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Parchimer Zeitung

21. Oktober 2017 | 01:37 Uhr

Parchim : Großes Güllelager am Feldrand

vom
Aus der Redaktion der Parchimer Zeitung

Nach gerichtlicher Entscheidung zum privilegierten Bauen genehmigt der Landkreis auch Anlagen abseits der Bauernhöfe

von
erstellt am 15.Aug.2017 | 05:00 Uhr

Landwirte der Region investieren in neue Güllelager. Denn sie brauchen mehr Lagerkapazität. Nach der neuen Düngemittelverordnung der Europäischen Union (EU) haben die Bauern weniger Zeit, um Gülle und Gärreste auf die Felder zu bringen. Außerdem schreibt die EU vor, dass im Herbst weniger Dünger ausgebracht werden darf. Mehr Gülle muss bis zum Frühjahr eingelagert werden.

Ein neues Güllelager baut der Kastanienhof Schlieven derzeit am Feldrand neben der Bundesstraße zwischen Domsühl und Severin. Für diese Investition war aber auch eigener Antrieb der Auslöser, erklärt Prokurist Hans-Heinrich Rave. Die Bauern haben die Erfahrungen gemacht, dass der Stickstoff, der im Herbst ausgebracht wird, nur zur Hälfte von den Pflanzen aufgenommen werden kann. Im Frühjahr ist das günstiger. Im Laufe der Vegetation können die Pflanzen den Stickstoff verwerten.

In diesem Landwirtschaftsbetrieb in der Gemeinde Domsühl wird die Kapazität soweit erhöht, dass der organische Dünger statt bisher sechs künftig neun Monate gelagert werden kann. Der Kastanienhof baut deshalb sowohl auf dem eigenen Hof in Schlieven als auch am Feldrand an der Bundesstraße zusätzliche Lager.

Einen Güllebehälter habe man bereits außerhalb auf einem auch von anderen Gewerbebetrieben genutzten Gelände gebaut, erfuhr SVZ. Der Vorteil sei die Entlastung für die Anwohner. Die Güllefahrzeuge müssen so nicht im Frühjahr Tag und Nacht fahren, sondern rollen im Winter zu normalen Zeiten, erklärt Rave.

Das Güllelager an der Bundesstraße wollten die Schlievener bereits im vergangenen Jahr bauen. Allerdings hatte seinerzeit der Landkreis Ludwigslust-Parchim noch keine Baugenehmigung erteilt. Der Kreis schlug einen Aufschub der Entscheidung vor.

Denn es gab einen generellen Streitpunkt: Darf ein solches Güllelager abseits vom Hof in einem sogenannten Außenbereich errichtet werden? „Wir haben das zeitweise anderes gesehen“, sagt Andreas Wißuwa, Fachdienstleiter Bauordnung in der Kreisverwaltung Ludwigslust-Parchim. Ob ein solches Lager auch am Feldrand volle Privilegien besitzt, davon wollte sich der Landkreis erst einmal überzeugen lassen. Und strebte eine gerichtliche Klärung in einem anderen Fall ab.

Es ging hier um ein geplantes Güllelager in einem Ortsteil der Gemeinde Langen Brütz. Das Verwaltungsgericht Schwerin entschied, dass es laut Baurecht abseits des Hofes gebaut werden kann. Allerdings stehen momentan Einwände seitens des Naturschutzes – die Lage im Landschaftsschutzgebiet – einer Genehmigung entgegen, erfuhr SVZ aus der Baubehörde des Kreises.

„Für uns war das ein ganz großer Lernprozess“, sagt Wißuwa zur Genehmigung von Güllelagern außerhalb von Betriebshöfen. Landwirt Hans-Heinrich Rave verweist darauf, dass solche Lager im Landkreis Rostock bereits vorher genehmigt wurden. Zum Baurecht gebe es inzwischen nicht nur die gerichtliche Entscheidung aus Schwerin, sondern auch eine vergleichbare aus Niedersachsen.

Der ausgehobene Boden für das Fundament lässt etwas von der Größe erahnen, die das neue Lager bei Domsühl haben wird: Über 33 Meter sind es im Durchmesser, acht Meter in der Höhe. Das Fassungsvermögen soll 6495 Kubikmeter betragen, erklärt Andreas Wißuwa. Das sei momentan eine gängige Größe bei solchen Bauvorhaben, denn ab 6500 Kubikmeter müssen Investoren das aufwendigere baurechtliche Verfahren nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz durchlaufen.

Im Landkreis planen Bauern eine ganze Reihe von neuen Güllelagern, auch außerhalb der Höfe. Auf die Frage zum Schutz für die Umgebung erklärte Andreas Wißuwa: Die Lager müssen so abgedichtet werden, dass nichts in die Umwelt dringt. Sie sind auch mit Abdeckungen versehen. Entsprechend dem Eingriff in die Natur erhalten die Bauherren Auflagen für Ausgleichsmaßnahmen.

Hans-Heinrich Rave erklärt, dass eine Bepflanzung unmittelbar am neuen Standort vorgenommen wird. Hinter diesem Grün soll das Güllelager an der Bundesstraße aus dem Blickfeld verschwinden.


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