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Abendvorstellungen in Parchim : Große Unruhe um das Theater

vom
Aus der Redaktion der Parchimer Zeitung

Sorgen um Abendvorstellungen: Theaterförderverein stellt Forderungen an Gesellschafter und Theaterleute

von
erstellt am 15.Nov.2017 | 05:00 Uhr

Keine Abendvorstellungen für Erwachsene mehr in Parchim? Theaterfreunde sind entsetzt. Mit einem Forderungskatalog wollen die Mitglieder des Fördervereins Spot an! des Jungen Staatstheaters jetzt Klarheit über die Lage des Standorts Parchim.

Gerüchte machen in der Kreisstadt die Runde, dass das Parchimer Ensemble künftig nur noch als Kinder- und Jugendtheater fungieren und für die Erwachsenen abends der Vorhang zu bleiben solle. Diese Befürchtungen bestimmten die Diskussion der jüngsten Sitzung des Fördervereins.

Vorsitzender Wolfgang v. Rechenberg lobte die gute Arbeit des Parchimer Ensembles, aber „man sei beunruhigt über die Zukunft des Hauses und über den Umbruch im künstlerischen Bereich“. Seit Wochen seien Gerüchte im Umlauf, dass etliche Schauspieler die Bühne wechseln wollen und der Vertrag für die Dramaturgin nicht verlängert werde. Es gebe eine „Neuorientierung des Theaters“ in Parchim. Klar war allen, dass in Personalentscheidungen nicht eingegriffen werden könne, „aber stimmt es, dass die neue Dramaturgin aus Nordhausen kommt?“, wurde gefragt. Auch der Generalintendant des Mecklenburgischen Staatstheaters Lars Tietje war unter anderem in Nordhausen tätig.

Wichtiger war den Mitgliedern die Frage nach der künftigen Struktur und ob es weiter Theater für alle Altersgruppen geben wird, unabhängig von der Fritz-Reuter-Bühne.

Jessica Warnke-Stockmann, selbst im Laientheater Pütter Bretter aktiv, meinte, dass es auch für die Schauspieler keine Zukunft geben würde, wenn sie „nur“ für Kinder spielen würden. Katrin Hahlbeck von der Marnitzer Schule verwies auf die Wichtigkeit der Parchimer Bühne als „Bildungsfaktor, denn es gäbe ja Verträge mit immerhin 12 Schulen“ und forderte auch Theater für Erwachsene. René Koslowski fragte, ob man „auf Augenhöhe verhandelt und die Verträge eingehalten werden?“ Nicht nur er befürchtete an diesem Abend, dass das Parchimer Haus „untergebuttert“ werden könnte.

Intendant Thomas Ott-Albrecht bestätigte, dass die nächste Spielzeit ein „massives Personalproblem“ mitbringt. Eine Schauspielerin ist schwanger und vier werden an andere Bühnen gehen. Um aber die Fortführung der geplanten Inszenierungen zu sichern, ist die Intendanz dran. „Wir bemühen uns um neue Schauspieler.“ Mit Betül Okur, die in Familie Braun debütierte und im aktuellen Weihnachtsmärchen zu sehen ist, sei bereits der Grundstein dafür gelegt. Ensemblemitglieder wie Martin Klinkenberg betonten, „dass für einen Schauspieler die Chance, in Parchim zu spielen, doppelt so hoch ist, wenn sie auch in Abendprogrammen mitwirken können. Wir lernen auch dadurch.“

Im letzten Akt dieses Abends wurde ein Forderungskatalog aufgestellt, der an alle Beteiligten, also an die Gesellschafter, den Aufsichtsrat und den Generalintendanten gehen soll. Bis zum 15. Januar 2018 sollen die widersprüchlichen Informationen für die künftige Theaterstruktur aufgeklärt werden. „Es ist völlig unverständlich, warum gerade jetzt dieser Umbruch stattfinden soll“, so der Fördervereinsvorstand. Am 15. Januar 2018 jährt sich die Sperrung des großen Saales zum vierten Mal.

Der Generalintendant sowie der Bürgermeister der Stadt Parchim sowie alle anderen Verantwortlichen sollen daran erinnert werden, dass sie zu Parchim als Produktionsstandort für Kinder- und Erwachsenenstücke stehen.

Nach unbestätigter Information unserer Zeitung soll sich der Landrat Rolf Christiansen dafür ausgesprochen haben, zumindest bis zur Übernahme der neuen Produktionsstätte Elde-Mühle, auch weiterhin Erwachsenenstücke zu inszenieren. Seitens des Staatstheaters waren gestern keine Informationen zu bekommen.


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