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Stadtentwicklung : Giebelhaus inspiriert Stadtplaner

vom
Aus der Redaktion der Parchimer Zeitung

Nach erster Entwurfswerkstatt werden konzeptionelle Idee aufs Papier gebracht / Beispiel für transparente Projektentwicklung

von
erstellt am 29.Sep.2014 | 11:13 Uhr

Bei einem Spaziergang durch das alte Parchim fällt der Blick am Alten Markt unwillkürlich auf die Fassade eines mehrstöckigen Backsteinhauses. Und sie gibt diesem prägenden Gebäude des Stadtensembles auch den Namen. Das es sich beim Giebelhaus um eines der ältesten Bauwerke in der heutigen Kreisstadt handelt, lässt sich erahnen. Wer mehr darüber erfahren will, entdeckt am so genannten Längsbau zur Straße Am Marstall neben einem Emailleschild mit dem Logo „Denkmal“ eine kleine Hinweistafel, die ebenfalls Jahrzehnte alt sein dürfte. Aufgelistet sind Informationen zum Haus in der Straße des Friedens 55/Ecke Marstall (nach der Wende in Lindenstraße/Am Marstall umbenannt). Danach stammt der Längsbau (Marstall) aus dem Jahr 1604. Der Giebel wurde um 1650 im Stil der flandrischen Renaissance erbaut. Im Obergeschoss weist jeder zweite Ständer eine Fußstrebengestaltung mit Voll- und Halbsonnen auf, die typisch für das letzte Viertel des 16. Jahrhunderts waren. Das alles und noch weitere Details brachten das Giebelhaus bereits in DDR-Zeiten auf die Kreisdenkmalliste.

Parchim tut sich seit Jahren schwer mit diesem Erbe. Einig sind sich Denkmalpfleger, Planer und Stadtvertreter, dass dieses Gebäude unbedingt erhalten werden muss. Unterschiedliche Meinungen gibt es über eine sinnvolle Nutzung. Da war schon vor Jahren die Idee geboren worden, das Giebelhaus und angrenzende Gebäude als neuen Standort für das Museum  zu nutzen. Doch dafür fehlten der Stadt die Millionen.

Hinter den Kulissen wurde weiter nach sinnvollen und realisierbaren Lösungen gesucht. Kürzlich hatte die Stadtverwaltung zu einer Entwurfswerkstatt eingeladen. In drei Arbeitsgruppen haben freie Architekten und zwei Stadtplanungsbüros zusammen mit dem Bürgermeister und Experten der Stadtverwaltung über konzeptionelle Ideen und Planvorschlägeberaten. „Das war für alle Beteiligten sehr aufschlussreich“, ist Heike Scharf, die das Sachgebiet Stadtplanung leitet, zufrieden. Sie ist sich sicher, dass diese relativ neue Methode, die bereits beim Thema „Energetische Sanierung Auf dem Boock“ Premiere hatte, die Stadtentwicklung voranbringt und relativ schnell zu Ergebnissen führt.

Für die Teilnehmer der Entwurfswerkstatt geht die Arbeit nun erst richtig los. Fest steht, dass das Giebelhaus – es gehört zum Sanierungsgebiet „Östliche Altstadt“ im Jahr 2020 aus der Städtebauförderung entlassen wird. Damit steigt der Zeitdruck, denn nur mit kurzfristigen Maßnahmen kann sichergestellt werden, dass Fördergelder zur Verfügung stehen und die Pläne in den kommenden sechs Jahren umgesetzt werden.

In den Fokus ist inzwischen eine von den Stadtvertretern bereits im Frühjahr bestätigte Variante, dass im Giebelhaus ein „kooperatives Bürgerbüro“ als zentrale Anlaufstelle für Bürger des Landkreises Ludwigslust-Parchim und der Kreisstadt einziehen soll, gerückt.

Auch für das angrenzende haus Marstall 1  samt Hofgebäude – die ebenfalls der Stadt gehören – muss eine sinnvolle Nutzungs- und Gestaltungsidee gefunden werden. Ein weiteres Haus Marstall 2 und die Baulücke Marstall 3 sind zwar im Privatbesitz, sollen aber in die Neugestaltung einbezogen werden. Konzepte werden außerdem für die Brachflächen in der Heidestraße gesucht.

Nachdem in der Entwurfswerkstatt ein städtebauliches Konzept beraten wurde und am gleichen Tag Vorentwurfsskissen entstanden sind, wird nun aus dem Material eine Broschüre zusammengestellt. „Wir wollen den Stadtvertretern und sachkundigen Einwohnern möglichst frühzeitig das Material zur Verfügung stellen“, sagt Heike Scharf. Schon am 11. November wird die Zukunft des Giebelhauses und angrenzender Bereiche der Parechimer Altstadt die Mitglieder des Stadtentwicklungsausschusses beschäftigen. 

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