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Schutz vor Betrügern : Im Einsatz gegen Trickdiebe & Co

vom
Aus der Redaktion der Parchimer Zeitung

Seniorensicherheitsberater statten ältere Generation kostenlos mit Tipps aus

von
erstellt am 06.Jan.2017 | 17:24 Uhr

Ein Leben lang eisern gespart, innerhalb von Sekunden alles verloren: Eine 65-jährige Frau aus Schwaan wurde von einem vermeintlichen Schwager um 12 000 Euro geprellt. In Schwerin überreichte ein 81-Jähriger einem Mann, der sich am Telefon als Rechtsanwalt ausgegeben hatte, an der Haustür 25 000 Euro in bar. In Rostock verlor eine betagte Dame ebenfalls auf einen Schlag eine fünfstellige Summe. Besonders mies: Eigentlich hatte die 83-Jährige der angeblichen Schwiegertochter am Telefon bereits eine deutliche Abfuhr erteilt. Doch kurz darauf klingelte es wieder. Diesmal gab sich die Ganovin als Beamtin der Kriminalpolizei aus, die angeblich das vorherige Gespräch mitgehört hätte. Mit einem unglaublichen Lügenkonstrukt brachte sie die ursprünglich misstrauische Seniorin tatsächlich dazu, 25 000 Euro an einen männlichen Boten zu übergeben.

Wenn Bernd Fritsch von Fällen wie diesen hört, geht ihm regelrecht die Hutschnur hoch. „Es wurmt mich wahnsinnig, wie skrupellos und perfide die Ganoven zu Werke gehen.“ Und das wiederum sei ihm Motivation, durch Aufklärung dazu beizutragen, Enkeltrickbetrügern & Co das Handwerk zu legen.

Bernd Fritsch ist einer von derzeit 21 pensionierten Polizeibeamten, die ehrenamtlich in Mecklenburg-Vorpommern als Seniorensicherheitsberater im Einsatz sind. Im Januar 2014 gehörte er zu denen, die dieses Präventionsprojekt mit aus der Taufe hoben, moderierte damals sogar die Auftaktveranstaltung in Schwerin. Initiiert wurde es vom Landesseniorenbeirat und vom Landeskriminalamt, inzwischen sind auch die beiden Polizeipräsidien mit im Boot. Gemeinsames Anliegen ist es, Senioren auf Augenhöhe einfache Hinweise zu geben, wie sie sich selbst besser vor Straftaten schützen können. Etwa Dreiviertel der Opfer von Trickbetrügern sind älter als 75 Jahre, weiß Bernd Fritsch.

Inzwischen haben die Seniorensicherheitsberater landesweit in 265 Veranstaltungen etwa 6760 Senioren für das Thema sensibilisieren können. Spezialisiert sind die Berater insbesondere auf die Themen Enkeltrick, Gewinnversprechen, Haustürgeschäfte, Einbruchsschutz, Gefahren im Internet und Straßenraub. Allein in den zurückliegenden zwölf Monaten erreichten die Experten in 142 Veranstaltungen 3009 interessierte Zuhörer. Im Landkreis Ludwigslust-Parchim fanden im vergangenen Jahr insgesamt 14 solcher Themennachmittage statt. Bernd Fritsch selbst hat seit dem Start des Projektes 20 Präventionsveranstaltungen moderiert und möchte auch 2017 gern wieder seine Freizeit für diese wichtige Sache zur Verfügung stellen. „Nehmen Sie uns in Anspruch“, ermuntert Bernd Fritsch auch im Namen der anderen Seniorensicherheitsberater Interessengruppen, Seniorenvereine und -einrichtungen ausdrücklich, von dem kostenlosen Angebot rege Gebrauch zu machen. Interessenten aus der Region, die sich einen Experten einladen möchten, können sich an den Kriminalitätspräventionsrat des Landkreises Ludwigslust-Parchim wenden. Ansprechpartnerin ist Anett Nuklies. Erreichbar ist sie unter Telefon 03871/722 1605.

Dass Bernd Fritsch jetzt auch immer häufiger von „Fällen“ hört, in denen falsche Enkel und Schwiegertöchter, vermeintliche Polizisten oder Staatsanwälte bzw. kriminelle Glücksboten resolut von ihren potenziellen Opfern am Telefon oder an der Haustür abserviert wurden, stimmt den Experten zuversichtlich. „Prävention zahlt sich auf lange Sicht aus. Unsere Arbeit hat Erfolg“, freut sich der Seniorensicherheitsberater.
 

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