Hilfe für Kranich : Glücksvogel aus dem Pech geholfen

Tierarzt Thomas Merker (l.), Auszubildende Sabrina Klehn (2.v.r.) und Manuela Paulmann (r.) von der Passower Tierarztpraxis bei der Untersuchung des Jungkranichs. Heinz Kriesel (2.v.l.) kümmert sich um die verletzten Wildtiere in Kläden.  Fotos: michael-günther bölsche
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Tierarzt Thomas Merker (l.), Auszubildende Sabrina Klehn (2.v.r.) und Manuela Paulmann (r.) von der Passower Tierarztpraxis bei der Untersuchung des Jungkranichs. Heinz Kriesel (2.v.l.) kümmert sich um die verletzten Wildtiere in Kläden. Fotos: michael-günther bölsche

Am Koppelzaun Hüftgelenk ausgekugelt / Tier überstand Operation gut / Vogel wird wieder aufgepäppelt

svz.de von
16. Juli 2014, 14:57 Uhr

Ausgerechnet ein Vogel des Glücks im Pech: Ein Kranich hatte sich in Neuhof bei Dobbertin in einem Koppelzaun verletzt. Dank des Einsatzes von Tierfreunden und einer Operation in der Tierarztpraxis Merker in Passow kann der stolze Vogel nun wieder hoffen, auf seine gefiederten Freunde zu treffen. Es war bereits am Sonntag, als Spaziergänger das Tier kopfüber an einem Koppelzaun entdeckten. Da dieser Zaun mit einem Stacheldraht versehen war, hatte sich ein Metallstück bereits in seinen Fußansatz gebohrt. Wie lange sich der Vogel dort bereits verfangen hatte, war nicht bekannt. Vermutlich hatte das Jungtier, welches mit den Beinen voran zum Landeanflug ansetzt, den Koppelzaun übersehen. Die Finder, die nicht genannt werden wollen, informierten Heinz Kriesel, der früher einmal die SOS-Station zur Rettung von Wildtieren in Kläden betreute. Zwar existiert der entsprechende Verein nicht mehr, doch Heinz Kriesel kümmert sich ehrenamtlich weiter um verletzte Tiere, falls es nötig wird.

Vorsichtig entnahm Kriesel den Jungkranich aus dem Zaun und sah sich das Tier näher an. „Es scheint eine Verletzung am Kniegelenk zu sein, dazu die blutende Wunde am Fuß –der Vogel kann so nicht mehr überleben“, lautete seine Einschätzung. Zu Hause in Kläden versorgte er das verletzte Bein, schiente es und reinigte die blutende Wunde. Anschließend informierte er am Montag die Behörden. So rief er nach seinen Angaben im Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie, beim Landwirtschaftsministerium, in der Kreisverwaltung und beim Amt Goldberg-Mildenitz an. Stets fühlte sich keiner zuständig und Geld für die tierärztliche Versorgung sei auch im Finanzplan nicht vorhanden, hieß es unisono. Was also tun, um dem Tier zu helfen? Laut dem Paragrafen 44, Absatz 1, Punkt 1 des Bundesnaturschutzgesetzes ist es verboten,  „wild lebende Tiere der besonders geschützten Arten nachzustellen, … oder ihre Entwicklungsformen aus der Natur zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören.“ Im nächsten Paragrafen, Absatz 5 heißt es, „abweichend von den Verboten des § 44 … ist es ferner zulässig, verletzte, hilflose oder kranke Tiere aufzunehmen, um sie gesund zu pflegen. Die Tiere sind ... freizulassen, sobald sie sich selbständig erhalten können.“

Auf diesen Paragrafen berufend nahm Kriesel nun selbst das Zepter in die Hand. Er suchte und er fand zum Glück auch einen Sponsor, der anonym bleiben will und die Arztrechnung übernimmt. In der Tierarztpraxis in Passow untersuchte Thomas Merker den Vogel und zeigte sich erstaunt über den guten allgemeinen Zustand des Tieres. Die Wunde am Fuß war gut gepflegt worden und die Schwellung deutlich zurück gegangen. Doch Sorgen bereiteten dem Experten der Bereich des Knies, welches sich bei Vögeln unterhalb der Schwinge im Gefieder versteckt befindet. Ohne eine Röntgenaufnahme ist keine klare Diagnose möglich. So wurde das Tier mit einem Spezialmittel narkotisiert. „Das ist ein Mittel aus verschiedenen Substanzen, die der Vogel gut vertragen kann“, hieß es, Tierärztin Daniela Führs war deshalb mit dem Kreislauf des gefiederten Patienten sehr zufrieden.

Das Röntgenbild zeigte, dass die Verletzung nicht das Knie betraf, sondern dass der Vogel sich das Hüftgelenk ausgekugelt hatte. „Der Oberschenkelkopf ist aus der Hüftgelenkpfanne rausgesprungen und dieser Kopf muss wieder zurück“, erzählt Thomas Merker. Das Problem dabei war, den Kopf in der Pfanne zu behalten, denn das haltende Bindegewebe war beschädigt. „Ich versuche die Gelenkkapsel wieder zu rekonstruieren, die bei dem Vogel gerissen ist, das ist die Chance“, so Merker weiter. Eine andere Methode, eine Art Fixierung, sei nicht möglich, da sich unmittelbar in der Nähe die Niere befinde. Sofort begann die Operation, die der Experte bislang an einem Kranich auch noch nicht ausgeführt hatte. Nach einigen Stunden die erlösende Nachricht: “Der Kranich hat die Operation gut überstanden, er ist bereits aufgewacht und ich bin zuversichtlich, dass er eines Tages wieder mit seinen Artgenossen unterwegs sein wird“, freute sich der Tierarzt. Die nächsten Wochen muss er mit einer Schiene leben aber er die Chancen für eine Heilung stehen gut.

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