Parchim : Geburtstag im Haus Sonnenberg

Bereits 20 Jahre und mehr in der Einrichtung tätig: Einrichtungsleiterin Astrid Bräuer ( 3. v. l.) mit langjährigen Mitarbeitern.
Bereits 20 Jahre und mehr in der Einrichtung tätig: Einrichtungsleiterin Astrid Bräuer ( 3. v. l.) mit langjährigen Mitarbeitern.

Seniorenpflegeheim in der Weststadt besteht seit 25 Jahren. Kinder aus der Arche Noah überbringen heute ein Ständchen.

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25. März 2019, 05:00 Uhr

Das dürfte heute ein turbulenter Wochenauftakt im Haus Sonnenberg werden: Am Vormittag überbringen Jungen und Mädchen aus der Kita „Arche Noah“ ein fröhliches Geburtstagsständchen. Als Festessen steht mittags Entenkeule mit Rotkohl auf dem Speiseplan. Für den Nachmittag sind eine Andacht mit St. Marienpastorin Jessica Warnke-Stockmann sowie eine Kaffeetafel mit Programm geplant.

Der feierliche Anlass: Gerade jährte sich der 25. Jahrestag der Eröffnung des Seniorenpflegeheimes in diesem Stadtteil. Es gehörte im Jahr Fünf nach der Wende zu den ersten neu gebauten Pflegeheimen überhaupt im Lande. Bewohner aus den einstigen Feierabendheimen in Slate, Frauenmark, Mestlin sowie aus zwei Einrichtungen in Ruest fanden in der Parchimer Weststadt eine neue Heimstatt. Heute werden in der Einrichtung, die seit Frühjahr 2011 unter Trägerschaft des Diakoniewerkes Kloster Dobbertin steht, 119 pflegebedürftige Menschen betreut. 75 Mitarbeiter sind in der Pflege tätig.

Einrichtungsleiterin Astrid Bräuer unterstreicht, dass die vollstationäre Pflegeeinrichtung den Personalschlüssel erfüllt und mit einer Fachquote von 57 Prozent gut da steht. Sie selbst begann 1998 als Pflegedienstleiterin in diesem Haus, bevor sie 2013 mit der neuen Position betreut wurde. 15 Mitarbeiter des Teams sind seit 20 Jahren und noch viel länger in dieser Einrichtung tätig beziehungsweise haben vorher bereits in den erwähnten Heimen auf den Dörfern gearbeitet. Wie zum Beispiel Karola Kuller. Sie begann ihren beruflichen Werdegang 1983 in Mestlin sowie als Wohnbereichsleiterin in Ruest Dorf. 2008 übernahm sie die Pflegedienstleitung. Doris Nörenberg rutschte 1982 als Reinigungskraft in den Beruf, war 35 Jahre in der Pflege tätig und wechselte vor zwei Jahren in den Bereich soziale Betreuung. Kerstin Pingel gehört seit 1984 zum Team. Sie zog 1994 mit den Slater Bewohnern um. Marion Förster ist seit 1989 dabei, Annette Sievert seit 1992. Elke Winter wird im kommenden Jahr in den wohlverdienten Ruhestand gehen. Ihren ersten Arbeitstag in der Einrichtung hatte sie 1985.

Für Dagmar Reinke wurde der Pflegeberuf in der Nachwendezeit zur Berufung: Die gelernte Anlagenfahrerin suchte nach einer neuen Perspektive. Von 1991 bis 1994 stemmte sie bei der Ländlichen Erwachsenenbildung (LEB) in Parchim die umfassende Ausbildung zur staatlich anerkannten Altenpflegerin. Die Schulbank „teilte“ sie sich übrigens mit Kerstin Pingel, die sich beruflich weiter entwickeln wollte. Beide gehörten damit zum ersten Jahrgang an der neu gegründeten Altenpflegeschule bei der LEB und sind heute als Kolleginnen im Haus Sonnenberg im gleichen Wohnbereich tätig. Dagmar Reinke nahm von 2007 bis 2008 noch eine berufsbegleitende Ausbildung zur Praxisanleiterin auf sich und wurde so zur Mentorin für den Berufsnachwuchs. Ihre nach der Wende getroffene Entscheidung, beruflich noch einmal von vorn zu beginnen, hat sie keinen einzigen Tag bereut. Aber die „Altgedienten“ im Haus Sonnenberg sind sich darin einig, dass sie die Kraft für ein langjähriges Arbeitsleben in der Pflege nur aufgebracht haben, weil sie mit Herz und Seele dabei sind. „Das ist für mich Familie“, beschreibt eine der Mitarbeiterinnen das Verhältnis der langjährigen Kolleginnen untereinander. Bei aller Jubiläumsstimmung sitzt tief, wie die Politik das Thema Pflegenotstand vor sich her schiebt und den in dieser Branche Beschäftigten die gebührende Wertschätzung sowie gesellschaftliche Anerkennung vielfach versagt bleibt. Hinzu kommt das Lohngefälle zwischen Ost und West, ja selbst zwischen in der Alten- und Krankenpflege Tätigen.

Auch Hannelore Kipar war vor 25 Jahren „live“ beim Umzug der Einrichtung in das neu erbaute Haus dabei. Die Diätassistentin aus Slate ist bereits seit 1982 eine der guten Seelen am Herd. Gekocht wird in der vor etwa eineinhalb Jahren umgebauten und erweiterten Küche nicht nur für das eigene Haus, sondern auch für die Nachbarn in der angrenzenden Wohnanlage, für Bewohner zweier weiterer diakonischer Einrichtungen in der Kreisstadt sowie für Jungen und Mädchen aus einer Parchimer Kindertagesstätte. Täglich werden rund 400 Mittagsportionen zubereitet. Küche, Reinigung und Wäscherei sind das „Revier“ der Diakoso Servicegesellschaft, die in ganz Mecklenburg-Vorpommern Dienstleistungen für diakonische, soziale und andere Einrichtungen ausführt. Im Haus Sonnenberg sind etwa 30 Diakoso-Mitarbeiter tätig.

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