Bau-Revolution : Haus steht auf Riesen-Schrauben

Das Haus ruht auf 60 mit einer Spezialmaschine (hi. r.) in den Boden geschraubten Eisenpfählen.
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Das Haus ruht auf 60 mit einer Spezialmaschine (hi. r.) in den Boden geschraubten Eisenpfählen.

Ingenieur Gert Köhler stellt von ihm erfundenes „Funktionshaus“ vor und will damit vor allem junge Leute locken und in Region halten

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07. Juli 2015, 12:00 Uhr

Norbert Timm, Leiter des Amtes für Stadt- und Gemeindeentwicklung im Amt Eldenburg Lübz, ist unüberhörbar begeistert: „Eine deutschlandweit bedeutsame Innovation – und das aus unserer Region!“ Anlass für die Freude: Binnen dreijähriger Vorarbeit mit Planung, Forschung, Prüfungen und Entwicklung hat Bauingenieur Gert Köhler „Das Funktionshaus“ entwickelt und lässt momentan den Prototyp auf einem Grundstück in Siggelkow entstehen.

Die Besonderheit: In der tragenden Konstruktion wird nicht ein Kubikzentimeter Beton oder ähnliches, sondern nur Holz verwendet. „Dazu haben wir uns auf Grundlage einer Nutzwert-Analyse entschieden und nicht, weil der Architekt sagt: ,Im Himmel ist Jahrmarkt’“, so Köhler. „Angesichts der mittlerweile fast unzähligen Baustoffe ist die Auswahl vor allem an der Gesundheit der Nutzer festgemacht. Die Entscheidung muss für beide Seiten nachvollziehbar sein.“

Darüber hinaus spielte eine Rolle, beim Bau den Anteil der Eigenleitung für die Eigentümer so groß wie nur irgend möglich zu gestalten – alles natürlich trotzdem immer unter den Augen eines Architekten oder Bauingenieurs, denn auch dieses Haus wird letztlich von Behörden überprüft.

Es ruht nicht auf klassischen Fundamenten, sondern auf 60 je nach Bodenbeschaffenheit 1,30 und 2,10 Meter langen Schrauben, die in die Erde gedreht und dann mit Hilfe eines Lasergerätes in der Höhe millimetergenau ausnivelliert werden. Auch die dann an sie angeschraubte „Holzbohlenplatte auf Kreuzbalken“ besteht zu 100 Prozent aus Holz. Die Außenwände werden dann von der Gründung ohne Unterbrechungen bis zur Spitze des Gebäudes hochgezogen. „Dadurch, dass es keine horizontalen Einbindungen wie Platten oder Decken gibt, entsteht quasi ein Haus im Haus mit einer optimalen und ungestörten Wärmedämmung im Holzständerwerk“, erläutert Köhler.

Nachhaltig bauen solle bei ihm keine Worthülse sein. Die Energieanalyse von Holz falle unschlagbar gut aus: Die für ein Haus benötigte Menge Lärchenholz (rund 25 Tonnen) wachse in heimischen Wäldern in zwei bis fünf Jahren auf einem Hektar nach, fünf bis sieben Kubikmeter seien es pro Jahr und Hektar.

Das Haus wird eine rund 100 Quadratmeter messende Wohnung und einen halb so großen Informationsraum für Interessenten beherbergen, die die Neuheit nach draußen kommunizieren können. Ziel ist, das Gebäude bis Jahresende fertig zu stellen. Köhler, im Alltag mit Planung und Bau von Infrastruktur beschäftigt, wird dann seinen Firmensitz von Neuruppin nach Siggelkow verlegen. Die Beziehung zu dem Ort hat sich über Jahre vertieft, nicht zuletzt durch den Kauf des Forsthauses, in dem heute seine Tochter lebt.

Den Impuls zu dem Vorhaben habe der Verein „Zukunft Gemeinde Siggelkow e. V.“ gegeben. Das mit Nachdruck in der Arbeitsgruppe „Energie und natürliche Ressourcen“ wahrgenommene Ziel, die Attraktivität des Dorfes zu steigern, sei glaubhaft und nachprüfbar erschienen. So habe es den Bauherrn und die „regionaler leben eG“ als ideellen Träger motiviert, an diesem Standort etwas ganz Besonderes zu schaffen: „Ich bin mir sicher, mit diesem qualitativ hochwertigen Bauvorhaben gerade jungen Menschen einen Weg zum modernen Hausbau aufzuzeigen, der mit wirtschaftlich vertretbaren Mitteln umsetzbar und betreibbar ist.“

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