Domsühl : Funktioniert das Klärwerk richtig?

Graben bei Domsühl: Hier wird auch das gereinigte Abwasser aus der Kläranlage eingeleitet.
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Graben bei Domsühl: Hier wird auch das gereinigte Abwasser aus der Kläranlage eingeleitet.

Domsühl: Anlieger berichtet von Verunreinigung des Abflussgrabens. SVZ fragte beim Betreiber der Kläranlage nach.

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13. Januar 2018, 05:00 Uhr

Gibt es Probleme mit dem Klärwerk in Severin-Domsühl? Ein Anlieger hatte zum Jahresanfang Verunreinigungen in einem Graben entdeckt, in den das geklärte Wasser fließt. Schon lange gebe es hier Probleme, sagt er. Er hatte Fotos geschossen und sie auch an Mayk Kindler, Mitglied des Umweltausschusses des Kreistages, weitergeleitet. Der war vergangene Woche vor Ort und könne die Beobachtungen bestätigen, sagt Kindler. Er will das Problem in den Umweltausschuss bringen. Wie ein Domsühler erklärte, habe er sich diese Woche an die Umweltbehörde des Kreises gewandt.

SVZ fragte beim Betreiber der Kläranlage, dem Wasser- und Abwasserzweckverband Parchim-Lübz (WAZV), nach. „Uns sind in der näheren Vergangenheit keine Havarien auf der Kläranlage Severin-Domsühl bekannt. Auch die starken Niederschläge machten der Kläranlage auf Grund der Pufferspeicher anders als in den vergangenen Jahren keine Probleme“, erklärte Geschäftsführer Lothar Brockmann. Wenn jemand tatsächlich Fotos von der Verunreinigung gemacht und eine zuständige Umweltbehörde oder den WAZV-Bereitschaftsdienst nicht sofort in Kenntnis gesetzt hat, dann habe er grob fahrlässig eine Schädigung der Umwelt in Kauf genommen, so Brockmann. „Wir haben jedenfalls nichts bewusst ,abgeleitet!’“ Der Geschäftsführer weiter: In den letzten Wochen hatte der Ablauf der Kläranlage durchschnittlich Ablaufmengen unter 10 Kubikmetern pro Stunde. Die „Schmerzgrenze“ der Kläranlage liege bei 20. Damit sei Schlammabtrieb undenkbar.

Der WAZV-Geschäftsführer vermutet bei den aktuellen Beobachtungen, es handele sich um aufgewirbelte Sedimente. Brockmann: „Dies kann viele Ursachen haben, natürlich auch den abgetriebenen Schwimmschlamm aus dem vergangenen Jahr. Dieser hat sich mit anderen Pflanzenabbauresten auf der Grabensohle abgesetzt und sollte längst geräumt worden sein.“ Zur Beräumung sei es aber aus vom WAZV nicht zu vertretenden Gründen leider noch nicht gekommen.

„Bei den jetzigen Witterungsbedingungen wäre dies vielleicht möglich, wenn dauerhaft Frost käme, damit der anrainende Acker befahrbar wird. Vorher bekommt es auch die von uns schon längst damit beauftragte Fachfirma nicht hin.“

Störungen hatte es in vergangenen Jahren gegeben. Bis Mitte letzten Jahres kam es ab und an zu Schwimmschlammabtrieb. Es gab Kapazitätsengpässe im Klärwerk auf Grund der Produktion der Severiner Landpute bei gleichzeitigen Stark- oder Dauerregenereignissen. In die Klärung wurde investiert - so in die Errichtung von Edelstahlpufferspeichern nebst Steuerung und Maschinentechnik, in ein separates Pumpwerk unter Kostenbeteiligung der Mecklenburger Landpute. Könnte möglicherweise Starkregen weiter zu einem Problem werden, wenn zu viel zusätzliches Wasser in die Kläranlage gelangt? „Das Szenario, dass die Kläranlagelage wegen hydraulischer Überlastung überläuft, kennen wir glücklicherweise seit Errichtung und regulärem Betrieb der Pufferspeicher nicht mehr“, erklärt Brockmann. Es gebe noch Fremdwasserzuflüsse, dem arbeite man entgegen. So wurden zwei Grundstückseigentümer in Domsühl festgestellt, die ihr Niederschlagswasser illegal eingeleitet hatten. Das wurde mittlerweile abgestellt. Verstärkt verwendet der Verband Membraneinsätze für Kanaldeckel, die einen oberirdischen Zufluss auf ein Minimum begrenzen.

Der WAZV werde in regelmäßigen Abständen durch die zuständige Behörde überprüft und ist gemäß der Eigenüberwachungsverordnung gesetzlich verpflichtet, regelmäßig die Kläranlagenabläufe beproben zu lassen, was durch ein unabhängiges und dafür zugelassenes Labor erledigt wird, betont Brockmann. „Auch hier haben wir bis heute zu keinem Zeitpunkt Hinweise auf Überschreitungen der erlaubten Parameter im Ablauf der Kläranlage Severin-Domsühl erhalten.“ Auch beim Schwimmschlammabtrieb bis Mitte vergangenen Jahren seien alle Grenzwerte eingehalten worden.

Ein Domsühler Anwohner kündigte an, die Probleme noch einmal persönlich mit dem WAZV-Chef zu besprechen.

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