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Parchim: Wildtiere werden kaum bejagd : Fuchs & Co. werden zur Stadtplage

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Wildtiere wie Fuchs, Nerz, Waschbär, Iltis und Marder haben sich stark vermehrt und drängen bei der Futtersuche immer öfter in die Wohngebiete. So auch in Parchim. Angefangen hat alles nach der Wende.

svz.de von
erstellt am 07.Jan.2013 | 06:00 Uhr

Kiekindemark | "Das darf so nicht weitergehen!", meint Peter Urban. "Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass auf der Wockersee jede Menge Wasservögel zu sehen waren", meint der Mitarbeiter des Parchimer Ordnungsamtes, der sich als Jäger bestens mit der heimischen Tierwelt auskennt. Und der Experte kennt auch die Ursache: "Wildtiere wie Fuchs, Nerz, Waschbär, Iltis und Marder haben sich stark vermehrt und drängen bei der Futtersuche immer öfter in die Wohngebiete".

Peter Urban sieht seit langem mit Sorge, dass die wachsende Zahl der Raubtiere das natürliche Gleichgewicht aus dem Lot bringen und die Entwicklung für Menschen nicht ungefährlich ist. Angefangen hat alles nach der Wende. Nachdem Abschussprämien für Raubtiere abgeschafft wurden, sehen viele Jäger keinen Anreiz mehr, die Bestände von Fuchs & Co. im Zaum zu halten. Andere Jäger argumentieren, dass Füchse den Wäldern nutzen, weil sie Mäuse in großer Zahl vertilgen.

Peter Urban hält auch falsch verstandenen Tierschutz nicht gerade hilfreich. "Anfang der 90er Jahre haben so genannte Tierfreunde die Käfige der früheren Nerzfarm nahe Plau am See geöffnet und mehrere tausend Tiere einfach laufen lassen. Die haben sich längst vermehrt und sind heute in großer Zahl auch in der Parchimer Region unterwegs und haben es vor allem auf Vögel abgesehen", sagt Peter Urban.

Besondere Bauchschmerzen bereiten ihm Füchse. Die als schlau geltenden Räuber sind in der Kreisstadt vor allem am Dammer und Voigstdorfer Weg, beim früheren VEG-Gut, im Buchholz, den Gartenanlagen und sogar in der Wallallee unterwegs. Im vergangenem Jahr hat Peter Urban 19 Füchse nach Informationen durch besorgte Bürger in die Kastenfalle gelockt und anschließend getötet. "Die Füchse haben es auf leichte Beute abgesehen und die gibt es in der Stadt und in den Dörfern reichlich", meint er.

Alleine in Parchim haben Füchse bis zu 70 Hühner, 20 Kaninchen, Enten und sogar Katzen getötet. "Neben den Schäden, die den Tierhaltern entstehen, sind auch die Gefahren für die Menschen nicht zu unterschätzen. Auch wenn derzeit keine Tollwutfälle aufgetreten sind, kann sich das ändern. Darüber hinaus werden durch Füche Staupe und der gefürchtete Fuchsbandwurm übertragen", gibt Peter Urban zu bedenken. Da sind plötzlich verschwundene Schuhe, die von den Füchsen gerne als Beute angesehen und in die eigene Höhle abtransportiert werden, noch das kleinste Übel.

Jedermann ist aus Peter Urbans Sicht gefordert, sich mit dem Thema Wildtierplage in Wohngebieten und Gärten auseinanderzusetzen. "Es gibt sogar Leute, die Futter auslegen, weil sie den Wildtieren damit helfen wollen. Das ist Unsinn. Lebensmittel dürfen nicht offen gelagert werden, um Tiere nicht noch zusätzlich anzulocken.

Auch die auf den ersten Blick putzigen Waschbären sind auf dem Vormarsch. In Parchim wurden beim Schwinegel nahe dem Fischerdamm bereits vier Waschbären eingefangen. Die Räuber, die sogar über Schornsteine in die Häuser eindringen und die Deckel von Bio-Tonnen auf der Suche nach Futter geschickt öffnen können, werden schnell zur Plage. In Großstädten wie Berlin und Kassel wurden zur Bekämpfung der Waschbären bereits Stadtjäger eingestellt. Naturfreunde haben auch schon beobachtet, dass Waschbären inzwischen gelernt haben, die Verschlüsse von Nistkästen zu öffnen, um an den gefiederten Nachwuchs heranzukommen. "Wir müssen aufpassen, dass uns die Vögel nicht bald ganz abhanden kommen. Viele Arten sind inzwischen akut bedroht", meint Peter Urbahn.

Für ziemlich viel Ärger sorgen auch die Marder. Die Tiere machen es sich auf Böden in Wohnhäusern gerne gemütlich und nagen mit Vorliebe an Kabeln in abgestellten Autos. Die dadurch verursachten Schäden und Kosten gehen in die Million.

Das selbst vermisste Katzen auf das Konto der wilden Räuber gehen, wissen nur wenige. "Im vergangenem Jahr haben wir in einem Fuchsbau in Parchim die Reste von sieben Katzen entdeckt", so der Mann vom Ordnungsamt.

Für ihn steht fest: "Wildtiere gehören nicht in Wohngebiete. Die Menschen sollten Abstand halten und alles vermeiden, was die Tiere bei der täglichen Nahrungssuche anlocken könnte".

Hintergrund:

Der Nahrungsopportunist Rotfuchs stellt an seinen Lebensraum keine besonderen Anforderungen. Wälder, Grasland, Äcker und in jüngerer Zeit zunehmend auch Siedlungsgebiete sind unterschiedlich geeignete Lebensräume für die Rotfüchse, berichtet das Internet-Lexikon Wikipedia.

Die ersten Stadtfüchse wurden demnach um 1930 in Londoner Vororten mit hohem Grünflächenanteil bekannt.

Ab den 1980er Jahren traten vermehrt Berichte von Fuchsbeobachtungen in Großstädten auf dem europäischen Festland auf (z. B. in Berlin, Oslo, Zürich), die aber zunächst nur als Einzelfälle gewertet wurden. Inzwischen sind Füchse wahrscheinlich in den meisten Städten präsent. Entsprechende Meldungen häufen sich.

Die Stadt bietet für Füchse folgende Angebote:

  • Bereiche ohne menschliche Störung (Nachts: Friedhöfe, Parks)

  • Kleinräumige Strukturen

  • Reiches Nahrungsangebot: Komposthaufen, Essensreste, Früchte, Insekten, Mäuse

  • Sichere Rückzugsplätze (Schuppen, Holzstapel)

  • Keine großflächige Bejagung

Auch von anderen Wildtieren wie Steinmarder, Elster und Rabenkrähe ist aus ähnlichen Gründen eine Verstädterung bekannt.

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