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Parchimer Zeitung

18. November 2017 | 13:22 Uhr

Dobbertin : Horst Tober, ein Vorkämpfer

vom
Aus der Redaktion der Parchimer Zeitung

Gelebter Traum vom Altwerden auf dem Land: Ein Dobbertiner initiierte das Pilotprojekt „Dorf im Dorf“

svz.de von
erstellt am 29.Jul.2017 | 05:00 Uhr

Dobbertin ist ein lebenswerter Ort, das sagt Horst Tober aus voller Überzeugung. Für zwölf Jahre war er Bürgermeister der Gemeinde am Dobbertiner See. „Ich habe in meinem ganzen Leben nicht so viel bewegen können“, blickt der Rentner auf diese Zeit zurück. Einst zog es ihn und seine Frau aus der Stadt aufs Land. Schließlich lebte Tober für dreißig Jahre in der heutigen Landeshauptstadt.

In Kleesten kaufte er dann ein Haus. Vorerst nutzte das Paar es viele Jahre als Wochenenddomizil. Das Landleben hätte ihn bereits zu DDR-Zeiten fasziniert, erzählt der naturverbundene 80-Jährige. Insbesondere die „reizvolle Landschaft“ und der historische Ort Dobbertin zogen den ehemaligen Gemeindevorstand an. In dem kleinen Ortsteil Kleesten gibt es wenige Häuser, ansonsten Wasser und Wald.

Tober meint, schöner könne man gar nicht leben. „In der Natur kommt es zu Erlebnissen, die man sein Leben lang nicht vergisst“, schwärmt der Mecklenburger, der zuletzt als Privatdozent für Tourismus in Frankfurt am Main arbeitete. Dort bildete er nach dem Mauerfall die ersten Reiseverkaufsleute für den Nordosten aus.

In dem geschichtsträchtigen Ort Dobbertin schrieb der studierte Lehrer schließlich selbst Geschichte. Tober initiierte ehrenamtlich das Musterprojekt „Dorf im Dorf“ – mit dem nicht ganz uneigennützigen Ziel, älteren Menschen ein selbstbestimmtes Leben auf dem Land zu ermöglichen. Die Grundidee: alters- und behindertengerechtes Wohnen soll mit der nötigen Infrastruktur auch im Dorf realisierbar sein. Dass Menschen im Alter wegziehen müssen, weil das Umfeld nicht zu ihren Bedürfnissen passt, wollte der ambitionierte Ex-Bürgermeister mit der vom Land geförderten Initiative vermeiden.

„Viele haben hier ihre Arbeitskraft gelassen, daher soll es für sie auch weiterhin vor Ort die Chance geben, ein eigenverantwortliches Leben zu führen“, berichtet Tober über das Projekt, für das er nach wie vor Ansprechpartner ist. Das Thema „Demografischer Wandel“ beschäftigt ihn und die mediale Diskussion vor ein paar Jahren darüber sei nicht an ihm vorbeigegangen. Schließlich seien gut ein Viertel der Bewohner des Klosterdorfes über 60 Jahre alt, in ein paar Jahren seien es dann die Hälfte. Tober selbst ist achtzig und davon überzeugt, an einem bestimmten Punkt in seinem Leben möchte er auch im „Dorf im Dorf“ leben.

Unter diesem Titel ist ein Wohnprojekt entstanden, dass nach Tobers Aussage einmalig in Deutschland sei und Lösungen für die Alltagsprobleme von älteren Menschen anbietet. In ebenerdigen, bezahlbaren Neubauten können sie solange wie möglich in den „eigenen vier Wänden“ wohnen. Dazu brauchte es eine altersgerechte Infrastruktur, sozusagen eine Rundumversorgung, die im Zuge der Projektrealisierung nach und nach geschaffen wurde. Auch eine Medizinerin für die Arztstation wurde nun mit ins Boot geholt. Für das „Dorf im Dorf“ beschritt der Rentner einen Weg mit vielen Hürden. Es kostete ihn viel Kraft und Mut, gibt er rückblickend zu. „Es ist nie das Werk eines Einzelnen. Nur in der Gemeinschaft kann man etwas bewegen“, sagt Horst Tober im bescheidenen Ton. Doch es braucht auch engagierte Bürger wie ihn, den das kommunale, sowie geistig-kulturelle Leben seit seinem Zuzug vor fast 25 Jahren stets am Herzen liegt.

 

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