Görslow : Goldschnäpel fürs Ostermenü

Fischermeister Guido Thies präsentiert voller Stolz einen seiner prächtigen Goldschnäpel.
Fischermeister Guido Thies präsentiert voller Stolz einen seiner prächtigen Goldschnäpel.

Weltweit einzigartig: Görslower Fischereibetrieb gelingt Nachzucht einer Rarität. Rund 1000 Quellen schon von Mönchen genutzt

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27. März 2018, 12:00 Uhr

Karwoche ist Fischwoche und an dieser Jahrhunderte alten religiösen Tradition im Zeichen des Fastens halten auch die Mecklenburger weiter fest. „Abgesehen von Weihnachten und Silvester kommt zu keiner Zeit so viel Frischfisch auf den Tisch wie am Karfreitag und während der Osterfeiertage. Darauf sind wir natürlich eingestellt“, versichert Fischermeister Guido Thies, Inhaber des Fischereibetriebes Bimes. Mit seinen Mitarbeitern bewirtschaftet er 31 Seen, Flüsse und drei Teichanlagen in ganz Mecklenburg-Vorpommern.

Rund 1000 unterirdische Quellen, die vor Jahrhunderten bereits von Mönchen für die Fischaufzucht verwendet wurden, liefern bis heute das kristallklare unbelastete Nass für die Teichwirtschaft und Aquakultur. „Es ist ein Schatz aus dem wir sogar Gold machen“, scherzt Guido Thies, der bodenständig wie seine Vorfahren in der elften Generation das Fischerhandwerk fortführt. Was er dann mit dem Kescher aus einem seiner Spezialbehälter holt, treibt auch dem 66-Jährigen den Stolz ins Gesicht. Ein Fisch mit leicht golden schimmernden Schuppen wie aus dem Märchen entpuppt sich als „Gold-Schnäpel“, den er inzwischen hundertfach und noch immer weltweit einmalig als Mutation des Wildbestandes in Frauenmark herangezogen hat. Diese „Laune der Natur“ setzt dem landesweiten Projekt „Rettung des Ostseeschnäpels“, das seit Jahren mit maßgeblicher finanzieller Unterstützung des Landes in mehreren Fischereibetrieben erfolgreich umgesetzt wird, die Krone auf. „Die Fische sind einfach lecker. Vor allem in der Schweiz und im Nachbarbundesland Schleswig-Holstein habe ich inzwischen viele Abnehmer. Vor Ort muss es sich noch rumsprechen, dass es Alternativen für Forellen, Karpfen und Barsch vorwiegend aus Aquakulturen gibt“, meint Guido Thies. Bei ihm durchleben die Schnäpel – von der Fischbrut bis zum Jungfisch – auch ihre Kinderstube. In dieser Woche zogen mehrere zehntausend etwa fünf Millimeter kleine Schnäpel um in die Aufzuchtnetze im Cambser See. Nach rund anderthalb Jahren haben sie das Verkaufsgewicht von etwa 300 Gramm erreicht.

Wer sich diesmal in der Karwoche einen Ostsee-Schnäpel oder andere Schuppentiere frisch aus dem Frauenmarker Teichwasser holen möchte, ist bei Fischer Thies täglich ab 8 Uhr willkommen.

Großmaräne: Der Ostseeschnäpel

Der Ostseeschnäpel (Coregonus maraena), auch als Maräne oder Rindling bezeichnet, ist ein Fisch aus der Familie der Lachsfische, der zur Gattung der Felchen, Renken oder Maränen (Coregonus) gehört. Der bis 1,20 Meter lange Fisch kommt an der vorpommerschen Boddenlandschaft der Ostseeküste Mecklenburg-Vorpommerns vor. In den 1930er Jahren wurde der Schnäpel unter dem Namen Steinlachs zum Modefisch in gehobenen Restaurants . In der DDR-Küstenfischerei verlor der Schnäpel an Bedeutung und fand als Beifang kaum Verwendung. In den 1980er und 1990er Jahren ging der Bestand dramatisch zurück. Durch Aufzuchtprogramme in Aquakulturen konnte er gerettet werden. Mit Unterstützung des Landwirtschaftsministeriums wird seit 2009 in Frauenmark die Zucht des Ostseeschnäpels systematisch aufgebaut. Aus zunächst 200 Kilogramm Ertrag wurden im Vorjahr acht Tonnen dieser Großmaräne. 2005 präsentierte die Bimes erstmals goldene Schnäpel als Gourmetfisch.
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