Ehrenamtsmesse in Parchim : Im Ehrenamt Stück Heimat schaffen

Das „proVie-Theater“ aus Hohenbüssow machte es zum Auftakt der Messe in Parchim vor: Ehrenamt funktioniert am Besten im Einklang. Fotos: Wolfried Pätzold
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Das „proVie-Theater“ aus Hohenbüssow machte es zum Auftakt der Messe in Parchim vor: Ehrenamt funktioniert am Besten im Einklang. Fotos: Wolfried Pätzold

Ausstellerrekord auf der elften Ehrenamtsmesse in Parchim. Politik sichert Unterstützung zu. 1300 Besucher im Haus der Jugend

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18. Februar 2018, 21:00 Uhr

„Auf den Hund gekommen“, und das im besten Sinne des Wortes, sind Ilona Bartels und Thomas Hansen. Als Vertreter des Vereins „Assistenzhunde“, der in Zülow bei Sternberg zu Hause ist, sind sie nicht zum ersten Mal bei einer Ehrenamtsmesse dabei. „Viele können mit dem Begriff Assistenzhund nicht viel anfangen. Das lässt sich im persönlichen Gespräch am besten klären“, meinen sie. Vierbeiner können einem Behinderten ausgefallene Sinnes- oder Körperfunktionen ersetzen oder zumindest ausgleichen, ist zu erfahren. Dass aus Interesse, konkretes ehrenamtliches Engagement wird, sei allerdings eher selten, stellt Ilona Bartels ernüchternd klar. Und damit macht sie die Erfahrung, die auch andere der 45 Aussteller der elften Ehrenamtsmesse des Landes am Sonnabend auf der diesjährigen Auftaktveranstaltung in Parchim machen mussten. 1300 Besucher, so die Veranstalter, haben sich umgesehen, Gespräche geführt und sich mit reichlich vorhandenem Informations-Material eingedeckt. Ob daraus womöglich eine Mitgliedschaft in einem der vorgestellten Vereine oder bei der Feuerwehr, dem DRK, ASB oder Technischen Hilfswerk wird, muss sich in den kommenden Monaten erst noch zeigen.

Wie sehr das Thema „Ehrenamt“ in den Fokus der Gesellschaft gerückt ist, wurde auch durch die Teilnahme der Politiker von EU-, Bundes-, über Landes- bis Landkreisebene deutlich. „Im Ehrenamt können wir uns ein Stück Heimat schaffen“, machte Werner Kuhn, EU-Abgeordneter und Präsident des DRK-Landesverbandes zur Eröffnung Mut. Parchims Bürgermeister Dirk Flörke erneuerte sein Versprechen, dass die Kreisstadt für Ehrenamtler ein verlässlicher Partner bleibt.

Messechef und Koordinator Ehrenamt bei DRK, Michael Krüger, war von der Rekordbeteiligung überwältigt. Und da lag auch das Problem, die Räume im Haus der Jugend waren für eine solche Veranstaltung einfach zu klein.

Kommentar “Der Schein trügt“ von Wolfried Pätzold

Was für ein schönes Bild. Die 11. Ehrenamtsmesse hat eindrucksvoll gezeigt, was Engagierte auf die Beine stellen. Doch der Schein trügt. Nicht vor Ort waren der Chor, dem die Sängerinnen und Sänger fehlen, der Karnevalsverein, der die Segel streichen muss, die Dorffeuerwehr, die Nachwuchs krampfhaft sucht, oder die Gemeindevertretung, die schon jetzt Angst hat, im kommenden Jahr zur nächsten Kommunalwahl genügend Bewerber zu gewinnen. Umso wichtiger bleibt, dass Politik und Gesellschaft an einem Strang ziehen, um das Ehrenamt attraktiv zu machen. Sollte die Ehrenamtscard scheitern, wäre dies ein fatales Zeichen.
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