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Parchimer Zeitung

11. Dezember 2017 | 21:58 Uhr

Parchim : Hausärzte dringend gesucht

vom
Aus der Redaktion der Parchimer Zeitung

In der Kreisstadt schließt im Sommer eine weitere Praxis. Parchimer berichten: Andere Ärzte nehmen keine neuen Patienten mehr an

von
erstellt am 11.Apr.2017 | 05:00 Uhr

„Mein Arzt macht zu“, sagt Klaus-Peter Tank (70). Er und seine Lebensgefährtin Heidi Hörnlein (68) sind auf der Suche nach einem neuen Hausarzt. Alle ihrer Nachfragen in Parchimer Praxen endeten erfolglos. Es werden keine neuen Patienten angenommen. Teils verkündeten das schon Schilder auf den Empfangstresen. Auch die Krankenkasse konnte den Senioren nicht helfen. Sie brauchen aber auch künftig einen Arzt, der die Rezepte für dringend notwendige Medikamente ausschreibt.

Im Empfang der Praxis im Parchimer Stadtzentrum, wo sich Klaus-Peter Tank schon seit Jahrzehnten gut aufgehoben fühlt, wurde uns die Schließung in diesem Sommer bestätigt. Man habe keinen Nachfolger gefunden.

Die schwierige Situation in der Kreisstadt, die nach der Aufgabe mehrerer Praxen in den vergangenen Jahren entstanden ist, verschärft sich damit weiter. Aus inoffizieller Quelle erfuhr SVZ, dass in Parchim mittlerweile zehn Hausärzte fehlen.

Ein Testanruf in der Terminvergabestelle der Kassenärztlichen Vereinigung (Telefon 0385-7431877) ergab: Hausärzte können nicht vermittelt werden. Hilfesuchenden Parchimern könne man aber ein Liste mit Praxen im Umkreis von 20 Kilometern zur Verfügung stellen. Es soll bis zuletzt einige Ärzte außerhalb der Kreisstadt gegeben haben, die noch neue Patienten aufgenommen haben.

Noch könne er Auto fahren, sagt Klaus-Peter Tank. Er käme notfalls zu einer Praxis außerhalb der Stadt. Aber was ist ein paar Jahren? Und wenn er nicht mehr mobil ist: Kann er sich dann noch die Kosten für eine Fahrt zu einem Hausarzt in der Ferne leisten? In Schwerin soll es beispielsweise noch Möglichkeiten geben.

Offensichtlich ist das Thema in der Parchimer Kommunalpolitik angekommen. Stadtvertreter Nico Skiba äußerte im kommunalen Parlament kürzlich seine Besorgnis über die Hausärztesituation. Zwar habe man keinen Handlungsspielraum, aber es gehe darum, die Situation in Parchim zu analysieren und zu thematisieren. Bürgermeister Dirk Flörke meinte: „Es ist eine Situation, in der wir wir alle an einem Strang ziehen müssen.“ Vor einigen Wochen habe es ein Gespräch mit Vertretern der Kassenärztlichen Vereinigung Mecklenburg-Vorpommern (KVMV) gegeben. Darin sei darauf verwiesen worden, dass sich die Rahmenbedingungen zum Niederlassen von Ärzten in den vergangenen Jahren verbessert haben. Warum es für Parchim so schwierig sei, Ärzte herzubekommen, wisse weder er noch die KVMV. Flörke: „Wir haben momentan einen Engpass.“ Das sei der Stadt und der Kassenärztlichen Vereinigung bewusst. „Wir wollen dran bleiben.“

Von der Kassenärztlichen Vereinigung selbst erhielt SVZ bisher auf Nachfrage keine Stellungnahme.

Ein junger Arzt, der es in Erwägung zieht, sich in Parchim niederzulassen, erklärte im Gespräch mit unserer Zeitung: Für junge Ärzte sei es nicht so einfach, sich niederzulassen. Wer Fachkräfte auf das Land locken will, müsse auf die Bedürfnisse der jungen Mediziner eingehen. Möglicherweise sollte man junge Leute, die aus Parchim kommen, schon während des Studiums ganz gezielt fördern, damit sie in ihre Heimat zurückkehren.


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