Bio-Milchtankstelle in Rusch : Frische Landmilch selbst gezapft

<fettakgl>Bärbel Timmermann,</fettakgl> die mit ihrem Mann  Bodo die Bio-Milchtankstelle    an ihrem Bio-Hof in Rusch betreibt,  demonstriert, wie die 'Tanke' funktioniert: Einfach zahlen, zapfen und  schmecken  lassen.  Übrigens: Unter den  Zapfhahn passen Gefäße  von  max. zwei Litern.   <fotos>Fotos: Herbst</fotos>
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Bärbel Timmermann, die mit ihrem Mann Bodo die Bio-Milchtankstelle an ihrem Bio-Hof in Rusch betreibt, demonstriert, wie die "Tanke" funktioniert: Einfach zahlen, zapfen und schmecken lassen. Übrigens: Unter den Zapfhahn passen Gefäße von max. zwei Litern. Fotos: Herbst

Rusch, Ortsteil der Großgemeinde Lewitzrand hat kaum 200 Einwohner. Doch steht hier jetzt eine Tankstelle. Dazu noch eine ganz besondere: Bärbel und Bodo Timmermann haben sie eröffnet - ihre Bio-Milchtankstelle.

svz.de von
13. Juli 2012, 06:07 Uhr

Rusch | Rusch, Ortsteil der Großgemeinde Lewitzrand, ist nur klein, kaum 200 Einwohner. Und doch steht genau hier jetzt eine Tankstelle. Dazu noch eine ganz besondere: Bärbel und Bodo Timmermann, die hier 1991 begannen, konventionelle Landwirtschaft betreiben, den Betrieb aber 2009 aus Überzeugung auf Bio umstellten, haben sie eröffnet - ihre Bio-Milchtankstelle. "Wir haben lange mit dem Gedanken gespielt, viel im Internet recherchiert, uns immer wieder solche Anlagen angesehen, wenn wir unterwegs waren." Das war im Süden der Republik, weil im Norden Bio-Milchtankstellen eher rar sind.

Da die Preise für Milch in den Keller gegangen waren, hat es Jahre gedauert. Jetzt, genauer gesagt zum 1. Juli, haben die Timmermanns eine Selbstvermarkterquote beim Hauptzollamt beantragt, die notwendigen Mittel in die Hand genommen und sich ihren Traum erfüllt. Am Eingang zum Hof, auf dem die Landwirte Milchkühe halten und Rinder, Kälberaufzucht betreiben und Marktfrüchte anbauen, steht die Tankstelle - installiert in einem hübschen, kleinen Holzhäuschen. "Die Tankanlage, im Moment mit einem 60-Liter-Edelstahlbehälter ausgerüstet, funktioniert wie ein riesiger Kühlschrank. Sie wird jeden Tag frisch befüllt und über die Kühlung bei konstant vier Grad gehalten. Zwei Zapfanlagen, auf je 150 Liter ausgelegt, besorgen auf Knopfdruck die Entnahme", erklärt Bodo Timmermann. Ein Rührwerk sichert zudem permanent ab, dass sich das Fett in der 4-prozentigen Milch nicht absetzen kann.

Die Bio-Milch aus der Tankstelle ist Rohmilch. Nicht pasteurisiert, nicht homogenisiert, sondern Milch wie zu Omas Zeiten. Natürlich unter heutigen Hygienestandards abgemolken und "gebunkert". "Milchsäurebakterien sind auch in unserer Milch enthalten, aber wegen der geltenden Standards nicht mehr in der Masse", sagt Bärbel Timmermann. Was die Roh-Milch aber vor allem ausmache, sind deren gesunde Bestandteile. "Der Gesetzgeber verlangt, dass Rohmilchhersteller die Verbraucher darauf hinweisen, dass sie vor dem Verzehr abgekocht werden muss. Deshalb haben wir in der Tankstelle auch diesen Hinweis angebracht", sagt Bodo Timmermann, findet die Forderung jedoch paradox: "Rohmilch abgekocht unterscheidet sich dann in nichts mehr von der Milch, wie man sie im Laden kaufen kann." Den Forderungen des Gesetzgebers müssen die Landwirte Genüge tun. Und das haben sie auch. Timmermann selbst und seine Kollegen aber trinken die Milch roh, seit Jahren. "Und keinen von uns hat sie krank gemacht", sagt er.

Obwohl gerade erst ein paar Tage in Betrieb, haben die Ruscher Landwirte schon die erste Resonanz auf ihr neues Angebot bekommen. Bärbel Timmermann: "Es gab schon sehr viel positiven Zuspruch . Vor allem die Qualität unserer Milch wird gelobt. Die Leute sagen, sie sei so schön sahnig und cremig." Und nicht nur das: Wer einmal versucht hat, normale Milch aus dem Supermarkt dick werden zu lassen, wie es noch die Eltern taten oder die Oma, wird festgestellt haben, dass das nicht funktioniert. Egal ob H-Milch oder Frischmilch - fest wird die weiße Flüssigkeit nicht. Anders bei der Bio-Milch vom Ruscher Bauernhof. "Zu Omas Zeiten waren viel mehr Milchsäurebakterien enthalten, weshalb die Milch damals auch schneller dick und dann in vielen Küchen gern weiterverarbeitet wurde", erklärt Bodo Timmermann. "Bei unserer Milch dauert es ein bisschen länger, aber es funktioniert und es schmeckt."

Die 60 Liter Milch für die Bio-Tankanlage, die jederzeit aufgestockt werden können, fallen auf dem Hof (zumindest noch) nicht ins Gewicht: Immerhin liefern die Timmermanns alle zwei Tage ca. 4200 Liter Milch an die Bio-Molkerei Dechow. Permanent erfolgen Qualitätskontrollen. "Unsere Milch hat Klasse S. Das ist die höchste Qualitätsstufe, die es gibt", sagt Bodo Timmermann und freut sich.

Wer probieren will, dem sei gesagt, dass es ganz einfach ist: Den Wechselgeld-Automaten mit Hartgeld oder Scheinen füttern, ein Gefäß dabei haben (je max. zwei Liter) und Knopf drücken. "Für Durchreisende, die oft nichts zum Abfüllen dabei haben, werden wir in Kürze auch Flaschen deponieren", kündigt Bärbel Timmermann an.

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