Parchim : Im Ehrenamt Pingels Erbe bewahrt

Gerda und Hermann Freude blicken auf 60 Jahre Ehe und ein erfülltes Leben in Domsühl zurück.
Gerda und Hermann Freude blicken auf 60 Jahre Ehe und ein erfülltes Leben in Domsühl zurück.

Ehrennadel des Landes für Hermann Freude. Langjähriges Engagement im Förderverein gewürdigt. Erfahrungsschatz unverzichtbar

23-11367994_23-66110653_1416398816.JPG von
12. Dezember 2017, 21:00 Uhr

Es war für Gerda und Hermann Freude ein ganz besonderer Moment. Im Goldenen Saal des Neustädtischen Palais waren sie zusammen mit mehr als hundert Frauen und Männern aus dem ganzen Land zu Besuch bei Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD). Alle Gäste, jung oder älter, einte eins: Sie sind seit vielen Jahren unentgeltlich tätig, engagieren sich für Mitbürger, das soziale Leben oder das kulturelle Erbe. Dafür erhielten 62 von ihnen, darunter Hermann Freude aus Domsühl, die Ehrennadel des Landes. „Es macht schon ein wenig stolz, wenn die Ministerpräsidentin die eigene Arbeit würdigt“, sagt der 82-Jährige, der als bescheidener Zeitgenosse gilt.

„Als es darum ging, Vorschläge für die Auszeichnung von verdienstvollen Mitbürgern zu unterbreiten, fiel uns die Wahl nicht schwer. Hermann Freude ist nicht nur einer der geistigen Väter des Erhalts unseres Pingelhofes, sondern war viele Jahre in unserer Gemeinde ehrenamtlicher Bürgermeister, Vorsitzender des Pingelhoffördervereins und hilft uns weiterhin nach Kräften“, meint Bürgermeister Hans-Werner Beck. Umso mehr hat er sich gefreut, als die Einladung der Landesregierung im Dorf eintraf.

Mitte der 80er Jahre waren Kulturbundfreunde während einer Exkursion durchs Parchimer Land auf den verlassenen Pingelhof aufmerksam geworden. Im Juli 1987 holten die ehrenamtlichen und beruflichen Denkmalpfleger die landwirtschaftlichen Genossenschaften mit ihren damaligen Vorsitzenden Hans Knießer und Hermann Freude mit ins Boot.

„Die Idee, den Hof als Museum zu erhalten und auch eine kleine Gaststätte zu etablieren, fand nicht nur Zustimmung. Mancher hätte ihn lieber zugeschoben“, erinnert sich Hermann Freude. Es war die Sorge, dass es nicht gelingen könnte, Materialien aufzutreiben. „Mitten im Winter sind wir mit einem ganzen Bus voll Genossenschaftsbauern zum Barniner See gefahren, um dort rund 15 000 Bunde Rohr für das Dach zu werben. Den Dachdecker hat uns schließlich die Denkmalbehörde geschickt“, erzählt Hermann Freude. Zu den Helfern, die stets zur Stelle waren gehörten Hermann und Fritz Lemcke, Fritz Pingel und Günter Prüßing. Auch die Baubrigaden der Genossenschaften waren tüchtig mit eingespannt. Das Unglaubliche wurde geschafft. Pünktlich zum 40. Jahrestag der DDR war das Museum fertig.

Nach der Wende ging es mit dem Hof aufwärts. Zu besten Zeiten kamen jährlich mehr als 10 000 Besucher. Doch die Sorge, dass die Gemeinde das Museum nicht auf Dauer erhalten kann, nahm stetig zu. Hermann Freude scharte Gleichgesinnte um sich, gründete einen Förderverein und übernahm auch den Vorsitz. Die Stunden, die er zusammen mit den Vereinsmitgliedern auf dem inzwischen mehr als 400 Jahre alten Hof verbracht hat, lassen sich nicht zählen. „Alle Mühen haben sich gelohnt. Es macht Spaß, sich einer sinnvollen Aufgabe nach Kräften zu widmen. Das werde ich fortsetzen, so lange ich kann“, ist dem 82-Jährigen wichtig. Hermann Freude, der in Domsühl geboren wurde, hat, wie er betont, eine starke Frau an seiner Seite. Gerda Freude stammt aus Ostpreußen und hat in Mecklenburg ihre neue Heimat gefunden. Da ließ sie sich nicht lange bitten, als auf dem Pingelhof Helfer für das Binden der Erntekrone benötigt wurden. In dieser Woche freuen sich beide auf die große Feier zu ihrer Diamanthochzeit.

Darum geht's im MEDIENPROJEKT von SVZ und NNN

Etwa 65.000 Schüler und Lehrer allein in unserem Verbreitungsgebiet erhalten in einem gemeinsamen Projekt der Zeitungsverlage und des MV-Bildungsministeriums bis zum Jahresende kostenlosen Zugang zu den Newsportalen. Fragen Sie an den Einrichtungen ihrer Kinder nach den Bedingungen und Login-Daten, die Sie auch in der Familie nutzen können.
Was bewegt die Schüler ab Klasse 5 bis hinauf in die Gymnasien und Berufsschulen unseres Landes? Was passiert in ihrem Umfeld, in Deutschland und der Welt? Wie können seriöse Nachrichten von Fake News unterschieden werden?
Die Schweriner Volkszeitung und die Norddeutschen Neuesten Nachrichten bieten den Schülern die aktuellsten Berichte, liefern in einem speziellen Dossierbereich "Diskussionsstoff" für den Unterricht und möchten mit ihnen in Austausch kommen.
 
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen