Parchim : Grüne Lunge gut in Schuss

Hier wächst der Wald der Zukunft: Mitten im Parchimer Stadtwald wurde ein Douglasien-Klonarchiv angelegt. Fotos: Wolfried PätzolD
1 von 4
Hier wächst der Wald der Zukunft: Mitten im Parchimer Stadtwald wurde ein Douglasien-Klonarchiv angelegt. Fotos: Wolfried PätzolD

Eldestadt nach Rostock zweitgrößter kommunaler Waldbesitzer in Meckpomm: Am Freitag Tag der offenen Tür zum 25. Jubiläum

23-11367994_23-66110653_1416398816.JPG von
04. Juni 2018, 21:00 Uhr

Ein Blick zum blauen Himmel und in der Brust von Oberförster Danilo Klaus schlagen zwei Herzen. „Klar freut sich jeder über Sonnenschein, aber für uns Forstleute hat die gegenwärtige Wettersituation durchaus Schattenseiten“, gibt er als Chef der Parchimer Stadtforst zu bedenken. Nicht nur Feld und Flur, sondern auch die Wälder leiden unter der Trockenheit der letzten Wochen. „Im Mai konnten wir die Frühjahrsaufforstung nicht durchgängig fortführen“, sagt Klaus. Besonders im Fokus hat er auch die erste vor wenigen Wochen im Stadtwald neu angelegte Kinderstube der „Super-Douglasien“. Nahe Slate haben Forstexperten des Thünen-Institutes 900 hochwertige Douglasienstecklinge – Veredlungen von 300 Mutterbäumen aus ganz Deutschland in jeweils dreifacher Wiederholung – in den vorbereiteten Waldboden gebracht. Das war die Geburtsstunde für eine neue Samenplantage. „Bislang gibt es dort nur wenige Ausfälle. Wir hoffen, dass dieses überregional viel beachtete Projekt erfolgreich in Gang kommt“, so der Oberförster. Auch für ihn ist dieses Klon-Archiv etwas Besonderes. Schließlich wurde aus den Gipfeln von 25 Parchimer Spitzen-Douglasien, die seit 140 Jahren am Sonnenberg prächtig gedeihen, Erbgut für künftige Super-Douglasien gewonnen.

In dieser Woche wird in Parchim an die erfolgreiche Kommunalisierung des zweitgrößten Stadtwaldes in Meckpomm erinnert. Am Freitag ist jedermann eingeladen, am Tag der offenen Tür in Kiekindemark mitzufeiern. Dabei sein wird auch Erhard Bach, seit 1993 bis zum Ruhestand im Dezember 2012 Chef der Stadtforst.

„Neben Rostock hatte Parchim früher den größten kommunalen Waldbesitz in Mecklenburg-Vorpommern. Rund 3000 Hektar waren 1952 verstaatlicht worden. Die Chance für die Wiedergeburt der Stadtforst wollten wir unbedingt nutzen“, erinnert sich Bach.

Das lief glatter als gedacht. Die Treuhand lenkte schneller als üblich ein und es begann die „Zeit des Suchens und Findens“ wie der Oberförster es im Rückblick beschreibt. Im ersten Haushaltsjahr konnten die zunächst roten Zahlen von 200 000 DM bereits auf die Hälfte reduziert werden. Das brachte Anerkennung. Bis heute schreibt der Parchimer Stadtwald schwarze Zahlen.

„Unser Wald ist etwas ganz Besonderes und soll es auch in Zukunft bleiben“, ist sich Erhard Bach mit seinem Nachfolger Danilo Klaus einig. Die heute neun Mitarbeiter fühlen sich dem Erbe von Forstsenator Wilhelm Evers verpflichtet, der von 1868 bis zum plötzlichen Tod 1901 die Parchimer Stadtforst leitete. „Der Mann hatte vor allem Weitsicht, von der wir bis heute profitieren“, wissen die Forstleute sehr genau. Nachdem es auch in den Wäldern bei Parchim im 19. Jahrhundert zu wenig heimische Holzarten gab und Versuche gelangen, Fichten und Lärchen anzusiedeln, wollte Evers Baumarten aus Amerika nach Mecklenburg holen. Dabei setzte er vor allem auf die Douglasie, die erfolgreich eingebürgert wurde und den Klimawandel vergleichsweise gut übersteht. „Unsere grüne Lunge ist gut in Schuss“, freut sich Danilo Klaus.  

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen