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Parchimer Zeitung

23. Oktober 2017 | 00:40 Uhr

Ernte : Godemser Gras geht um die Welt

vom
Aus der Redaktion der Parchimer Zeitung

Saat wird international vermarktet / Anbautradition im Parchimer Umland reicht zurück bis in die 1920er-Jahre

von
erstellt am 19.Jun.2014 | 12:37 Uhr

Grassaat aus dem Parchimer Umland geht um die Welt: Auf trockenen und nährstoffarmen Feldern der Region wird seit Jahrzehnten Schafschwingel angebaut - ein Gras, das als Saatgut international vermarktet wird. Die Landerzeugergemeinschaft Groß Godems hat die Ernte abgeschlossen.

Jochim Pahl steigt zufrieden vom Mähdrescher. „Dieses Jahr gibt es eine Top-Ernte.“  Dabei hat der Laie den Eindruck, die Ernte ist hin. Auf dem Acker steht kaum ein Halm gerade, fast alle Gräser haben sich tief geneigt. Doch genau so muss es sein, erfährt SVZ von Jochim Pahl. Dadurch kann der Wind nicht die reifen Samen vom Halm wehen. Dann wäre die Saat  für die Ernte verloren. Vor zwei Jahren wurden der Schafschwingel auf diesem Feld zusammen mit Roggen ausgesät. Das Getreide kam im vergangenen Jahr vom Halm, die Grassaat in diesem Sommer.

„So einen wunderbaren Bestand hatten wir lange nicht“, sagt Ulrich Voß, der ehemalige Vorsitzende der Godemser Genossenschaft. Von ihm hatte der heutige Chef auf dem Acker Jochim Pahl auch das Signal bekommen, mit der Ernte zu beginnen.

Als er 2004 den Betrieb übernommen hatte, wurde bereits Schafschwingel angebaut – nur mit zwei Jahren Unterbrechung, als die Preise im Keller waren, erinnert sich  Ulrich Voß. Mit einem neuen Partner für die Saaten lohnte sich die Anbau wieder. Diese Kultur gehöre auf die leichten Böden. „Sie bringt sehr viel organische Substanz in den Boden“, sagt Voß. Schafschwingel  sei ein zähes, robustes Gras, das z.B. an Böschungsanlagen aber auch in Dürregebieten zum Einsatz kommt.

Hans-Joachim Lübcke, Landwirt in Siggelkow, weiß, dass sogar schon in den 1920er-Jahren auf den Feldern der Region Schafschwingel angebaut  wurde. Man erzählt sich, die Saat wurde nach Australien exportiert, um in der kargen Landschaft Futter für Schafe anzubauen.

Die Anbau-Tradition in Siggelkow blieb über die DDR-Zeiten bis heute bestehen. Die teils für den Export bestimmten Grassamen wurden gut bezahlt, erinnert sich Lübcke an die Vorwendezeit. Sie boten den Landwirten eine gute Einnahmequelle, bevor die Mahd des Getreides  begann.

Die alte Geschichte, dass Schafschwingel aus Mecklenburg zum Futter für Kängurus in Australien werden könnte, wird in der Region noch heute erzählt. SVZ fragte beim Vermarkter der Saaten nach. „Das von den Landwirten, wie von Herrn Pahl, vermehrte und von unserer Firma aufbereitete Saatgut wird international vermarktet. Schafschwingel ist auch nur eine unter vielen verschiedenen Gräserarten, die wir produzieren“, so Niko Rahn von Rudloff Feldsaaten in Seeretz.  Schafschwingel finde   deutschlandweit Verwendung in Saatgutmischungen für trockene Lagen, die nicht zur Nutzung - sprich  Verfütterung – vorgesehen sind.

Australien sei kein eigentlicher Zielmarkt der Firma Rudloff, auch wenn es durchaus sein könne, dass hier vermehrtes Saatgut durch den internationalen Handel nach Australien gelangt, so Rahn. „Ob Kängurus Schafschwingel fressen, wissen wir auch nicht, könnten es uns aber gut vorstellen, da der Schafschwingel dort auch sehr gut wächst.“ 

Auf  36 Hektar wurde in Groß Godems Schafschwingel angebaut und in dieser Woche die Saat geerntet - eine relativ kleine Fläche. Aber der Einsatz des Mähdreschers war zugleich ein Art Testlauf für die bald folgende Ernte der Wintergerste.

 

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