Flughafen Parchim : Hochfliegende Pläne in der Pampa

Alles entspannt: Fluglotse Thomas Karnatz arbeitet auf dem neuen Tower des Baltic-Airport in Parchim.  Fotos: Jens Büttner
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Alles entspannt: Fluglotse Thomas Karnatz arbeitet auf dem neuen Tower des Baltic-Airport in Parchim. Fotos: Jens Büttner

Von 2016 an sollen chinesische Touristen-Flieger in Parchim landen. Ein Besuch auf einem Flughafen, auf dem bisher nur geübt wird.

svz.de von
23. Juni 2015, 08:00 Uhr

Ein roter Pfeil weist den Weg – zum Klingelknopf „Terminal“ am Flughafengebäude Parchim. Drinnen eine Baustelle, durch die Schwalben schwirren. Plastikpflanzen begrünen den einzigen Info-Thresen „C“ wie „Cash-Desk“. Dahinter steht Operator Rolf Eichhorn. Er soll Landegebühren von privaten Piloten und Geschäftsreisenden kassieren, was aber nur alle paar Tage passiert.

Seit ein chinesischer Investor 2007 den ehemaligen Militärflugplatz in der mecklenburgischen Provinz kaufte, wird der Baltic Airport mit dem Kürzel „SZW“ für den regulären Linienverkehr aufgerüstet. Nächstes Frühjahr solle es so weit sein, kündigt Betriebsleiter Eugen Arnstadt an. Bis diesen Herbst werde das Terminal vergrößert, mit Gepäckbändern, neuem Wartebereich und Sicherheitscheck ausgestattet. Statt bisher 100 könnten dann 300 Reisende gleichzeitig abgefertigt werden. So viele Touristen sollen künftig mit jedem Flugzeug aus China in Parchim landen und ihre Deutschland- oder Europa-Tour beginnen, wie der Betreiber plant. Mit den Chinesen-Jets könnte 2016 der reguläre Flugbetrieb starten und Parchim aus der Verlustzone steuern, heißt es.  Noch aber geht es in Mecklenburgs Pampa beschaulich zu. Wenn nicht gerade Pilotentrainings auf dem riesigen Landeplatz stattfinden.

Flugschüler der türkischen Corendon Airlines proben Aufsetzen und Abheben mit einer Boeing 737-800. 35-mal kreist der Jet über Parchim. Lotse Thomas Karnatz auf dem für vier Millionen Euro neu gebauten Tower zeigt in die Luft. Kurz vor dem Anflug der Türken segelt ein Turmfalke an seinem von Technik strotzenden Ausguck vorbei. „Die brüten da drüben im Wald“, meint der Fluglotse. Kurz darauf setzt die Boeing hart auf. „Seitenwind, der macht es Newcomern schwer.“

Hochfliegende Pläne für Parchim als künftigem internationalem Drehkreuz für den Fracht- und Passagierverkehr hatte der Investor einst verkündet. Vor acht Jahren übernahm der Chef des chinesischen Logistikunternehmens LinkGlobal, Jonathan Pang, den defizitären Flugplatz mit Nachtflugerlaubnis vom Landkreis. 2010 wurden ihm gut 12 Millionen Euro des ursprünglichen Kaufpreises von 30 Millionen erlassen. Im Gegenzug verpflichtete sich Pang zu Investitionen in einen Industriepark oder ein Hotel, konkrete Pläne gibt es bis heute nicht. Die Frachthalle mit Zollstelle ist seit drei Jahren verwaist. 

Ursprünglich gebaut wurde der Flughafen Parchim in den 1930er-Jahren. Im April 1945 durch amerikanische Bomber zerstört, entstand hier 1952/53 die drei Kilometer lange und 55 Meter breite Start- und Landebahn für die sowjetischen Streitkräfte. 1992 zogen die letzten russischen Truppen ab. Danach gab es einige Touristenflüge nach Bulgarien und Mallorca. 2001 scheiterte ein Verkauf des 850 Hektar großen Airports an die britische Wiggins Group. 2007 übernahm der Chinese Pang die Immobilie.

Regelmäßige Urlaubscharter- oder gar Linienflüge wie etwa auf dem nächsten regionalen Airport von Rostock-Laage blieben in Parchim aus.

Ein Problem bisher war auch der provisorische Tower von 1993, ein Container auf Stelzen, der bei schlechtem Wetter nicht genügend Sicherheit bot, wie Arnstadt einräumt. Nach drei Jahren Bauzeit arbeitet nunmehr der neue Hightech-Tower. Insgesamt 48 Flugplatzbeschäftigte halten die Landebahn sauber und die Befeuerung intakt, stehen mit Tank- und Löschwagen sowie fahrbaren Gangways bereit.

Doch die meisten Starts und Landungen auf „SZW“ sind nach wie vor Trainings- und Schulungsflüge. 2013 waren das von knapp 8400 Flugbewegungen rund 6600 Übungen und 2014 von gut 8300 über 6100 Trainingsflüge. Die Zahl der Passagiere von Privatjets lag nur bei rund eintausend pro Jahr.  Optimistisch zeigt sich das Land Mecklenburg-Vorpommern, wenngleich es keine Fördermittel für den chinesischen Flugplatz in Parchim gibt, wie Sprecher von Verkehrs- und Wirtschaftsministerium erklären. „Es bestehen derzeit keine Anhaltspunkte, die Pläne des Investors als unrealistisch einzustufen“, heißt es. Der „touristische Incoming-Verkehr aus China“ werde als „innovatives Segment“ zur Erweiterung des Luftverkehrsspektrums im Nordosten angesehen. 

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