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Parchimer Zeitung

20. Oktober 2017 | 09:19 Uhr

Herzberg : Herbizide belasten zwei Brunnen

vom
Aus der Redaktion der Parchimer Zeitung

Wasserversorger klemmte betroffene Brunnen in Herzberg vom Netz. Bürger erhalten unbelastetes Trinkwasser aus der Tiefe.

von
erstellt am 11.Okt.2017 | 21:00 Uhr

Zwei Brunnen des Wasserwerks in Herzberg wurden vom Netz genommen. In ihnen wurden zu hohe Bestandteile das Pflanzenschutzmittels Bentazon gefunden. Maximal 0,0001 Milligramm dieses Herbizds pro Liter Trinkwasser sind zulässig. Dieser Wert wurde im Rohwasser um 163 Prozent überschritten (0,000263 mg/l). Die Bürger werden jetzt ausschließlich über Brunnen aus einem tieferen Grundwasserleiter versorgt, wo unbelastetes Nass gefördert wird. Das erfuhr SVZ von Lothar Brockmann, Geschäftsführer des Wasserversorgungs- und Abwasserzweckverbandes (WAZV) Parchim-Lübz.

Seit zwei Jahren wird Trinkwasser auch auf Bentazon untersucht, hieß es aus dem Verband. Mittlerweile gebe es Analysemethoden für diese geringen Mengen, wobei dieses Herbizid erst bei einem Viertel des Grenzwerts nachweisbar sei.

Vermutlich ein Problem aus Jahrzehnten

Im Frühjahr 2016 erfuhr die WAZV-Geschäftsführung, dass es Probleme mit zwei Brunnen in Herzberg gibt. Das Wasser durfte aber weiter abgegeben werden, so Brockmann. Aus dem Landwirtschaftsministerium kam das Signal: Die Firma BASF werde in der Ursachenforschung Initiative ergreifen. Der WAZV klemmte sich dahinter. Zwischenzeitlich läuft das durch den Konzern und ein Ingenieurbüro. Noch liege kein abschließendes Gutachten vor, sagt Brockmann. Ausgeschlossen werden könne aber eine punktuelle Belastung in der Nähe des Wasserwerks. Der Eintrag müsse über Jahre erfolgt sein. Schon zu DDR-Zeiten sei Bentazon eingesetzt worden - vor allem bei der Produktion von Hülsenfrüchten.

Bentazon soll sich im Freien auflösen


In den Fall sind inzwischen viele einbezogen, von der Unteren Wasserbehörde beim Kreis bis zum Umweltministerium, vom Fachdienst Gesundheit bis zum Sozialministerium, dem Landesamt für Umwelt, Natur und Geologie (LUNG) und der Landesbehörde für Pflanzenschutzmittel. Der WAZV beprobt die belasteten Brunnen weiter und beobachtet bisher keine Besserung.

Der Verband hätte dieses Wasser auch mit dem untergrenzwertigen aus anderen Brunnen mischen können, um die Werte einzuhalten, sagt Brockmann. „Aber das haben wir nicht getan.“ Nur noch aus dem dritten Grundwasserleiter werden die Bürger versorgt. Die belasteten Brunnen, die bis in den zweiten Leiter reichen, bleiben vom Netz. Allerdings laufen auch hier zeitweise Pumpen. Im Einvernehmen mit dem LUNG werde Rohwasser „abgeschlagen“, wie Brockmann sagt. Das belastete Wasser wird zu Tage gefördert. Damit will man vorbeugen, dass es nach unten zum nächsten Trinkwasserleiter dringt. In der Theorie löst sich das Bentazon im Freien und in oberen Erdschichten unter Einfluss von UV-Strahlen auf. Das wird analysiert. Der Verband geht davon aus, dass es funktioniert. Wenn nicht, müsse zusätzlich in eine Aktivkohlefilterung im Wasserwerk ausschließlich für dieses belastete Wasser investiert werden, so Brockmann.

Damit diese Ableitung funktioniert, hat der Zweckverband bereits mehrere zehntausend Euro u.a. in Leitungen und Gräben investiert. Dabei nutzt man auch eine Tonleitung aus den 1960er-Jahren, die das Wasser Richtung Vorflut transportiert. Sie ist zugleich das Nadelöhr bei der Ableitung und muss durch eine Leitung höherer Kapazität ersetzt werden. Erst dann kann die angestrebte Menge aus den belasteten Brunnen gepumpt werden.

Brockmann lobt die gute Zusammenarbeit mit dem Wasser- und Bodenverband und ist dem Herzberger Landwirt Karsten Kruse dankbar, der sehr interessiert daran sei, dass die Ursache der Belastung gefunden wird. Er habe in den letzten Jahren nachweislich kein Bentazon verwendet.

Der Zweckverband will in Herzberg mindestens einen neuen Brunnen bohren. In dieses Wasserwerk wurden seit der Wende rund 1,7 Millionen Euro investiert. Künftig soll von hier ein größeres Gebiet bis Mestlin versorgt werden (SVZ berichtete). Die Verbandsführung geht davon aus, dass Herzberg ein wichtiges Wasserwerk bleibt. Möglicherweise auch mit zusätzlicher Technologie.

Bisher sind die beiden Brunnen in Herzberg die einzigen im Zweckverband, bei denen zu hohe Betazonbelastungen festgestellt wurden. Probleme mit Abbauprodukten von Pflanzenschutzmitteln und mit künstlichem Zucker im Rohwasser waren in Suckow aufgetaucht. Das Wasserwerk ist inzwischen geschlossen. Das dortige Umfeld wird aus Herzfeld versorgt.

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