Parchim : Gemalt hinter Stacheldraht

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Eine der Farbskizzen – präsentiert von Dr. Sven-Hinrich Siemers.
Eine der Farbskizzen – präsentiert von Dr. Sven-Hinrich Siemers.

Skizzen eines französischen Kriegsgefangenen kehren nach über 100 Jahren nach Parchim zurück

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03. Juni 2019, 20:00 Uhr

Einhundert Jahre nach dem Ende des Ersten Weltkrieges fällt ein neues Licht auf die Rolle Parchims in dieser Zeit. Auf dem Gelände des heutigen Flughafens stand eines der ersten Kriegsgefangenenlager, in dem gut 30 000 Gefangene untergebracht werden konnten. Einen Einblick in das damalige Lagerleben gibt eine neue Ausstellung in der Remise am Landratsamt, die am 21. Juni eröffnet wird. Unter dem Namen „Welt“-Stadt hinter Stacheldraht - Das Kriegsgefangenenlager Parchim in Bildern von Maxime Bourrée (1914-18) werden die Skizzen des französischen Soldaten Maxime Bourrée gezeigt, der diese während seiner Gefangenschaft im Lager anfertigte. Durch ein 1974 veröffentlichtes Tagebuch, das mittlerweile verschollen ist, ist der Lebensweg Bourrées von seiner Geburt in Frankreich bis zu seiner Gefangenschaft in Parchim bekannt.

Bourrée wurde 1882 in Barenton (Normandie) als Sohn eines Delikatessen-Händlers geboren. Nachdem er mit 15 Jahren beide Eltern verloren hatte, ging er in eine katholische Seminarschule nach Saint Germain. Dort unternahm er seine ersten Malversuche und bekam von einem Pfarrer seine erste Staffelei geschenkt.

1912 wurde Bourrée zum Wehrdienst eingezogen. Als 1914 der Erste Weltkrieg ausbrach, war sein Regiment eines der ersten, das an die Front verlegt worden ist. Nur 15 Tagen nach dem Ausrücken wurde er schwer verwundet und geriet in deutsche Gefangenschaft. Nach seiner Genesung im belgischen Frontlazarett Charleroi kam er Ende 1914 in das Kriegsgefangenenlager Parchim. Das Lager war als eines der ersten im Oktober „eröffnet“ worden und war für 30 000 Gefangene ausgelegt. Laut Museumsleiter Dr. Sven-Hinrich Siemers galt es als Vorzeigelager.

Irgendwann in seiner Gefangenschaft fing Bourrée damit an, farbige Skizzen – häufig von Personen in Alltagsszenen – in einem Buch anzufertigen. Am Ende sind es 127 geworden. Dieses Skizzenbuch wurde von seiner Enkelin Esther Bourrée im Nachlass entdeckt. Nach der Restaurierung und Digitalisierung im Musée Félicien Rops in Namur (Belgien) wurden die Repliken 2014 im Bahnhof von Lüttich gezeigt.

Knapp 90 dieser Repliken werden nun vom 21. Juni bis 1. September in der Ausstellung in der Remise zu sehen sein. Zur Eröffnung um 15 Uhr wird Esther Bourrée zu Gast sein und das originale Skizzenbuch dabei haben, das anschließend in einer großen Sonderausstellung in Verdun zu sehen sein wird.

Zusätzlich zu den Skizzen werden Infotafeln über das Leben Bourrées und Kriegsgefangenenlager Auskunft geben. Des Weiteren werden auf einem Bildschirm digitalisierte Postkarten von Kriegsgefangenenlagern gezeigt, die damals zu Propagandazwecken angefertigt wurden. Im Museum wird es in dieser Zeit eine speziell für Schüler konzipierte Ausstellung zum Ersten Weltkrieg vom Volksbund Deutscher Kriegsgräberfürsorge geben.

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