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Fusionsverhandlungen : Hütte brennt, löschen zwecklos

vom
Aus der Redaktion der Parchimer Zeitung

Spitze des Kreisfeuerwehrverbands Parchim „kapituliert“ und beteiligt sich nicht mehr an Fusionsverhandlungen

von
erstellt am 04.Apr.2014 | 20:52 Uhr

Paukenschlag aus Parchim: Nachdem der Ludwigsluster Kreisfeuerwehrverband die Weichen für eine Fusion mit den Parchimern gestellt hat (wir berichteten), eine Parität der Gründungsversammlung aber ablehnte, „kapituliert“ jetzt die Parchimer Spitze und zieht sich aus den Vorbereitungen zurück. Kreisverwaltung und „eine Parteifraktion“ werden von den Blauröcken für den Scherbenhaufen verantwortlich gemacht.

Die Mehrheit der Führung des Parchimer Verbands um den Vorsitzenden Dietmar Arendt und die gewählte Verhandlungsgruppe hätten erkannt, „dass die Übermacht an Stimmen des Kreisfeuerwehrverbands (KFV) Ludwigslust uns kaum eine Chance der Einflussnahme auf die Abstimmungen in der Gründungsversammlung einräumt“. In einem Brief an alle Mitglieder des KFV Parchim begründet der Vorsitzende die Kapitulation: „Um nicht noch mehr persönliche Energie zu vergeuden, hat die Mehrheit unseres Vorstandes so entschieden.“ Die Verbandsversammlung in Ludwigslust habe gezeigt, „dass man zu keinen Kompromissen uns gegenüber bereit ist“. Mit unserer Zeitung mochte Dietmar Arendt aus persönlichen Gründen nicht mehr über die Sache reden.

Die Versammlung am vergangenen Wochenende mag der letzte Funken gewesen sein, der die explosive Mischung aus persönlich empfundenen Herabsetzungen und gefühlten Provokationen entzündet hat. Bereits im April 2013 hatte der mit 81,1 Prozent der Stimmen wiedergewählte Parchimer Verbandsvorsitzende Dietmar Arendt Landrat Rolf Christiansen (SPD), der Druck in Sachen Fusion machte, ins Stammbuch geschrieben, dass „in einer Demokratie keine Verwaltung, sondern die Mitglieder des Parchimer Verbandes entscheiden“. Im Juni strich der Kreis dann prompt Arendts Aufwandsentschädigung. Begründung: Es solle nur einen Wehrführer pro Kreis geben – eine umstrittene Haltung. Der Kreistag stimmte danach einem Antrag der Linken und der CDU zu, dem Parchimer Feuerwehr-Verbandsführer bis zur Fusion beider Verbände eine Aufwandsentschädigung zu zahlen. Landrat Rolf Christiansen sah allerdings darin die „Aufforderung zu rechtswidrigem Verhalten“ und legte umgehend Einspruch ein. Im September versuchte der Kreis dann einen Kompromiss: Bis zur Fusion sollten der Parchimer und der Ludwigsluster Verbandschef als Berater über Honorarverträge entlohnt werden.

Schon damals kritisierten Linke und CDU das Management der Verwaltung und sahen einen Schaden für das Ehrenamt. Auch der langjährige Landesbrandmeister Rolf Schoman scheiterte bisher als Vermittler am Hauptknackpunkt, der Augenhöhe. Weil Ludwigslust 153 Wehren, Parchim aber unter hundert zählt, sehen die Parchimer keine Chance, eine Mehrheit für ihre Vorstellungen zu finden.

Allerdings tritt neben Dietmar Arendt auch der Ludwigsluster Verbandschef Heiko Dübel nicht mehr für den Vorsitz des großen Kreisfeuerwehrverbands Ludwigslust-Parchim an. Dem Hörensagen nach gibt es bisher nur einen Kandidaten für das Amt – und der kommt aus dem Altkreis Parchim. Wolfgang Schmülling, 1. Stellvertreter des Landrats, appellierte gestern an alle Feuerwehren, von ihrem Stimmrecht bei der Gründungsversammlung Gebrauch zu machen und jetzt „vernünftig nach vorne zu gucken“. Schmülling bestritt auch das Gerücht, die Feuerwehrtechnische Zentrale in Dargelütz werde geschlossen: „Wir brauchen bei dieser Kreisgröße beide Einrichtungen in Dargelütz und Walsmühlen.“

Kommentar von Udo Mitzlaff

Wer löscht denn nun?
Eigentlich sind sie alle feine Kerle und Frauen, unsere Feuerwehrleute. Als ich noch in den Gemeinden des Schweriner Umlands als Redakteur unterwegs war, lernte ich die Begegnungen mit ihnen schätzen, egal zu welchem Kreis sie nun gehören. Wer einen ganz großen Teil seiner Freizeit für die Mitmenschen opfert, hält zusammen. Die Spaltung, die wir jetzt erleben, hat eine Hauptursache, nämlich das Versagen des Integrationswillens auch in der Politik. Unbequeme Feuerwehrbosse wegzubeißen, mag für den Moment ein tolles Gefühl sein. Es wird nicht lange dauern, dann dürfte aber die blanke Angst obsiegen. Ein aufrechter Kämpfer ist zwar besiegt, aber der Preis ist zu hoch. Wer hält jetzt den Laden zusammen? Wer löscht, wenn Ehrenamtliche hinschmeißen? Der Neue – auch wenn er aus der Region Parchim kommt – hat eine schwere Aufgabe vor sich.

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