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Kunstwerke in MV : Grenzen gefallen, Relief ist geblieben

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Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Vor 32 Jahren entstand in der Keramischen Werkstatt von Hans Dieter Nixdorf ein Kunstwerk für die Raststätte in Stolpe / Trotz zahlreicher Umbauten ist es noch immer da

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erstellt am 08.Okt.2014 | 12:00 Uhr

Oktober 2014. Gerade fand in Hannover die offizielle Feier anlässlich des 25. Jahrestages des Mauerfalls und des 24. Jahrestages der Deutschen Einheit statt. Die Schweriner Volkszeitung begibt sich mit Hans-Dieter Nixdorf auf eine Zeitreise. Denn der Bützower hat seine ganz eigene deutsch-deutsche Geschichte zu erzählen.

Von Bützow geht es über Mestlin und Parchim in Richtung Autobahn 24. Ziel ist die Raststätte Stolpe. Dort hat der heute 78-Jährige im Frühjahr diesen Jahres etwas entdeckt, das Teil seiner ganz persönlichen aber auch Teil der deutschen Geschichte ist, als das Land noch zweigeteilt war.


Auftragswerk für die West-Autobahn


Rückblende: Im Dezember 1971 unterschreiben die BRD und die DDR ein so genanntes Transitabkommen. Dieser Vertrag führt in der Folge auch zum Ausbau der Autobahn Hamburg–Berlin auf dem Territorium der DDR. Mit dem Bau war bereits in den 1930er-Jahren in der Hamburger Region begonnen, aber später durch den Zweiten Weltkrieg und die folgende Teilung Deutschlands nicht fortgeführt worden.

Westdeutsche, die nach Westberlin wollen und umgekehrt, fahren auf so genannten Transitstrecken, meistens Fernstraßen. Die neue Autobahn 24 soll die Verbindung zwischen Hamburg und Westberlin erleichtern. Die A 24 wird durch DDR-Betriebe errichtet, aber größtenteils von Westdeutschland bezahlt und 1982 fertiggestellt. Die Raststätte Stolpe ist eine der wenigen Haltepunkte zwischen Hamburg und Berlin, die von den westdeutschen Transitreisenden angefahren werden darf.

Oktober 2014: „Da ist es “, sagt Hans-Dieter Nixdorf, als wir einen kleinen Raum im Eingangsbereich der Raststätte betreten. Eine Spielecke ist eingerichtet, zwei elektrische Massagestühle stehen daneben und ein großes Werbeplakat. Doch Nixdorf zeigt auf das Relief, das an der Wand hängt. Ein Mitarbeiter hilft, die Stühle, das Spielhaus und das Plakat zur Seite zu stellen, um Platz zu schaffen für ein Foto. Denn das Relief ist in der Werkstatt von Dieter Nixdorf entstanden. Das liegt jetzt 32 Jahre zurück. Dass es die Wende und mehrere Umbauten „überlebt“ hat, ist für den Bützower immer noch ein Wunder.

„Ja, es war halt da“, bestätigt der Mitarbeiter, genauer betrachtet habe man es eigentlich nicht. Nixdorf hat ganz andere Erinnerungen. „Das war hier der Gastraum, dort stand ein Tresen“, gehen seine Erinnerungen zurück an jene Zeit Anfang der 1980er-Jahre.


Republikflucht und ungewollte Wiederkehr


Damals hatte er sich mit seiner Keramikwerkstatt gerade selbständig gemacht. „Das war hier mein erstes Auftragswerk.“ Bis dahin lag schon ein langer beschwerlicher Weg hinter Nixdorf.

1936 in Bützow geboren, erlernt er in der Ofenfabrik Schacht den Beruf eines Keramikformers, von 1952 bis 1955. Nach einem Besuch bei Verwandten in Hamburg bleibt er in Westdeutschland, findet schnell eine Arbeit beim Keramiker Gustav Grimm in Hamburg-Schnelsen. Doch vier Jahre später folgt er dem Hilferufen der jüngeren Schwester, da der Vater in Bützow erkrankt ist. Er kehrt zurück, will nur alles regeln und dann wieder nach Hamburg. Doch daraus wird nichts.

Der „Republikflüchtling“ hat es in den folgenden Jahren nicht leicht, wie Nixdorf erzählt, eckt immer wieder mit seiner offenen Art an. Schließlich folgt der Entschluss Ende der 1970er-Jahre, sich als Töpfer selbständig zu machen. Trotz aller Widerstände gelingt ihm das. Zunächst in Baumgarten, später An der Bleiche in Bützow. Nixdorf erzählt von Material, das es nur auf Zuteilung gibt, von einem Deal mit einem Tonlieferanten und von vollen Auftragsbüchern. „Auch wenn es nicht leicht war und ich immer wieder Ärger hatte. Es waren meine schönsten Jahre.“

Die enden mit der Wende. Keiner will mehr die Ware des Handwerksmeisters. Die beiden Kunsthandwerkergeschäfte in Rostock und Schwerin, die ihm zuvor mit Kusshand seine Waren abgenommen haben, melden sich nicht mehr. 1993 hält er die Töpferscheibe für immer an. Verbitterung schwingt in den Worten von Hans-Dieter Nixdorf mit, wenn er davon erzählt.

Das Besondere an dem Relief in Stolpe ist vor allem, dass der Künstler auch den Namen der Werkstatt erwähnt hat. „Das ist nicht selbstverständlich und eher selten.“ Winfried Wolk habe es gemacht.

Als wir die Raststätte verlassen, steht dort ein alter Wartburg, schön hergerichtet, noch mit rundem Dach. Es gibt nicht mehr viele davon. Auf der Autobahn nebenan rollt der Verkehr von Hamburg nach Berlin ohne Grenzen und Transitgebühren ...

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