Lancken : Gutshaus in guten Händen

Das Tor steht offen zu einem Gutshaus, das mit Liebe wieder aufgearbeitet wird. Fotos: Monika Maria Degner
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Das Tor steht offen zu einem Gutshaus, das mit Liebe wieder aufgearbeitet wird. Fotos: Monika Maria Degner

Wie geht`s, altes Haus? -– Heute das Gutshaus in Lancken

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29. Juni 2019, 05:00 Uhr

Die Flügel des frisch gestrichenen Tors im Zaun stehen weit offen, in der Flucht dahinter liegt der ebenfalls geöffnete Hauseingang, der Durchblick ist perfekt. Die rückwärtige Tür lässt den Blick wieder ins Helle, ins Grün schweifen. Weit hat Hausherr Thomas Lettner also Tor und Türen des Gutshauses in Lancken geöffnet. Wärme strömt ins halbfertige Erdgeschoss ein.

Innen viel freigelegtes Ziegelmauerwerk. Naturgemäß erzählen solche Räumlichkeiten von den Plagen einer Sisyphosaufgabe. Der entschlossene und handwerklich kundige Lettner, sechzig Jahre alt, drahtig, gelernter Geländebauzeichner aber lässt Zweifel am Gelingen seines Projekts nicht aufkommen. „Fünf Jahre wird die Fertigstellung des Erdgeschosses noch dauern. In zehn Jahren will ich mit allem fertig sein“, so der Plan des vermutlich zwölften Herren des ehemaligen Ritterguts. Im Übrigen hat er sich rechts der Diele längst eine behagliche Wohnung geschaffen, in die ein städtisches Singleapartment zweimal passen würde. Mindestens.

Aber wie alles anfing: Gekauft hat Lettner 2013. „Im ersten Jahr“, sagt er, „haben meine Frau und ich zwei Tonnen Tapete weggeschafft.“ Und die Spuren der Nutzung seit 1945 quasi kartiert. 60 Flüchtlinge und Vertriebene haben hier gewohnt. Seit den 50ern war hier eine Schule. „Die hat am wenigsten kaputtgemacht“, beteuert der Bauherr. „Aber zwischen 1983 und 1989 nutzte ein VEB Braunkohle Berlin das Haus als Landschulheim für 160 Kinder.“ Das habe, sehr höflich wiedergegeben, dem Bau so wenig auf die Beine geholfen wie die Nutzung durch das Jugendförderwerk Greven 1990/91 oder durch jene Eigentümer aus Berlin, die das Denkmal wohl nur als Spekulationsobjekt erwarben.

Viele Tausender hat Einzelkämpfer Lettner bereits investiert und viele Teile zurückgebaut. Die Lust an seinem Gutshaus ist ihm nie ausgegangen. Unter seinen Händen wird eine weitere Perle Mecklenburgs Gott sei Dank wieder in den ursprünglichen Zustand zurückversetzt und das mit Materialien, die dem Bau gut tun. Plastikverkleidungen, Rigips, Spanplatten, Kalk- und Zementputz müssen spurlos weichen. Immer gilt: Feuchtigkeit muss abtransportiert werden, Luft also zirkulieren. Lettner schwört unter anderem auf atmungsaktiven Luftkalkmörtel. Der Mann ist ein Purist.

Irgendwann erwähnt der Bauherr auch die gute Nachbarschaft im Dorf. Zu den immer Hilfsbereiten zählen Otto und Inge Nienkerk. Auch sie können einiges über das Gutshaus erzählen. In den 50ern nämlich hatten sie in diesem Bauwerk ihre ersten Lehrerstellen in der späteren „Polytechnischen Oberschule“ erhalten. „Im heutigen Bad“, erinnert sich Inge Nienkerk, „war anfangs das Lehrerzimmer untergebracht. Unsere Unterrichtsräume waren ebenfalls unten.“ Etwa 1970 entstanden dann die heute noch seitlich des Gutshauses stehenden „Baracken“. Sie erinnert sich auch an das leicht baufällige Obergeschoss. Im Laufe der Zeit wurde es unter anderem von Werklehrer und Schiffsbauer Otto Nienkerk in Ordnung gebracht. Als die Schule 1983 wegen Schülermangels geschlossen wurde, mussten Nienkerks nach Parchim wechseln. „Ich wäre gerne hier geblieben“, sagt Inge. „Wir hatten uns gute Bedingungen geschaffen.“

Heute noch pilgern „Ehemalige“ zum Lanckener Gutshaus, um ihre Schule wiederzusehen. Thomas Lettner freut dieser Besuch. Aber Tor und Türen des Gutshauses werden sich auch am 27. Juli weit öffnen. Dann wird hier ein Sommerfest stattfinden. „Fünfzig Lanckener“, sagt Lettner erfreut, „haben ihre Teilnahme schon zugesagt.“

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