Windenergie : Godems hofft auf Bürger-Windrad

Bürgermeister Lothar Barsuhn mit Jana Priehn im Bauamt Parchimer Umland vor einer Karte aus dem Bebauunungsplan. Vier Windräder nahe der Autobahn sind eingezeichnet.
Bürgermeister Lothar Barsuhn mit Jana Priehn im Bauamt Parchimer Umland vor einer Karte aus dem Bebauunungsplan. Vier Windräder nahe der Autobahn sind eingezeichnet.

Einwohner und Gemeinde sollen von geplantem Windpark profitieren / Allerdings muss die Kommune noch einige Hürden nehmen

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09. März 2016, 12:00 Uhr

Verkehrte Welt in Groß Godems? Während sich etliche andere Kommunen mit Händen und Füßen gegen die Errichtung von Windrädern wehren, müssen die Godemser darum kämpfen, dass ihr Bürgerwindrad und weitere drei Anlagen errichtet werden dürfen. Laut Entwurf des Regionalen Planungsverbandes für Westmecklenburg ist für diese Gemeinde kein Windeignungsgebiet vorgesehen. Jetzt sind die Stellungnahmen der Kommunen gefragt. Die Godemser werden sich erneut pro Windkraft positionieren und hoffen auf Änderung des Planentwurfs. Gleichzeitig bereiten sie die Bauleitplanung vor.

„Es wird kein Selbstläufer“, sagt Bürgermeister Lothar Barsuhn. „Wenn es funktioniert, dann ist die Gemeinde schuldenlos und hat auf viele Jahre einen ausgeglichenen Haushalt.“ Wie das funktionieren soll, erklärt Barsuhn an den mit dem Investor aus Schleswig-Holstein ausgehandelten Verträgen. Das Grundstück, auf dem vier Windräder errichtet werden sollen, gehört der Gemeinde. Ausgemacht ist, dass die Kommune für jedes von drei Windrädern 60 000 Euro Pacht im Jahr erhält. Die Hälfte davon soll Groß Godems in Vorauszahlung für zehn Jahre kassieren. Damit kann der Anteil der Gemeinde an der vierten Anlage, dem Bürgerwindrad, finanziert werden. Und die Kommune kann gleichzeitig ihre Schulden begleichen.

Das Bürgerwindrad soll zur Hälfte der Kommune gehören und zur Hälfte den Einwohnern der Gemeinde. Jeder Erwachsene kann einen Anteil von 1000 Euro erwerben. Wer das Geld nicht aufbringen kann, dem bietet der Investor einen Kredit an. Die Tilgung erfolgt allein mit den Einnahmen aus dem Windstrom.

Die Godemser haben bei ihren Verhandlungen Erfahrungen aus anderen Gemeinden in den Vorjahren mit Windpark-Investoren berücksichtigt. Aus den Fehlern wollen sie lernen. Eine Aufgabe: Der Sitz der Gesellschaft soll in der Gemeinde bleiben, Risiko für die Kommune minimiert werden. Es gibt deshalb eine Betreiber- und eine Infrastrukturgesellschaft. In letzterer wird ein Pool mit allen vier Windrädern gebildet. Wenn eine Anlage ausfallen sollte, werde das Risiko auf alle vier verteilt. Die Gemeinde sitzt mit in der Gesellschaft. Ein Mitspracherecht wird auch garantiert, falls Investoren verkaufen wollen, erfährt SVZ.

Derzeit wird der Flächennutzungsplan der Gemeinde angepasst. Der Vorentwurf des B-Plans Energiepark der Gemeinde Groß Godems, nördlich der Autobahn, stand Bürgern und Trägern öffentlicher Belange zu r Einsicht und Stellungnahme bereit. Zwei Nachbargemeinden, Tessenow und Stolpe, haben sich gegen das Projekt ausgesprochen. Alle Kritiken werden abgewogen. Wenn sich die Gemeindevertretung Groß Godems damit beschäftigt hat, geht es in die nächste Runde der Bauleitplanung. Bei den Standorten der Windräder, die auf den Plänen eingezeichnet sind, wird laut Unterlagen der Abstand von 1000 Metern zu nächsten Siedlungen in den Gemeinden Groß Godems und Karrenzin eingehalten. Vorgesehen sind Anlagen mit einer Gesamthöhe von 230 Metern.

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