Slater Bahnhoffest : Großer Bahnhof für einen Tag in Slate

Die Macher des Festes: Der Kultur- und Sportverein Slate mit seinem Vorsitzenden Heinz Madauß (l.), sowie die Parchimer Eisenbahnfreunde und Rainer Gessert (r.). Christiane Großmann
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Die Macher des Festes: Der Kultur- und Sportverein Slate mit seinem Vorsitzenden Heinz Madauß (l.), sowie die Parchimer Eisenbahnfreunde und Rainer Gessert (r.). Christiane Großmann

Vor vielen Jahrzehnten schnauften noch Züge durch Slate. Die Eisenbahnära im Dorf ist längst Geschichte, dennoch feierten die Slater ein Bahnhofsfest. Dafür gab es einen Anlass:

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10. September 2012, 09:25 Uhr

Slate | Der seit Monaten sorgfältig ausgetüftelte Fahrplan für das Slater Bahnhofsfest drohte am Sonnabend ins Trudeln zu geraten. Doch Petrus zeigte doch noch ein Einsehen und verschloss seine Himmelsschleusen. Zur besten Kaffeezeit, klangvoll begleitet vom Slater Posaunenchor, ging es auf dem Platz zu wie auf dem Bahnhof. Dafür sorgten u. a. Roland Suppra, Wolfgang und Brigitte Kroll vom Freundeskreis historischer Eisenbahnuniformen Mecklenburg, die in ihrem Outfit eine eindrucksvolle Figur machten, sowie die Parchimer Eisenbahnfreunde. Pünktlich zum Fest hatte Stellmachermeister Erwin Bandow aus Garwitz sogar einen alten Gepäckwagen aufgemöbelt, auf dem sich am Sonnabend Dank zahlreicher Sponsoren die Tombolapreise regelrecht türmten. Die jüngsten Besucher, wie zum Beispiel der fünfjährige Ludwig Papenfuß und sein kleiner Bruder Friedrich (1), gingen mit Dampflokführer Frank Oltersdorf auf Kurzreise. Und Familie Rabe übernahm mit dem Bulldog den "Schienenersatzverkehr" .

Tatsächlich gab es einmal in dem kleinen Dorf am Sonnenberg eine Haltestelle: Vor genau 100 Jahren dampfte mit der Eröffnung der Strecke Parchim - Suckow erstmals ein Zug durch Slate. Zwar dauerte die Eisenbahnära nur kurze 35 Jahre, doch Ingrid Simon aus Parchim kann sich noch gut erinnern, einmal auf dem Weg zu Verwandten in Slate ausgestiegen zu sein. "Das muss so um 1946 oder 1947 gewesen sein", vermutet Ingrid Simon, die in Domsühl aufwuchs und viele schöne Ferientage bei Onkel und Tante in Slate verbrachte. Das Bahnhofsfest war für sie und ihren Mann Karl Simon ebenso wie für die gebürtige Slaterin Marie-Luise Berg und ihren Mann Fritz eine willkommene Gelegenheit, sich an alte Zeiten zu erinnern und dabei auch die wechselvolle Geschichte des einstigen Bahnhofsgebäudes nachzuempfinden.

Das 100 Jahre alte Haus ist mit seinem gepflegten Umfeld eine wahre Zierde im Dorf, was dem glücklichen Umstand geschuldet ist, dass dort zu allen Zeiten Leben herrschte, wie die mühevoll zusammengestellte Begleitausstellung zum Fest dokumentiert. Als ältestes Zeitzeugnis konnte hier am Sonnabend eine Ansichtskarte des Slater Bahnhofes aus der Zeit um 1915 präsentiert werden. Ingrid Simon, deren Vater Slater Wurzeln hatte, kramte sie schon vor Jahren hervor und stellte sie Ortschronistin Edda Schulz gern zur Verfügung. Ihre Sammlung zur Ortsgeschichte bekam am Sonnabend weiteren Zuwachs: Willy Voß aus Parchim wollte nicht mit leeren Händen zum Fest kommen und brachte zwei wunderschöne Aufnahmen aus der Zeit Mitte der Achtziger Jahre mit. Der leidenschaftliche Fotograf digitalisiert derzeit seine komplette Negativsammlung für eine Parchimer Serie ab 1960. Dabei stieß er auch auf seine Schnappschüsse aus jener Ära, in der die Slater Kinder ihr Domizil im Bahnhof hatten. Jürgen Liebenau traute seinen Augen nicht, als er das Foto genau unter die Lupe nahm: Inmitten der Kinderschar entdeckte er seinen Sohn Jan, damals vier, heute 30 Jahre jung und mittlerweile in Benningen am Neckar zuhause. "Unsere Slater haben in diesem Haus eine sehr behütete Kindergartenzeit gehabt", erinnert sich Gudrun Liebenau. Seit fünf Jahren ist es nun Heimstatt eines rührigen Kultur- und Sportvereins, der dieses Fest auf die Beine stellte und in dem auch regelmäßig platt snackt wird. Am Sonnabend amüsierte die Truppe um Waltraud Foltele, Ralf Niemann, Wolfgang Alsdorf, Nico Weigelt, Helga und Dieter Schulz mit einer Bahnhofsstory aus der Feder von Barbara Weigelt. Und weil die Premiere so schön war und endlich die Sonne hervorkam, gab es gleich noch eine zweite Aufführung.

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