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Parchimer Zeitung

21. November 2017 | 20:40 Uhr

Parchim : Heute Jagd im zerzausten Wald

vom
Aus der Redaktion der Parchimer Zeitung

Nach „Xavier“ und „Herwart“ rund 2000 Festmeter Sturmholz im Parchimer Stadtwald. Vor allem Schwarzkittel im Fokus der Jäger.

von
erstellt am 04.Nov.2017 | 05:00 Uhr

„Wir sind mit einem blauen Auge davon gekommen“, so das Resümee von Stadtforstchef Danilo Klaus. Und doch sind die rund 2000 Festmeter Bruchholz, die die beiden Sturmtiefs „Xavier“ und „Herwart“ in den rund 3000 Hektar großen Wäldern rund um die Kreisstadt verursacht haben, schmerzlich. Ziemlich gleichmäßig verteilt auf alle Reviere sind Laubholzbäume, aber auch Buchen und Eichen in nur wenigen Minuten gebrochen wie Streichhölzer. Täglich sind die Forstleute unterwegs, um sich ein genaues Bild von der Situation zu machen. Da vielfach nur einzelne Bäume betroffen sind, entsteht erst nach und nach ein Gesamtbild von den Gesamtschäden.

„Wir haben unmittelbar nach dem ersten Herbststurm mit Aufräumarbeiten begonnen. Dabei müssen Prioritäten gesetzt werden. Es wird voraussichtlich bis zum Frühjahr dauern, bis die Spuren von ,Xavier’ und ,Herwart’ vollständig verschwunden sind“, meint Danilo Klaus. Vieles sei an schwierigen Stellen mitten in den Wäldern nur per Handarbeit zu erledigen. Hinzu kommt, dass Technik, wie beispielsweise Seilschlepper, derzeit nur schwer zu bekommen ist. Die Stürme haben bekanntlich landesweit und darüber hinaus gewütet, so dass Forstdienstleister stark nachgefragt sind.

Mit den Herbststürmen hat für die Stadtforst die geplante Einschlagssaison früher als geplant begonnen. Mit rund 13500 Festmetern sind etwa gleiche Mengen wie in den Vorjahren geplant. Die Sturmschäden werden nunmehr eingerechnet.

Wenn heute Morgen etwa 40 Frauen und Männer zur ersten Jagd der neuen Saison in die zerzausten Stadtwälder aufbrechen, haben sie vor allem Schwarzkittel im Fokus. „Wir sind froh, dass unsere Jagd trotz der Sturmschäden stattfinden kann. Wir wollen unseren Beitrag leisten, um die starke Zunahme der Wildschweinbestände einzudämmen und damit dem hohen Risiko durch Afrikanische Schweinepest vorzubeugen“, ist dem Forstmann wichtig. Wildfleisch aus Parchimer Wäldern wird auch an örtliche Gastronomen und Händler sowie privaten Kunden geliefert. Ansprechpartner für Interessenten ist das Forstamt in Kiekindemark.

Wer in den kommenden Wochen auf einen Waldspaziergang nicht verzichten will, muss vor allem aufmerksam sein. „Die Wälder sind nach den Stürmen nicht gesperrt, aber einzelne Wege nicht passierbar. Jedermann ist aufgefordert, mit offenen Augen bis in die Baumwipfel Gefahrenstellen auszumachen und nicht leichtsinnig zu werden“, gibt Danilo Klaus zu bedenken.

Für Selbstwerber, die Holz für den heimischen Ofen benötigen, sind die Sturmschäden kein Freibrief, um sich einzudecken. „Ganz im Gegenteil. Einen pauschalen Sammelschein stellen wir auch jetzt nicht aus. Es wäre viel zu gefährlich, auf eigene Faust mit Axt und Kettensäge los zu ziehen. In jedem Fall muss vorher mit dem zuständigen Revierförster alles abgesprochen und genehmigt werden“, stellt der Stadtforstchef klar. In öffentlichen Wäldern ist es ohnehin nur erlaubt, das so genannte Derbholz, also die oberirdische Holzmasse, bis zu sieben Zentimetern Durchmesser ohne Genehmigung für den privaten Gebrauch zu sammeln.

Der Stadtforstchef hofft nun, dass die grüne Lunge der Stadt, die Anfang der 90er Jahre kommunalisiert wurde und durch einen einmaligen Douglasienbestand sogar europaweit für Aufmerksamkeit sorgt, gut durch den bevorstehenden Winter kommt.

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