Friedrichsruhe : Gefährlicher Bahnhof-Spielplatz

Die Züge halten in Friedrichsruhe. Der Zahn der Zeit nagt an der ehemaligen Gepäckabfertigung. Fotos: Mitzlaff
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Die Züge halten in Friedrichsruhe. Der Zahn der Zeit nagt an der ehemaligen Gepäckabfertigung. Fotos: Mitzlaff

Nach Verkauf des Bahngebäudes in Friedrichsruhe kümmert sich der neue Besitzer nicht darum

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23. September 2017, 05:00 Uhr

Die Züge nach Schwerin und Parchim fahren munter weiter und halten in Friedrichsruhe. Nur den einst schmucken Bahnhof braucht wohl niemand mehr. Seit die Bahn das Gebäude verkaufte, bleibt es weitgehend sich selbst überlassen. Gemeindevertreterin Hannelore Grätz sieht in der Ruine eine Gefahr: „Wir haben dort schon spielende Kinder auf die Gefahr aufmerksam gemacht“, sagt die Friedrichsruherin.

Die reifere Gemeindejugend nahm Donnerstag Abend zum Treff lieber auf der Sitzbank am Bahnsteig Platz und sagte mit skeptischem Blick Richtung Ruine: „Wir gehen da nicht rein.“

Bürgermeister Uwe Kröger (SPD) kennt das Problem. Obwohl das Bahnhofsgebäude in Privatbesitz ist, habe der Gemeindearbeiter vor längerer Zeit Türen und Fenster gesichert. Uwe Kröger: „Wir haben Flatterband als Absperrung gespannt und die Fenster zugenagelt.“ Allerdings könne die Gemeinde das Bahnhofsgebäude am Ortsausgang nicht ständig überwachen. Das wäre Sache des Besitzers. Es soll sich um einen britischen Staatsbürger handeln, der den Bahnhof schon wieder an einen Landsmann weiterverkauft haben soll. Kröger: „Es sieht gefährlich aus.“ Der Bürgermeister hat sich ans Ordnungsamt Crivitz und an den Fachdienst Bauordnung des Landkreises Ludwigslust-Parchim gewandt.

Aus der Kreisverwaltung war zu erfahren, dass es schwierig und zeitraubend sei, Kontakt zu dem Eigentümer zu bekommen. Der sei in erster Linie verpflichtet, sein Gebäude zu sichern. Das so vorgeschriebene Verfahren kostet Zeit, in der Unbekannte die Absicherungen zerstören. Erst wenn es überhaupt nicht vorangehe und von dem Bahnhof eine akute Gefahr ausgehe, würde der Kreis in Vorleistung gehen. Zuvor würde man sich aber noch an den Verkäufer wenden, die Bahn.

Die scheint derzeit viele Gebäude und Grundstücke zu verramschen, Slogan: „Hunderte Objekte bundesweit warten auf Ihre Ideen...“ Dafür hat die Bahn extra eine Internetseite für Liegenschaften eingerichtet. „Viele nicht mehr für den Bahnbetrieb benötigte Empfangsgebäude suchen neue Eigentümer bzw. Ideen, die sie aus dem Dornröschenschlaf wecken.“ In Friedrichsruhe ist offenbar genau das Gegenteil passiert. Ein weiteres Bahnhofsgebäude in der Region steht noch auf der Verkaufsliste, der Parchimer Bahnhof. Vielleicht blühen dem bessere Zeiten als seinem Friedrichsruher Kollegen. Dort besteht dringender Handlungsbedarf, für wen auch immer. 

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