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Drogenkonsum von Jugendlichen : "FreD" - Lücke zwischen Prävention und Sucht

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Frühintervention bei erstauffälligen Drogenkonsumenten, kurz: "FreD". Das neue Programm, das Hilfe geben will und Hilfe geben kann, soll Jugendliche vor Absturz bewahren.

svz.de von
erstellt am 25.Apr.2012 | 10:25 Uhr

Parchim | "FreD" - diese vier Buchstaben stehen für "Frühintervention bei erstauffälligen Drogenkonsumenten" und für ein Programm, das Hilfe geben will und Hilfe geben kann. Hilfe für junge Menschen, die durch den Konsum illegaler oder legaler Drogen auffällig geworden sind. Die Mehrzahl widersteht den Versuchen zu starken Konsums, andere bekommen Probleme. Man rechnet , dass bei den 12- bis 17-Jährigen männlichen Jugendlichen 12 Prozent mindestens eine Erfahrung mit illegalen Drogen gemacht haben; 47,3 Prozent bei den 18- bis 25-Jährigen. Bei weiblichen Jugendlichen sind es 8 bzw. 35,8 Prozent.

"FreD jetzt auch bei uns zu installieren, ist der Versuch, bei den jungen Leuten frühzeitig zu intervenieren, zu verhindern, dass sie überhaupt in die Spirale maßlosen Konsums gezogen werden", sagt Jacqueline Röhr, Präventionsfachkraft beim Diakoniewerk Kloster Dobbertin. Um das zu erreichen, soll FreD die Lücke zwischen Schule, Elternhaus, Polizei und Justiz schließen, die Lücke aber auch im Hilfesystem zwischen universeller Prävention und Suchtbehandlung. Der Fokus von FreD liegt dabei ganz klar auf den sogenannten Erstauffälligen - Jugendlichen, die erste Erfahrungen mit illegalen Drogen und übermäßigem Alkoholkonsum machen.

Ein erster Kurs - Dauer vier Wochen - lief bereits zu Jahresbeginn, ein zweiter hat gerade begonnen. Mit dabei jetzt auch junge Leute aus Parchim. 15 bis 30 Jahre sind sie alt. Die einen sind freiwillig dabei, die anderen haben die Weisung vom Gericht erhalten. Keiner von ihnen muss Kursgebühren zahlen und die Trainer garantieren hundertprozentigen Datenschutz. Das sind natürlich Vorteile. Wesentlicher aber ist für sie anderes. Jacqueline Röhr: "Wenn der Jugendliche erstmals auffällig geworden ist, muss die Schule keinen Anzeige machen, sondern kann Kontakt zu FreD aufnehmen oder den Jugendlichen in einen Kurs vermitteln." Klappe das, sei im besten Fall nicht nur die Eskalation des Problems abgewehrt. Für die Schule werden drastischere Maßnahmen, wie etwa Ausschluss vom Unterricht oder von einer Klassenfahrt unnötig. Und FreD kann es auch schaffen, einen jungen Menschen vor einem Schulverweis zu bewahren, auf den er andernfalls vielleicht zusteuern würde.

Wer bei FreD mitmacht, hat vier Wochen Zeit, sich mit seinem Problem auseinanderzusetzen. Die den individuell festgelegten Kursinhalten geht es um Vertrauen, positive Gruppenatmosphäre, es geht darum, dass die Teilnehmer mehr über Drogen und rechtliche Aspekte lernen, lernen, sich und ihre Gewohnheiten objektiv wahrzunehmen, sich persönliche Ziele zu setzen und über Unterstützungsmöglichkeiten innerhalb und außerhalb des Hilfesystems Bescheid wissen.

"Wenn es uns gelingt, die Schulen, die Polizei und das Gericht als Partner zu gewinnen", so Jacqueline Röhr, "werden wir mit FreD viel erreichen können." Etwa, dass Verfahren eingestellt und Arreste oder Sozialstunden vermieden werden oder auch dass Gerichte mildere Strafen verhängen. Die Erfolge bei FreD seien dennoch schwer messbar. "Fakt ist", so Jacqueline Röhr, "dass die Mehrzahl unserer Kursteilnehmer auch weiterhin in Beratung gehen, einer sich jetzt medizinisch beraten lässt.".

Das Programm läuft sowohl in Parchim als auch in Ludwigslust: Das Diakoniewerk Kloster Dobbertin ist derzeit die einzige Einrichtung im Landkreis überhaupt, die FreD durchführt und dafür bereit drei qualifizierte Trainer hat. Anmeldungen sind jederzeit möglich, und zwar bei der Suchtberatungsstelle der Diakonie in Parchim, Stegemannstraße 11 in Parchim, Tel. 66041 oder beim Suchthilfezentrum Ludwigslust Kanalstraße 20 in 19288 Ludwigslust, Telefon: 03874/29037.

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