Denkm alpflege : Großherzog liebte Eichen am Wall

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Parchimer Wallanlagen sollen als Kleinod erhalten bleiben / Denkmalpflegerische Zielstellung wird in Stadtausschüssen diskutiert

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26. November 2014, 10:39 Uhr

Wenn Karola Kimmen vom Fachbereich Grünanlagen der Stadt über die Wallanlagen spricht, kommt sie unwillkürlich ins Schwärmen. Der Reiz der rund fünf Hektar große Parkanlage am Rande der Parchimer Altstadt hatte sich bereits im 19. Jahrhundert über die Stadtgrenzen hinaus herumgesprochen. „Die Wallanlagen sind ein Schatz der Natur, der unbedingt erhalten bleiben muss“, meint Karola Kimmen. Selbst der Großherzog zu Mecklenburg  Friedrich Franz hatte sich um den Bestand der Anlage seinerzeit Sorgen gemacht. Er hat an den Parchimer Magistraten im Juni 1817 geschrieben und bezüglich der Umgestaltung der Hügel und Untiefen im Bereich der Parchimer Wallanlagen angemahnt: „Bei einer beabsichtigten Ebnung der Wälle sollen die dort vorhandenen schönen Eichen erhalten bleiben“. „Das ist bis heute eine Verpflichtung, würdevoll mit den Wallanlagen umzugehen“, hat Karola Kimmen vor wenigen Tagen den Stadtvertretern und sachkundigen Bürgern auf der Beratung im Stadtentwicklungsausschuss betont. Dafür spricht, dass das gesamte Areal unter Denkmalschutz gestellt wurde.

Bevor neue Maßnahmen zum Erhalt beschlossen werden können, haben Experten den Ist-Zustand unter die Lupe genommen. Dabei wurden nicht nur die stattlichen Eichen, sondern alle Bäume und Sträucher begutachtet. Der damit von der Stadt beauftragte Landschaftsarchitekt Andreas Webersinke aus Rostock, der bereits an Konzepten für den Neuen Friedhof in der Kreisstadt mitgearbeitet hat, brachte auch neue Erkenntnisse von seinen Recherchen in Archiven mit. Dazu gehört der bis dahin unbekannte Schriftverkehr zwischen der Stadt Parchim und dem Großherzoglichen Gartenbaudirektor Theodor Klett aus dem Jahr 1860. Er war maßgeblich an der Gestaltung  von Burggarten, Marstallhalbinsel sowie Alten Garten in Schwerin beteiligt und nahm nachweislich auch Einfluss auf die Umgestaltung der Wallanlagen in Parchim.

Für Karola Kimmen steht fest: Es gibt Handlungsbedarf. Als Beispiele nennt sie den Wildwuchs der Büsche im hinteren Bereich der Sparkasse, das Areal vis-a-vis der Feuerwache, das auch für Übungszwecke genutzt wird, und die Trampelpfade. In den Fokus sind auch die alten Eichen gerückt, die nach neusten Erkenntnissen mehr als 300 Jahre alt sein dürften. Ihr Erhalt hat für die einzigartige Parkanlage Priorität. Erste Erfolge konnten bei der Bewältigung des Nässe-Problems erzielt werden. Vorschläge gibt es inzwischen einige. Aus Sicht der Experten muss der Baumbestand neu geordnet und Wildwuchs beseitigt werden. Erneuerungsbedarf gibt es beim Hainbuchenbestand. Bodendecker sind für den Wurzelschutz unverzichtbar. Ersatzpflanzungen sind bei den Robinien angesagt. Karola Kimmen wirbt dafür, die Erlebbarkeit des Parkes zu erhöhen. „Dafür könnte der Bereich am Dragonerdenkmal aufgewertet und neue attraktive Sitzmöbel aufgestellt werden“, sagt sie. Die Chancen, dafür Fördermittel einzuwerben, stehen aus Sicht der Stadtverwaltung gut.

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