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Parchimer Zeitung

18. Oktober 2017 | 02:12 Uhr

Natur : Herzog jagte Wölfe in der Lewitz

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Vor 443 Jahren erste Nachweise von Wölfen im jetzigen Landkreis Ludwigslust-Parchim / Haben Wölfe eine Zukunft?

Wölfe sind nach dem Bundesnaturschutzgesetz und dem Washingtoner Artenschutzabkommen (CITES) geschützt und unterliegen in Deutschland nicht dem Jagdrecht. Viele kennen Wölfe aus dem Natur- und Umweltpark Güstrow. Doch woher kommen eigentlich die Wölfe die in den Schlagzeilen der Medien stehen und gab es sie schon vorher?

Einzelne Wolfsbeobachtungen, so wie wir sie kennen, sind so genannte Wechselwölfe. Mehrere Wölfe formieren sich dann zu einem Rudel. Diese gab es noch im 17. Jahrhundert auch in Mecklenburg. Seit dem Mittelalter begann die Ausrottung des Wolfes. Überliefert sind mehrere Plagen auch in unserem Raum. Im strengen Winter 1637 sollen solche Massen von Wölfen nach Mecklenburg, besonders in die damals noch großen Waldungen um Schwerin gekommen sein, dass die Tore der Stadt ständig geschlossen gehalten werden mussten.

Ur- und frühgeschichtlich belegte Wolfsnachweise kennt man in MV von 1961 bis1994 durch elf Grabungen im Land. Der Wolf wurde seit der Steinzeit, der Bronzezeit und in der Slawenzeit nachgewiesen. 1989 wurde ein neolithischer (Steinzeit) Wolfsnachweis bei Parchim erbracht. Die Zukunft wird weitere Wolfsnachweise erbringen. Zahlreiche deutsche und slawische Orts-und Flurnamen in MV weisen auf Wölfe hin oder sind auf deren Vorkommen zurückzuführen. So entstand aus der Umgebung von Lübz „Wulfsmoor“ und „Wulfshorst“. Auch Wolfsberg, Wolfsbruch, Wolfssee oder Wolfssoll sind nur einige Beispiele über mögliche Wolfsvorkommen in der Vergangenheit.

Historisch überliefert ist auch, dass um 1572 die Lewitzniederung ein Zufluchtsort für Wölfe gewesen sein muß. Daraufhin entschloss sich Herzog Johann Albrecht 1. am 13.12.1572 zu einer großen Wolfsjagd, die mehrere Wochen dauerte. 1696 und 1700 traten in der Lewitz Wölfe auf, denen der Forstmeister Carl Bärens aus der Gegend von Neubukow nachstellte. 1714 wurden in der Gegend von Schwerin 17 Wölfe gefangen. Am 2. 12. 1786 meldete ein Fischer an der Elde, Herr Klüßendorf bei Blievenstorf (südöstlich von Neustadt-Glewe) einen Wechselwolf. Dies geschah vor ca. 443 Jahren ebenfalls in der Gegend von Neustadt-Glewe, wo der Wolf 2015 wieder beobachtet und fotografiert wurde (siehe SVZ). Deshalb sind heutige Wolfsbeobachtungen nicht ungewöhnlich.


Nach 1945 nur fünf Nachweise registriert


Am 13.1. 1826 gibt es eine Wechselwolfsbeobachtung (Akte, Archiv Stadt Schwerin, 1826) zwischen Spornitz und Damm, sechs Kilometer westlich von Parchim von Jäger Tiedemann zu Spornitz. Im Zeitraum von 1747 bis1826 wurden im heutigen MV, neun Wechselwölfe in den Akten registriert. Nach 1945 wurden in MV nur fünf Nachweise registriert, davon einer im Grenzgebiet bei Polen von 1952 bis1989.

Von nun an begann die Einwanderung des Wolfes aus den östlichen Gebieten Russlands und Polens seit ca. 1990. Da Wölfe überaus scheue Tiere sind, verlief diese Einwanderung meist unbemerkt und wurde nur durch Spuren oder Kot von Jägern und Wolfsexperten überhaupt erkannt. Inzwischen sind einige Wolfsfamilien in MV als Teil der Fauna willkommen. Die Zunahme von Wölfen liegt in der enormen Vermehrungsrate in den osteuropäischen Ländern und deren Bejagung. Deshalb wechseln viele Wölfe die Oder durchschwimmend bis in unsere Region auf der Suche nach neuen Lebensraum. In vielen Ländern ist der Wolf in den Nationalparks geschützt.

Mit der Einführung der Stallhaltung des Viehs verschwand der Wolf letztlich auch in MV. Seit den vierziger Jahren wurden in den USA, Russland und anderen Staaten Langzeituntersuchungen gestartet. Es wurde deutlich, dass Wölfe eine regulierende Funktion in der Natur erfüllen. Der Wolf garantiert ein Gleichgewicht in der Natur. Man stellte fest, dass dort, wo Wölfe fehlen, Krankheiten in den Wildbeständen zunehmen. Ähnliche Langzeituntersuchungen macht der NABU in Deutschland.

Seit 1572 gibt es in unserem jetzigen Landkreis Ludwigslust-Parchim historische Aufzeichnungen über Wölfe. Eine Aktennotiz vom 23.2.1808 (Archiv Stadt Schwerin, 1808) besagt, dass ein Wechselwolf bei Dütschow nordöstlich von Neustadt-Glewe von Oberförster Böcker zu Gelbensande gemeldet worden ist. Auffällig sind Wolfsbeobachtungen im Raum Neustadt-Glewe, wenn auch 28 Jahre seit der letzten Meldung vergangen sind, wurden mit Sicherheit nicht alle Wölfe registriert. Der bekannteste mecklenburgische Wechselwolf in historischer Zeit war der, welcher 1787 bei Kritzow über die Warnow wechselte und dann bei „Plathe“ (Plate) vom Hofrat Libonius am 21. April erlegt wurde. Wir sollten die natürliche Wiederbesiedlung des Wolfes in MV stabilisieren, die Landschaften unserer Region für die Tiere verfügbar halten und ihnen ein Recht auf freiwillige Rückkehr garantieren. Willkommen um zu bleiben!

 

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