weitergeleitet nach Horst bei Boizenburg. Nach kurzen Aufenthalten in Heidhof und anschließend noch einmal in Horst, wurde die Parchimer Tennishalle sein Quartier. Doch schon nach sechs Wochen konnte er mit mehreren Geflüchteten eine Wohnung in der Geschwister-Scholl-Straße beziehen. Mittlerweile lebt Firas Moharram allein in einer kleinen Wohnung im Zentrum der Kreisstadt.

„Anfangs war ich schon traurig, dass ich meine Heimat verlassen musste, aber inzwischen kann ich sagen, dass ich angekommen bin.“ Er fühle sich wohl hier, sagt Firas, gut aufgenommen von den Menschen, die er als sehr nett und hilfsbereit beschreibt. „Wir Flüchtlinge müssen unseren Willen zur Integration zeigen, uns bemühen und gut sein für dieses Land“, drückt er aus, was ihn bewegt und, dass er etwas an Deutschland und die Menschen zurückgeben möchte. Und das tut er mit viel Engagement. Er lernt Deutsch, um nach dem erworbenen B1-Zertifikat, das für sein Studium so wichtige C3-Zertifikat zu bekommen, er hält Vorträge über sein Land, wie es vor dem Krieg aussah und was heute dort passiert und er absolvierte Praktika in einer Parchimer Kita-Einrichtung und dem Eldenburg-Gymnasium in Lübz.

Dort reifte in ihm auch die Idee zu einem Theaterstück, das über Syrien erzählt und damit ein besseres Verständnis für das Land und seine Geschichte schaffen soll (wir berichteten). „Ja zum Leben“ lautet der Titel, den er so erklärt: „Die Menschen in Syrien haben eine so traurige Geschichte, aber trotz allem, was uns passiert, muss und soll das Leben weiter gehen.“ Gemeinsam mit den Lehrerinnen Angela Roloff und Maria Hansekowski, die auch die Regie übernahmen, hat er das Stück entwickelt und mit den Schülern in Szene gesetzt. Gestern wurde es im Atrium des Lübzer Gymnasiums aufgeführt. Firas Moharram ist aufgeregt, denn es ist das erste Mal in seinem Leben, dass er auf einer Theaterbühne steht.

Ein kleiner Vorgeschmack auf seinen Beruf als Lehrer ist es allemal, denn sein großes Ziel ist es, sein Studium für Französisch und Sozialkunde an einer deutschen Uni zu beenden. Er lernt weiter fleißig Deutsch, das er mittlerweile fast fließend spricht. Und er hofft auf kompetente Hilfe von Menschen, die sich mit dem großen Thema Universität und Geflüchtete auskennen, vielleicht sogar direkt von entsprechenden Einrichtungen.


Er pendelt nach Ludwigslust zur Arbeit


Ein weiterer Wunsch des 27-Jährigen wäre es, seine Familie sehen zu können, seine Eltern und Brüder leben mittlerweile in der Türkei. Er habe zwar einen Aufenthaltstitel für Deutschland, das heißt für die nächsten Jahre ist sein Leben hier gesichert, aber die Möglichkeit in die Türkei zur reisen, hat er damit nicht. Auch dabei ist er auf Hilfe von außen angewiesen. Und in die Politik zieht es Firas Moharram, der inzwischen eine Arbeit in Ludwigslust gefunden hat und täglich pendelt. „Ich würde gern irgendwann mal Politiker werden, im Rahmen meiner Möglichkeiten“, blickt der Syrer in die Zukunft und mit so viel Elan, wie er bisher an all seine Vorhaben heran gegangen ist, wird ihm auch das sicher eines Tages gelingen.

Gabriele Knües
 

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