Fußball auf dem Stationsflur

Am Krankenbett spielen die beiden afghanischen Jungen Achmed und Sayed miteinander.
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Am Krankenbett spielen die beiden afghanischen Jungen Achmed und Sayed miteinander.

Mit Händen, Füßen und den Augen reden müssen die Ärzte, die Sayed und Achmed behandeln. Die beiden Jungen aus dem afghanischen Kriegsgebiet sind seit 14 Tagen am Parchimer Klinikum, wo sie an der Hüfte und am Knie operiert werden. Am Jahresende sollen beide wieder laufen können.

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09. September 2009, 09:55 Uhr

Parchim | Fußball spielen auf dem Krankenhausflur - das darf nur Sayed. Vor zwei Wochen kam er gemeinsam mit Achmed aus Afghanistan ins Parchimer Klinikum. Hier wird er nach einer Schussverletzung behandelt. Ein fehlendes Stück Knochen in seinem Unterschenkel soll wieder aufgebaut werden. Sayed ist acht Jahre alt - wahrscheinlich. "Wir haben keine genauen Daten oder Krankenakten über die beiden Jungen", sagt Dr. Rüdiger Wenzel, Chefarzt der Abteilung Chirurgie. Neben den Verständigungsproblemen mache dies die Behandlung der kleinen Patienten zu einer Herausforderung - und besonders viele Untersuchungen erforderlich. "Erst wenn wir Genaues über das Krankheitsbild wissen und sicher sind, dass sie keine Infektionskrankheiten haben, können die beiden operiert werden," so Wenzel. In Sayeds Fall soll ein Gestell am Unterschenkel den Knochen langsam wieder aufbauen helfen. Der etwas jüngere Achmed hat die erste OP schon hinter sich, an der Hüfte.

Organisiert wird die Hilfe von der Initiative Friedensdorf International, die Kinder aus Kriegs- und Krisengebieten ins Ausland vermittelt, wo sie kostenfrei behandelt werden. Seit 20 Jahren auch in der Parchimer Klinik.

Routine stellt sich bei den Ärzten und Schwestern auf der chirurgischen Station nicht ein. "Jedes Kind ist eine neue Herausforderung. Es handelt sich nämlich immer um schwere Fälle", sagt Wenzel. Momentan macht ihm besonders der kleine Achmed Sorgen. Eine Infektion an der Hüfte hatte ihn schon so geschwächt, dass sein Körper keine Abwehrreaktionen mehr gezeigt hat. Nach einer antibiotischen Therapie und der ersten Operation gehe es ihm aber schon besser, berichtet der Oberarzt Dr. Dirk Knebler. Nun stehen weitere Operationen bevor, begleitet von Physiotherapie. Denn durch Bewegung können die beiden die größten Fortschritte machen. Die beiden afghanischen Jungen sorgen auch selbst dafür - wenn Sayed Achmed im Rollstuhl mit auf den Flur nimmt. Zum Fußballspielen. Die Parchimer Ärzte sind zuversichtlich, dass beide Jungen zum Jahresende ohne Hilfsmittel laufen können. Und vielleicht schon mit dem nächsten Flugzeug der Initiative Friedensdorf im Frühjahr nach Hause fliegen können.

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