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Parchimer Zeitung

22. November 2017 | 19:45 Uhr

Rusch : Frühling erwacht im Keramikdorf

vom
Aus der Redaktion der Parchimer Zeitung

Tag der offenen Töpferei am Wochenende: In Rusch laden zwei Werkstätten zum Schauen, Anfassen und Staunen ein

von
erstellt am 09.Mär.2017 | 05:00 Uhr

Während Lidwina Scherrer filigranen Schmuck aus Ton verputzt und ihm damit sozusagen den allerletzten Schliff gibt, läuft in der Nachbarwerkstatt nur eine Tür weiter die Töpferscheibe auf Hochtouren. Regine Schönemann dreht gerade neue Haustürklingeln, denn die Nachfrage der Kunden an diesen originellen Unikaten ist seit Jahren ungebrochen. Die Sonne, die den beiden Kunsthandwerkerinnen am ersten Märzsonnabend so verwegen durchs Fenster zublinzelte, lässt Vorfreude aufkommen: Der Keramikfrühling 2017 beginnt zu erwachen!

Und das wird am kommenden Wochenende bundesweit in nahezu 600 Werkstätten gefeiert – mit einem Tag der offenen Töpferei. Allein in Mecklenburg-Vorpommern laden 94 Keramikerinnen und Keramiker am 11. und 12. März jeweils von 10 bis 18 Uhr zum Schauen, Anfassen, Staunen und natürlich auch zum Kaufen ein. MV beteiligt sich seit 2008 an diesem mittlerweile 12. Aktionswochenende. Regine Schönemann ist von Beginn an dabei. „Der Tag der offenen Töpfereien ist eine schöne Gelegenheit, interessierten Besuchern unser Kunsthandwerk näher zu bringen und einen Eindruck davon zu vermitteln, was für einen aufwändigen Prozess jedes einzelne selbst getöpferte Teil durchläuft, bevor es die Werkstatt verlässt“, sagt die seit 1989 in Rusch ansässige Töpfermeisterin. Regine Schönemann hat sich unter dem Label „Keramik Mecklenburger Vogel“ bei Kennern professionell hergestellter Keramik mit hohen Gebrauchseigenschaften einen Namen gemacht. Ebenfalls in der Lewitzstraße 19 von Rusch präsentieren Lidwina Scherrer und Pat Bennett Keramik im Blauen Haus. Lidwina Scherrer, Keramikerin und Diplomdesignerin für Textiles, hat sich neben der Kreation von einzigartigen Schmuckaccessoires insbesondere auf die Herstellung von hochgebranntem Steinzeug mit Goldauflage spezialisiert. Auf den ersten Blick könnte man es glatt mit feinem Porzellan verwechseln. Töpfern, Glasieren, Brennen, Verputzen ...: Bevor eine Tasse oder eine Teekanne nach vielen Arbeitsschritten endlich ihren glanzvollen Auftritt in der Verkaufsausstellung bekommt, hat Lidwina Scherrer jedes einzelne Stück mindestens 30 mal in die Hand genommen.

So wandert jedes Unikat allein dreimal in den Brennofen: für den Schrühbrand bei 950 Grad, den Glattbrand bei 1280 Grad und schließlich den Goldbrand bei einer Temperatur von 830 Grad Celsius. Alle Glasuren, die Lidwina Scherrer verwendet – und das gilt ebenso für ihre Berufskollegin Regine Schönemann – kommen natürlich nicht von der Stange, sondern sind selbst entwickelt.

Die Haustürklingel-Rohlinge, die Regine Schönemann in diesen Tagen gedreht hat, müssen sich nun noch eine kleine Weile gedulden, bevor sie im holzbefeuerten Freibrandofen bei einer Temperatur von 1320 Grad „wetterfest“ gemacht werden. Er wird nämlich nur zweimal im Jahr – im Frühjahr und im Advent – entfacht. Am Ostermontag baut Regine Schönemann die seit Jahresbeginn hergestellte Ware ein. In den folgenden Tagen wird der Ofen dann schrittweise hochgeheizt und auf den Punkt genau bei einer Temperatur von 1280 Grad das mit Sägemehl vermengte Kochsalzgemisch direkt ins Feuer gegeben. Durch die auf diese Weise ausgelöste chemische Reaktion entsteht die typische Mecklenburger-Vogel-Glasur.

Besucher beim Tag der offenen Töpferei im Lewitzdorf Rusch erwarten am Wochenende nicht nur gute Gespräche über eine Handwerkskunst, die zu den ältesten überhaupt gehört, und Führungen zur Holzofenbrandtechnik. Sie können sogar die ersten Vorbereitungen für den im kommenden Monat geplanten Ofenbrand live miterleben.

Wer jetzt so richtig Feuer fängt und nun auch sehen möchte, welche Schätze diesmal aus dem Ofen an die Frühlingssonne befördert werden, sollte sich schon jetzt den vierten Aprilsonntag vormerken: Nach der Holzofenöffnung am Vortag wird am 23. April ab 14.30 Uhr die Frühlingsausstellung gefeiert.

 

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