Parchim : „Gesattelt“ wird vor allem das Auto

Schon die Vorfahren von Sattlermeister Del Kägebein waren mit seinem Beruf verbunden.
Schon die Vorfahren von Sattlermeister Del Kägebein waren mit seinem Beruf verbunden.

Del Kägebein hat traditionelle Technik von der Pike auf gelernt - Fast jeder Auftrag von Reitern und Fahrzeugbesitzern ein Unikat

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07. Mai 2018, 12:00 Uhr

In kaum einem Berufsstand liegen Tradition und technischer Fortschritt so nahe beieinander wie im Handwerk. Was früher ausschließlich mit der Hand gestaltet wurde, geschieht heute in vielen handwerklichen Berufen mit Hilfe von Computern. Trotzdem lernen Handwerker auch heute noch die traditionellen Techniken. In dieser Woche schauen wir uns in Handwerksbetrieben der Region um, heute bei Sattlermeister Del Kägebein in Parchim.

„Die Zeiten, in denen man mit Pferden auf dem Feld gearbeitet hat, sind längst vorbei. Das macht ja keiner mehr. Aber damit haben wir einmal angefangen“, erzählt der Handwerksmeister. Sattel benötigen heutzutage nur noch wenige Menschen. Der Gebrauchsgegenstand für den Alltag auf dem Land dient im 21. Jahrhundert meist nur noch Hobbyreitern. So mache der Reitsportbedarf nur noch einen Bruchteil seiner Arbeit aus, sagt Kägebein im SVZ-Gespräch.

Das Handwerk mit Jahrhunderte alter Tradition hat sich maßgeblich verändert. Doch den Sattel gibt es noch und den Beruf des Sattlers ebenfalls. Del Kägebein ist einer der wenigen Handwerker, der in diesem Metier arbeitet. Bereits in seinen frühen Kindertagen sei er in der Werkstatt des Vaters mitgelaufen, berichtet der Parchimer über seinen Werdegang. Nun führt Del Kägebein die Sattlerei in der vierten Generation – seit über 100 Jahren übt seine Familie das Handwerk in der Eldestadt aus.
Zu Kägebeins Kunden zählen nach wie vor Reitsportler, die für ihr Hobby hochwertiges Zubehör benötigen. Doch waren es früher eben nur Pferd und Kutsche, sind es heute deren Nachfolger, die die Berufspraxis veränderten. Das Beziehen mit Leder oder Kunstleder von Sitzen aller möglichen Transportmittel generiert die Arbeit des 43-jährigen Sattlermeisters. Zudem repariert er Kleinlederwaren wie Handtaschen, Gürtel und Geldbörsen oder repariert Plastik-Abdeckplanen von LKW und Marktständen.

Die Breite des Angebots und die kontinuierliche Weitergabe der handwerklichen Fähigkeiten an die eigenen Söhne ist möglicherweise der Grund, weshalb das Familienunternehmen seit so langer Zeit auf dem Markt durchhält. Geeigneten Nachwuchs außerhalb der eigenen Familie zu finden ist ein Problem, gibt Kägebein zu bedenken. „Das Problem ist: viel Arbeit, wenig Geld. Bei den jungen Menschen fehlt die Motivation. Sie wollen lieber Youtube-Stars werden“, sind seine deutlichen Worte.

Neben der Werkstatt in der Baadestraße gibt es eine weitere in der Bahnhofstraße. „Die ist größer, da geht ein ganzes Auto rein“, so Kägebein. Schließlich gehören zu seinen Kunden auch Autofans, die sich Maßanfertigungen aus Leder für ihr Schmuckstück gönnen. „Leder ist ein teures, hochwertiges Produkt, das ist nun mal so. Leder ist keine Massenware“, sagt der Parchimer. Während er als Fachmann einen Blick für echte Tierhaut hat, erkenne der Normalverbraucher meist nicht den Unterschied zwischen Natur- und Kunstprodukt. Kägebein meint: „Mit Kunstleder erreicht man nahezu die selben Eigenschaften wie Optik und Qualität. Und es kostet nur ein Zehntel.“

So wie er seinen Beruf liebt, fasziniert er sich auch für den Stoff, den er täglich in seinen Händen hält. Er fährt mit dem Finger über die feine Maserung eines Musterstreifens: „Bei einem echten Stück Leder handelt es sich nicht um eine homogene Fläche. Man findet keine zwei gleichen. Das ist die Kuh, so wie sie geschaffen war.“

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