Feuerwehr : Im Notfall bleiben die Pieper stumm

Bei Löscheinsätzen wie hier in Weisin zählt jede Sekunde, aber mit der digitalen Alarmierung gibt es in einzelnen Regionen des Landkreises Probleme.
Bei Löscheinsätzen wie hier in Weisin zählt jede Sekunde, aber mit der digitalen Alarmierung gibt es in einzelnen Regionen des Landkreises Probleme.

Digitale Meldeempfänger der Feuerwehren alarmieren seit drei Jahren in einigen Regionen im Landkreis LUP nicht

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04. September 2015, 06:30 Uhr

„Mal gehen sie, mal gehen sie nicht, die digitalen Meldeempfänger (DME)“, klagen immer wieder Kameraden von Freiwilligen Feuerwehren im Landkreis. Vor allem in Parchim häufen sich Beschwerden und das seit der Einführung der digitalen Alarmierung vor rund drei Jahren. Im Mai schlugen die Geräte bei 13 der 45 Kameraden nicht an.

Auf der Kreistagssitzung am 16. Juli 2015 befasste sich auf Antrag der CDU-Fraktion sogar schon der Kreistag mit dem Thema. Ergebnis: Der Landrat bekam den Auftrag, „die entsprechenden Ursachen und Möglichkeiten der Behebung gemeinsam mit dem Kreisfeuerwehrverband ergründen zu lassen“. Mittlerweile landete das Thema auf dem Tisch des Kreistagsausschusses für Ordnung und Sicherheit. Im Jahr 2012 wurde eine Antenne ausgetauscht, im Jahr 2013 ein Sende-Empfangsteil in der Kreisstadt. Entsprechende Pegelmessungen hätten anschließend keinerlei Beanstandungen mehr ergeben. Das Protokoll des Ausschusses listet die Maßnahmen gegen die stummen Pieper auf: „An mehreren Dienstabenden in den Jahren 2013 und 2014 gab es Testalarmierungen im Beisein von Mitarbeitern des Fachdienstes im Gerätehaus und im umliegenden Kreisstadtgebiet. Ergebnis: Keinerlei Beanstandungen… ein Fehlverhalten des Alarmierungssystems konnte nicht nachgewiesen werden.“

Landrat Rolf Christiansen betonte vor dem Kreistag: „Der Brandschutz im Landkreis ist gewährleistet. Es hat umfangreiche technische Messungen gegeben.“ Außerdem verweist der Kreis darauf, dass „die Stadt Parchim als einzige Ordnungsbehörde ihre Sirenen eigenmächtig abgebaut“ habe. Dazu war aus der Stadtverwaltung zu erfahren, dass die Sirenen Anfang der 90er Jahre auf Beschluss der Stadtvertretung abgebaut wurden. Zu kostenintensiv seien sie und eigentlich für die Alarmierung der Bevölkerung gedacht, hieß es damals.

Behördenmühlen mahlen langsam: Jetzt plant der Kreis, ein einheitliches Formblatt zu erstellen. Darauf sollen die Wehrführer bis Ende August Probleme bei der digitalen Alarmierung melden. Bislang ist das Erfassungsblatt aber noch nicht bei allen Wehren angekommen.

Zweifel an den Testalarmierungen gibt es: Parchims Stadtwehrführer Bernd Schröder erklärte auf Nachfrage, dass etliche Messungen direkt von seinem Büro im Gerätehaus stattfanden – nur wenige hundert Meter von der Sendeantenne auf dem Krankenhausdach entfernt. Am 30. Mai teilten ihm 13 Kameraden mit, dass ihre Pieper nicht funktioniert hätten. Am 8. August waren es acht und am 21. August bei einem nächtlichen Alarm lösten vier nicht aus. Von den 60 Piepern, die der Parchimer Wehr übergeben wurden, befinden sich etwa 40 bis 45 bei den Kameraden. „Das kuriose ist, dass es nicht immer die selben Geräte sind, die nicht funktionieren. Es sind unterschiedliche Kameraden und unterschiedliche Orte, an denen man sich aufhält“, sagt Schröder. Auf den inoffiziellen Hinweis, man alarmiere ja auch mit dem Mobiltelefon per SMS oder WhatsApp, heißt es, dass dies eine „private“ Sache der Ämter und Wehrführungen sei. Eine offizielle Alarmierung über die Integrierte Leitstelle Westmecklenburg mit Sitz in Schwerin ist das nicht. „Wir haben auch nur die regulären Pieper“, betont Schröder. Das Problem ist nicht auf Parchim begrenzt. So gab es Ausfälle von Piepern in Crivitz, im Amt Parchimer Umland, im Amt Plau und auch im Amt Eldenburg Lübz wurden bereits Ausfälle registriert. Die Folge ist, dass Kameraden erst per Telefon nachalarmiert werden müssen – das kostet wertvolle Zeit.

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