Bürgermeisterwahl : Hestermann wirft das Handtuch

Fest steht bislang nur, dass Stadtpräsident Dirk Flörke (r.) für die CDU bei der Wahl am 26. April 2015 als Bürgermeisterkandidat antreten wird. Fotos: Woplfried Pätzold
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Fest steht bislang nur, dass Stadtpräsident Dirk Flörke (r.) für die CDU bei der Wahl am 26. April 2015 als Bürgermeisterkandidat antreten wird. Fotos: Woplfried Pätzold

Nur zwei Interessenten nach überregionaler Ausschreibung für Bürgermeisteramt / Detlev Hestermann steht nicht mehr zur Verfügung

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01. Dezember 2014, 12:24 Uhr

Die offenbar schwierige Suche nach geeigneten Bewerbern für den Stuhl des Bürgermeisters in der Kreisstadt geht in eine neue Runde. „Ich hätte mir gewünscht, dass es mehr Interessenten für dieses Amt gibt“, so die erste Reaktion von Bernd Rolly, der bei der bevorstehenden Bürgermeisterdirektwahl am 26. April aus Altersgründen nicht wieder antreten kann. Bis zum Sonntagabend (30. November) hatten sich auf eine überregionale Stellenausschreibung der Stadt Parchim lediglich zwei Männer gemeldet. „Schon vor einigen Tagen hat ein Interessent aus den alten Bundesländern und erst kurz vor Ausschreibungsschluss ein Bewerber aus unserer Stadt die Unterlagen eingereicht“, so Bernd Rolly gestern gegenüber unserer Redaktion.

Im Vorfeld der Stellenausschreibung, die auf Forderung der SPD-Fraktion zustande gekommen ist, gab es Streit mit den Christdemokraten. Sie sahen in einem ersten Textentwurf eine gezielte Benachteiligung ihres eigenen Kandidaten, da aus SPD-Sicht ein  Bewerber für das Bürgermeisteramt über Verwaltungserfahrungen verfügen sollte. Die CDU hat bekanntlich bislang als einzige Partei mit Stadtpräsident Dirk Flörke, der im Friedrich-Franz-Gymnasium als Sport- und Geschichtslehrer arbeitet, offiziell ihren Kandidaten bestimmt.  Hinter verschlossenen Türen wurde im Hauptausschuss der Streit über den Ausschreibungsinhalt beigelegt. Geeinigt hat man sich schließlich auf eine Formulierung: „Gesucht wird eine dynamische, zielstrebige, verantwortungsbewusste, einsatz- und entscheidungsfreudige sowie durchsetzungsfähige Persönlichkeit, die Erfahrungen in der Kommunalpolitik hat und mit Umsicht, Tatkraft, Verhandlungsgeschick und Organisationstalent in der Lage ist, in Zusammenarbeit mit den Stadtvertretern die Entwicklung der Stadt Parchim zu fördern und die Verwaltung bürgernah, leistungsorientiert und wirtschaftlich zu führen“.

Bevor die Namen der beiden Interessenten öffentlich werden, wird im Rathaus deren Bewerbung gesichtet. „Ich werde zeitnah mit den Parteien Kontakt aufnehmen. Die müssen dann entscheiden, ob sie ihrerseits Interesse haben, den möglichen Bewerber zu unterstützen“, sagt Rolly.

Andreas Neumann, Ortsvorsitzender der SPD, reagiert zurückhaltend. „Wir haben uns noch nicht entschieden. Ich werde mit dem Fraktionsvorsitzenden Eckhard Büsch das weitere Vorgehen abstimmen. Sicher werden auch wir in Kürze einen SPD-Kandidaten präsentieren“, so Neumann. Der von Eckhard Büsch als „Kandidat erster Wahl“ ins Gespräch gebrachte Parteifreund Detlev Hestermann steht überraschend nicht mehr zur Verfügung. „Dafür gibt es viele Gründe. Es muss dienstlich, politisch und privat stimmen. An einem Problem ließe sich arbeiten, aber wenn alles nicht passt, muss man Konsequenzen ziehen“, so Detlev Hestermann gegenüber unserer Redaktion. „Ich bedauere seine Entscheidung, respektiere sie aber auch“, sagt Andreas Neumann. Detlef Hestermann, der sich die Aufgabe als zukünftiger Bürgermeister nach eigener Aussage durchaus zugetraut hat, war mit der gescheiterten Wiederwahl als Rollys Stellvertreter ins Schlingern geraten. Beim zweiten Anlauf war er nicht mehr aufgestellt worden. Detlef Hestermann gilt als anerkannter Jurist und ist als Fachbereichsleiter im Rathaus weiterhin tätig.

Mit dem unerwartet mageren Ergebnis der Stellenausschreibung   bleibt weiterhin vieles offen.  Unabhängig davon  können sich noch bis zum  12. Februar 2015 (18 Uhr) Bewerberinnen oder Bewerber     für die Wahl am 26. April melden. Dies erfordert allerdings die Einreichung eines förmlichen Wahlvorschlages auf Grundlage der Bestimmungen des Kommunalwahlgesetzes und der Kommunalwahlverordnung von Mecklenburg-Vorpommern. „Damit sollte aber niemand bis zur letzten Minute warten“, rät Bernd Rolly. Nicht selten würden bei Durchsicht der Unterlagen Fragen auftauchen, die bis zum Einsendeschluss geklärt sein müssen. Wichtig ist zum Beispiel, dass Bürgermeisterkandidaten eine amtsärztliche Untersuchung und auch ein Führungszeugnis vorlegen müssen. Wählbar ist nur, wer das 18. Lebensjahr, aber noch nicht das 60. Lebensjahr vollendet hat. Der Bewerber darf nicht vom Wahlrecht oder der Wählbarkeit ausgeschlossen sein. Es müssen Voraussetzungen für die Ernennung zur Beamtin/Beamten auf Zeit erfüllt sein. Ausgeschlossen wird auch, wem von einem Gericht in einem Disziplinarverfahren aus dem Beamtenverhältnis entfernt oder sein Ruhegehalt aberkannt wurde. Der Nachfolger von Bernd Rolly tritt sein Amt am 1. September 2015 an und wird für sieben Jahre gewählt.

Spannend bleibt, ob CDU-Kandidat Dirk Flörke bald seinen Herausforderer persönlich  kennen lernt. Erst danach werden die Parchimer erfahren, welche politischen Schwerpunkte Rollys Nachfolger setzt und ob es womöglich einen Richtungswechsel im Rathaus gibt.

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