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Parchim/Crivitz : Hausbrand: Verfahren eingestellt

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Weil Oliver K. in der Trammer Straße von Crivitz angeblich fahrlässig einen Wohnungsbrand verursacht hatte, musste er sich als Angeklagter vor dem Parchimer Amtsgericht verantworten.

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erstellt am 06.Jun.2013 | 11:49 Uhr

PARCHIM/CRIVITZ | Weil Oliver K. (29) in der Trammer Straße von Crivitz angeblich fahrlässig einen Wohnungsbrand verursacht hatte, musste er sich als Angeklagter vor dem Parchimer Amtsgericht verantworten. "Ich bin mir keiner Schuld bewusst", erklärte er bei seiner Befragung durch Amtsrichter Kai Jacobsen, der den genauen Hergang des tragischen Geschehens rekonstruieren wollte.

Der Angeklagte und seine Mutter Ursula K. (58) wollten es sich vor dem Fernseher gemütlich machen und zuvor noch eine Kleinigkeit essen. Eine Bratwurst in die Pfanne, Frittierfett für eine Handvoll Pommes in einen Topf, zwei Ceran-Kochfelder, die Abzugshaube und den Teekocher eingeschaltet. In einem kleinen Backofen garte ein Kräuter-Baguette, und außerdem wurde die neue Mikrowelle ausprobiert. Als die Pommes Frites knusprig waren, "habe ich Pfanne und Topf auf die beiden kalten Kochfelder geschoben und den Herd ausgeschaltet." Mit einer Schaumkelle, so der Angeklagte, habe er dann das Fett abtropfen lassen "und sie mir mit der Wurst auf meinen Teller gelegt." Baguette und Tee waren auch fertig, und so konnte der Fernsehabend beginnen.

"Ich habe noch Zucker geholt und dabei nichts Ungewöhnliches bemerkt", erklärte Ursula K. Die Idylle wurde dann jedoch von einem Nachbarn unsanft unterbrochen, weil der Rauchschwaden bemerkt hatte und sich durch lautes Klopfen bemerkbar machte. Als Oliver und Ursula K. den Wohnungsflur in Richtung Küche betraten, kam ihnen starker Rauch entgegen. "Wir bekamen kaum Luft und waren sofort rabenschwarz." Die Küche war verqualmt und aus dem Herdbereich züngelten Flammen. "Ich habe sofort die Feuerwehr alarmiert." Ein Versuch, den Küchentisch zu retten, blieb vergeblich. "Wir mussten um unser Leben fürchten." Die Wehren aus Crivitz, Gädebehn und Goldenbow waren mit fast 60 Aktiven rund drei Stunden im Einsatz und mussten ihre Löscharbeiten zeitweise unter Atemschutz verrichten. Das Feuer hatte auch den Dachstuhl ergriffen.

Der Verdacht, dass Frittierfett auf die heißen Herdplatten getropft, in Brand geraten war und fahrlässigerweise mit Wasser gelöscht werden sollte, konnte nicht erhärtet werden. "Ich habe keinerlei Löschversuche unternommen - wie denn auch, ohne Gefäß", versicherte der Angeklagte. Er und seine Mutter waren mit Verdacht einer Rauchgasvergiftung ins Krankenhaus eingeliefert worden, auch zwei Feuerwehrleute mussten ambulant behandelt werden. Mit einer Geldspende und einer Annonce haben sich Oliver und Ursula K. inzwischen bei der Feuerwehr bedankt. "Wir haben absolut nichts bemerkt. Das Feuer ist uns immer noch ein Rätsel."

Amtsrichter Kai Jacobsen stellte das Strafverfahren ein und legte dem Angeklagten auf, der Feuerwehr eine weitere Geldspende zukommen zu lassen.

Inzwischen hat die Brandversicherung mehrere zehntausend Euro gezahlt, und das Haus wird derzeit renoviert. In vier Wochen soll die neue Küche kommen - mit einem Induktionskochfeld, auf dem Fett nicht Brand geraten kann. "Lassen sie nie mehr so viele Elektrogeräte gleichzeitig laufen", mahnte der Richter abschließend.

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