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Parchimer Zeitung

18. Oktober 2017 | 02:12 Uhr

Parchim : Gartenarbeit hilft gegen die Sucht

vom
Aus der Redaktion der Parchimer Zeitung

Tagesstätte übernimmt Parzelle. Kranke können hier ihre Leistungsgrenzen und ihre körperliche Belastbarkeit austesten.

von
erstellt am 24.Aug.2017 | 05:00 Uhr

Suchtkranke bauen in einem Garten in Parchim Kartoffeln, Bohnen, Zwiebeln und anderes Gemüse an. „Es geht darum, dass die Leute ihre Leistungsgrenzen, ihre körperliche Belastbarkeit austesten“, sagt Ursula Soomann, Leiterin der Tagesstätte im Diakonie-Suchthilfezentrum in der Kreisstadt. Das geerntete Gemüse und Obst wird in der Therapieküche verarbeitet.

Schon längere Zeit waren die Suchtberater, die sich um Klienten aus dem Landkreis kümmern, auf der Suche nach einem Garten unweit der Tagesstätte in der Stegemannstraße. Im Februar konnten sie ein passendes Grundstück übernehmen. Der Tipp kam von einem Klienten der Tagesstätte, dessen Bekannte diesen Garten los werden wollte, weil sie die Arbeit nicht mehr schaffte, berichtet Ursula Soomann. Es fehlte bis dahin auch noch eine Kreativkraft, wie die Leiterin der Tagesstätte sagt. Die wurde gefunden: Karolin Hanf hat Aufgaben als Ergotherapeutin übernommen.

14 Plätze gibt es in der Tagesstätte. Sie sind alle belegt, sagt die Leiterin. Betreut werden hier Alkoholkranke und psychisch Kranke mit Abhängigkeiten. Zum Teil kommen sie aus der Nähe, zum Teil werden sie aber auch aus weiter entfernten Orten im Landkreis befördert. Anderenfalls hätten sie keine Möglichkeit, die Therapie zu nutzen, so Ursula Soomann. Sie verweist nicht nur auf das Nahverkehrsnetz, sondern auch auf die Kosten für die Tickets. Morgens um sieben Uhr werden die Klienten abgeholt, um 14.30 Uhr geht es zurück.

Es gehe darum, dass die Menschen wieder Struktur in ihren Tagesablauf und irgendwann ihr Leben wieder selbst in den Griff bekommen, erklärt Ursula Soomann. Viele der Frauen und Männer, die in der Tagesstätte Hilfe erhalten, haben keine Familien. „Die meisten leben alleine, sozial isoliert“, so Soomann. Mindestens anderthalb und bis zu drei Jahre kommen die Klienten in das Haus. Hier reicht das Angebot von Gesprächen bis zur Kochgruppe, in der vermittelt wird, sich selbst eine Mahlzeit zuzubereiten, sowie vom Kegeln bis zu thematischen Gruppen z. B. rund um die Erkrankung an Depressionen. Für die Betroffenen sei es wichtig, sich auseinander zu setzen, so mit dem Sinn ihres Lebens bis zu Problemen in der Kindheit, erfährt SVZ.

Wichtig sei auch, dass die Klienten aus dem Haus der Tagesstätte herauskommen, so Soomann. Deshalb gibt es u.a. seit längerer Zeit eine Zusammenarbeit mit dem Haus der Jugend.

Mindestens einmal die Woche geht es mittlerweile in den neuen Garten, der übrigens nicht nur zur Arbeitstherapie, sondern auch zur Entspannung dienen soll, wie Karolin Hanf erklärt. Man kann hier die Natur auf sich wirken lassen.

Noch ist viel Arbeit, um alles herzurichten. Ursula Soomann erklärt, dass hier später auch einmal Gesprächsrunden stattfinden könnten. Oder dass man sich hier zum Grillen trifft. Auch für Selbsthilfegruppen an der Tagesstätte soll dieser Garten einmal als Treff zur Verfügung stehen. Ursula Soomann hofft, Sponsoren zu finden.

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