Garwitz : Freiluftkino am Bad wiederbelebt

Ein gutes Bild auch bei Sonnenlicht bot die LED-Wand.
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Ein gutes Bild auch bei Sonnenlicht bot die LED-Wand.

Kioskbetreiber Tobias Warncke ließ im Garwitzer Eldebad am Wochenende drei Filme auf einer LED-Wand laufen

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03. August 2015, 11:45 Uhr

Das waren noch Zeiten. Da rollte das Kinoauto ins Dorf. Auf der Wiese hinter dem Garwitzer Freibad wurde eine Leinwand aufgestellt. Ein Projektor warf seine Lichtbilder darauf. Es musste schon ziemlich dämmrig sei, wollte man den Film verfolgen können. Sein mickriger Ton wurde auf jedem Fall vom Rattern des Projektors gestört.

Das letzte Freiluftkino dieser Art muss sich in Garwitz Mitte der achtziger Jahre abgespielt haben. „Heißer Sommer“ nannte sich die DEFA-Produktion von 1968, an die sich einige Bewohner des Lewitzrandes noch gut erinnern können. Mit den Schlagersängern Frank Schöbel und Chris Doerk in den Hauptrollen war es leichte Kost, deren Musik auch auf Amiga-Schallplatten verewigt wurde. Für den Film mussten als dünner Handlungsfaden die Erlebnisse von Oberschülern und -schülerinnen während ihrer Fahrt in die Ferien und beim Aufenthalt an der Ostsee herhalten. Die heiter-naiv-unverbindliche Sommergeschichte propagierte den Gemeinschaftsgeist und avancierte zum Kultfilm.

Nicht nur das Freiluftkino sondern auch diesen Film hat Tobias Warncke als Kioskbetreiber im Garwitzer Eldebad am vergangenen Freitag wieder auferstehen lassen. Aber ohne flackernde Lichtbilder, ohne das Rattern von Filmrollen und ohne quäkenden Ton. Vielmehr ließ er vom Schweriner Spezialisten Martin Rabold modernste Technik aufbauen: Eine große LED-Wand setzte sich locker gegen das Licht der Abendsonne und später gegen den Vollmond durch. Der klare, druckvolle Sound kam aus einer Lautsprecheranlage in einer Qualität, wie sie auch einem aktuellen Musikfestival alle Ehre gemacht hätte. Die Digitalisierung und Umwandlung in das 16:9-Format aber war nicht ganz spurlos an „Heißer Sommer“ vorübergegangen, denn die LED-Wand zeigte unten einen hellen Bildstreifen.Bei „Avatar“ am Sonnabend war dieser kleine Mangel kein Thema. Die 2009 als Mischung aus atemberaubenden, computer-animierten und real gedrehten Szenen und die Thematik (Raubbau an Bodenschätzen auf Kosten von Urvölkern) haben bis heute nichts von ihrer Aktualität verloren. „Burlesque“ am Sonntagabend punktete mehr mit seinen rasanten Shownummern und den Gesangseinlagen von Christine Aguilera oder Cher als mit einer soliden Handlung.

Letztlich brachte Tobias Warncke das Kunststück fertig, gleich ein dreitägiges Filmprogramm für mehrere Altersgruppen und höchst verschiedene Geschmäcker zu bieten. Das angenehme Ambiente in einer windstillen Ecke des Eldebades mit einer fantasievolle Möblierung tat ein Übriges, die Neuauflage des Garwitzer Freiluftkinos zu einem Erfolg geraten zu lassen.

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