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Parchimer Zeitung

23. Oktober 2017 | 08:30 Uhr

Parchim : Galgenberg auf der Denkmalliste

vom
Aus der Redaktion der Parchimer Zeitung

Früherer Gerichtsplatz in Parchim symbolisiert ein Stück Stadtgeschichte.

von
erstellt am 02.Jan.2017 | 21:00 Uhr

Bis vor zwei, drei Jahren wussten nur noch wenige Parchimer um die stadtgeschichtliche Bedeutung des Parchimer Galgenberges als Richtstätte. Der bereits vor 110 Jahren vom späteren Regierungsbaumeister Werner Cords-Parchim als „letztes Wahrzeichen der früheren Kriminalgerichtsbarkeit Parchims“ beschriebene Platz abseits des Alten Südrings fristete lange Zeit ein Dasein als wilde Müllhalde – bis sich der Heimatbund mit Unterstützung der Stadtverwaltung der Sache annahm. Im Rathaus hatte sich u. a. auch Karola Kimmen, Sachbearbeiterin für Grünflächen, für die würdige Gestaltung des Areals ausgesprochen.

Nun wurde der Galgenberg in die Bodendenkmalliste des Landkreises Ludwigslust-Parchim aufgenommen. Der Heimatbund hatte im Frühjahr 2016 einen entsprechenden Antrag beim Landesamt für Kultur und Denkmalpflege gestellt. Ende vergangenen Jahres traf dann die erhoffte Nachricht beim Verein ein, dass der Standort des Galgenberges als „unveränderliches, obertägig sichtbares Bodendenkmal“ erfasst wurde. Zuvor hatten Archäologen das Areal gründlich unter die Lupe genommen. Die Stadt als Eigentümer des Grundstücks muss damit bei künftigen Planungen im Hinblick auf die Gestaltung des Hügels und des Umfeldes die Belange des Denkmalschutzes berücksichtigen.

„Wir freuen uns sehr über diese Entscheidung“, bekräftigt Heimatbund-Vorsitzender Mark Riedel. Zugleich sehen er und seine Heimatfreunde damit ein Vermächtnis ihres früheren Vereinsvorsitzenden erfüllt. Dr. Klaus Kagel leitete den Verein, der 2016 sein 95-jähriges Bestehen beging, von 1983 bis 1993. Der Heimatgeschichtlicher hatte unermüdlich dafür geworben, den zu einer Müllkippe verkommenen Galgenberg in einen würdigen Zustand zu versetzen. Ihm war es leider nicht mehr vergönnt, mitzuerleben, was sich hier seit dem Frühjahr 2014 nach und nach tat: Der Platz wurde entrümpelt und gepflegt. Auch der große Findling ist wieder freigelegt und die stark verwitterte Inschrift „Gerichtsplatz“ aufgearbeitet. Die Stadt hat auf Anregung des Heimatbundes außerdem Hinweisschilder am Alten Südring, am Ilepol und an der Fichtestraße aufstellen lassen, um Ortsunkundigen die Orientierung zu erleichtern. Mehr als 50 heimatgeschichtlich Interessierte waren im März 2016 dabei, als die Witwe von Dr. Klaus Kagel eine vom Heimatbund gestiftete Hinweistafel enthüllte. Den Text dafür hatten die Heimatbundmitglieder Marianne Braun, Dieter Dümcke, Mark Riedel und Steffi Schröder erarbeitet. Bärbel Rücker übernahm mit ihrer Englischgruppe die Übersetzung in die Zweitsprache.

Die Zeichnung fertigte Wolfgang Westphal an. Er ließ sich von einer historischen Beschreibung aus dem Jahr 1728 inspirieren. In jenem Jahr am 23. August wurde der Grundstein für einen neuen steinernen Galgen gelegt. Eine Hinrichtungsstätte war der Galgenberg bereits seit dem Mittelalter. Auch ein Scheiterhaufen existierte dort. Im Jahr 1820 erfolgte auf Verfügung des Magistrats der Abbruch des Galgens.

 

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