Unterschriften gegen Windkraftanlagen : Groß Godemser: „Wir wollen hier nur in Ruhe leben“

Joachim Cording mit Tochter Diandra und Frau Malgorzata und Christian Rönsch (v.l.) zeigen auf den möglichen Standort der Windkraftanlagen in Groß Godems.
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Joachim Cording mit Tochter Diandra und Frau Malgorzata und Christian Rönsch (v.l.) zeigen auf den möglichen Standort der Windkraftanlagen in Groß Godems.

In wenigen Tagen sammelten Groß Godemser mehr als hundert Unterschriften gegen Mammut-Windräder

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03. Juni 2016, 05:00 Uhr

Auf den ersten Blick ist die Lage widersprüchlich: 2013 votierten die Groß Godemser mehrheitlich für Windkraftanlagen. Jetzt haben Bürger in drei Tagen mehr als hundert Unterschriften gegen den Bau solcher Anlagen gesammelt. „Bisher dachten alle, die Windräder sind 85 Meter hoch. Nun wissen wir, die Türme sollen 230 Meter hoch sein. Das hat die Gemeinde nie so erklärt. Würde man jetzt die Bürger fragen, wäre das Ergebnis anders“, sagt Joachim Cording.

Der Groß Godemser macht mit Frau, Tochter und anderen Einwohnern mobil gegen die Anlagen. Gemeinsam haben sie im Ort und in Nachbargemeinden seit Anfang der Woche mehr als hundert Unterschriften gegen den Windpark gesammelt. Sie setzen darauf, dass Bürger beim Amt Parchimer Umland Einwendungen gegen den entsprechenden Bebauungsplan geltend machen, was nur noch bis Montag, 6. Juni möglich ist.

Die Lage in Groß Godems unterscheidet sich von anderen Gemeinden. Denn die Region ist derzeit kein Eignungsgebiet für den Bau von Windanlagen. „Wir haben eine Stellungnahme beim Regionalen Planungsverband Westmecklenburg abgegeben und um Aufnahme als Eignungsgebiet gebeten. Jetzt warten wir ab“, erklärt Bürgermeister Lothar Barsuhn. Ein zweiter Weg, die Windkraft ins Dorf zu holen, wäre ein Zielabweichungsverfahren für Windräder außerhalb der Eignungsgebiete. Dieses Vorgehen sieht der Planungsverband skeptisch, es ist ohnehin an diverse Voraussetzungen geknüpft. Eine kann der bundesweite innovative Charakter der Anlagen sein. Das wäre in diesem Fall ausgerechnet die Höhe.

Bürgermeister und Gemeindevertreter versprechen sich von den Einnahmen den Weg aus der Schuldenfalle, denn die Windräder sollen auf gemeindeeigenem Land gebaut werden. Barsuhn verspricht, die Grundsteuern zu senken, sollten die Einnahmen kommen. Obendrein werde es ein so genanntes Bürgerwindrad geben, an dem Gemeinde und Einwohner Anteile halten und damit auch am erzeugten Strom verdienen. Bürgermeister Lothar Barsuhn: „Die Anteile der Bürger, nach jetzigem Stand 1000 Euro pro volljährigem Einwohner, würde die Betreibergesellschaft sogar vorschießen.“

Joachim Cording hält dagegen: „Das Wort Lebensqualität kommt in keinem Schreiben des Bürgermeisters vor. Gerade dafür setze ich mich ein, die Ruhe, die gute Luft, die Artenvielfalt der Natur, eben das gute Gefühl, in Groß Godems zu Hause zu sein. Wir wollen hier nur in Ruhe leben. Gegen Pholtovoltaik haben wir gar nichts.“ Der Groß Godemser bringt neben Schattenwurf, blinkenden Warnlampen und Wertverlust der Grundstücke auch gesundheitliche Beeinträchtigungen wie Infraschall in die Diskussion ein. Auch gebe es kein Brandschutzkonzept. Von Joachim Cording beauftragte Anwälte haben zudem diverse Fehler entdeckt. So sei die öffentliche Bekanntmachung zum Bebauungsplan fehlerhaft. Zudem widerspreche die Bauleitplanung den Zielen der Raumordnung, weil für Groß Godems aktuell keine Windkraft-Eignungsgebiete ausgewiesen seien. Gegen die Eignung führt die Kanzlei Natur- und Tierschutzgründe an. Tierschützer haben Rotmilane gesichtet. Schwer wiege, dass der Abstand des Energieparks zur Wohnbebauung nicht festgestellt werde: „Nachteilige gesundheitliche Auswirkungen auf die Gemeindebewohner sind sehr wahrscheinlich.“ Schallemmissionsgutachten und Schattenwurfprognosen würden ebenfalls fehlen.

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